Wissen bezeichnet im Allgemeinen Überzeugungen oder Aussagen, von denen wir behaupten, dass sie wahr sind und sich damit von bloßer Meinung unterscheiden. Oft versteht man unter Wissen Informationen (Informationen), die korrekt sind und sich durch Beweise oder hinreichende Gründe stützen lassen. Solche Gründe machen eine Aussage gerechtfertigt — ohne Rechtfertigung sprechen wir typischerweise nicht von Wissen. Wichtig ist dabei: Wissen ist ein Anspruch auf Wahrheit, aber dieser Anspruch kann sich als falsch herausstellen.

Formen des Wissens

Wissen kann in verschiedene Arten eingeteilt werden:

  • Begriffliches oder propositionalen Wissen („wissen, dass“): Kenntnis von Tatsachen oder Aussagen, z. B. „Ich weiß, dass Paris die Hauptstadt Frankreichs ist.“
  • Prozedurales Wissen („wissen wie“): Praktische Fähigkeiten und Fertigkeiten, z. B. Fahrradfahren oder Klavierspielen. Dies entspricht der Unterscheidung, die Gilbert Ryle bekannt gemacht hat zwischen „knowing that“ und „knowing how“.
  • Implizites Wissen: Oft unbewusste oder schwer in Worte zu fassende Kenntnisse, z. B. intuitives Wissen einer erfahrenen Handwerkerin.
  • Explizites Wissen: Formalisierbares, sprachlich darstellbares Wissen, wie es in Lehrbüchern oder wissenschaftlichen Berichten zu finden ist.

In der Philosophie wird das Studium des Wissens als Epistemologie (Erkenntnistheorie) bezeichnet. Dort wird nicht nur gefragt, was Wissen ist, sondern auch, wie man es begründet, wie sicher es sein kann und welche Grenzen es hat.

Platon und die klassische Analyse: Gerechtfertigter wahrer Glaube

Der antike Philosoph Platon schlug eine frühe und einflussreiche Analyse von Wissensansprüchen vor: Wissen sei ein gerechtfertigter wahrer Glaube (engl. „justified true belief“). Nach dieser Idee müsste eine Person, um etwas zu wissen, drei Bedingungen erfüllen:

  • Die betreffende Aussage ist wahr.
  • Die Person glaubt an die Aussage.
  • Die Person hat eine Rechtfertigung oder Begründung für den Glauben.

Diese Definition erschien lange Zeit plausibel und wurde in der Philosophie breit diskutiert. Allerdings zeigte sich später, dass sie Probleme hat — vor allem durch die sogenannten Gettier-Beispiele.

Gettier-Probleme: Warum „gerechtfertigter wahrer Glaube“ nicht immer Wissen ist

1963 veröffentlichte Edmund Gettier kurze, aber einflussreiche Fälle, in denen alle drei Bedingungen (Wahrheit, Glaube, Rechtfertigung) erfüllt sind, die Situation aber trotzdem nicht als echtes Wissen erscheint. Ein klassisches, leicht verständliches Beispiel (in vereinfachter Form):

  • Angenommen, Smith hat gute Gründe zu glauben, dass Jones einen bestimmten Job bekommt und dass Jones drei Münzen in der Tasche hat. Auf dieser Grundlage schließt Smith auf eine zusammengesetzte Behauptung, die zufällig wahr ist, obwohl seine Gründe nichts mit der eigentlichen Wahrheit zu tun haben. Gettier zeigte, dass solche Zufälle dazu führen können, dass die Rechtfertigung nicht wirklich erklärt, warum die Aussage wahr ist — und viele meinen deshalb, es handele sich nicht um echtes Wissen.

Gettier-Fälle führten zu intensiver Forschung in der Erkenntnistheorie. Philosophinnen und Philosophen versuchten, die klassische Analyse zu modifizieren — z. B. durch Hinzufügen einer vierten Bedingung (kein Glücksfaktor), durch Betonung kausaler Verknüpfungen, zuverlässiger Methoden oder durch externe Begriffe wie „Tracking the truth“ (wahrheitsverfolgender Glaube). Bis heute gibt es keine allgemein akzeptierte, endgültige Lösung für alle Gettier-Fälle.

Gewissheit, Definitionen und logische Wahrheiten

Manche Aussagen sind gewissermaßen definitionsbedingt sicher: „Ein Kreis hat 360 Grad“ ist wahr in dem Sinne, dass sie in der gängigen Definition von „Grad im Kreis“ festgelegt ist. Solche Aussagen sind tautologisch oder analytisch. Aristoteles’ Syllogismus zeigte, wie aus Prämissen formal korrekte Schlussfolgerungen folgen können. Ein einfaches Beispiel für deduktives Schließen lautet:

  • Wenn alle Schwäne weiß sind, und dies ist ein Schwan, dann muss er weiß sein.

Allerdings beruht echtes Wissen über die Welt häufig auf induktiven Schlüssen und empirischen Beobachtungen, die nicht dieselbe absolute Gewissheit wie Definitionen liefern. In der Realität sind z. B. nicht alle Schwäne weiß — solche induktiven Annahmen können durch neue Beobachtungen widerlegt werden.

Wissenschaftliche Methode und Vorläufigkeit

Der am weitesten verbreitete Weg, verlässliche Erkenntnisse über die Welt zu gewinnen, ist die wissenschaftliche Methode: Hypothesenbildung, experimentelle Prüfung, Replikation und kritische Bewertung. Wissenschaftliche Erkenntnisse werden kontinuierlich überprüft und verbessert. Daher betonen viele Wissenschaftsphilosophen (Wissenschaftsphilosophen) den Fallibilismus: Alle wissenschaftlichen Erkenntnisse sind vorläufig und können durch bessere Beweise oder neue Theorien ersetzt werden. Wissenschaft liefert nicht notwendigerweise absolute Wahrheiten, aber sie gibt uns in vielen Bereichen die zuverlässigsten und systematisch begründeten Erkenntnisse, die wir momentan haben.

Praktische Konsequenzen und Schlussbemerkung

Wissen ist ein komplexes Phänomen mit unterschiedlichen Formen und Qualitätsgraden. In Alltag und Wissenschaft ist es nützlich, zwischen sicher begründeten, gut bestätigten und unsichereren Überzeugungen zu unterscheiden. Die epistemologischen Debatten — etwa um Platons Konzept des gerechtfertigten wahren Glaubens oder um Gettier-Fälle — zeigen, dass selbst scheinbar einfache Fragen nach „Was ist Wissen?“ tiefe philosophische und praktische Implikationen haben. Eine gesunde Haltung ist daher Vorsicht gegenüber absoluten Ansprüchen, gepaart mit dem Bemühen um gute Begründungen, offene Kritik und methodische Sorgfalt.