Übergewicht: Definition, BMI, Gesundheitsrisiken und Behandlung

Übergewicht verständlich erklärt: BMI‑Einordnung, Gesundheitsrisiken, Ursachen & effektive Behandlungs‑ und Präventionsstrategien. Jetzt informieren und Gesundheit fördern.

Autor: Leandro Alegsa

Übergewicht ist der Zustand einer Person, wenn sie mehr Fett im Körper hat, als für ihre Größe als normal angesehen wird. Übergewicht entsteht, wenn über längere Zeit mehr Energie aufgenommen als verbraucht wird. Dabei spielen neben Ernährung und Bewegung auch genetische Faktoren, Medikamente, Schlaf, Stress und soziale Umgebung eine Rolle.

Beurteilung: BMI und andere Messgrößen

Um herauszufinden, ob eine Person übergewichtig ist, können Sie ihren Body-Mass-Index berechnen. Der BMI wird in kg/m² angegeben (Gewicht in Kilogramm geteilt durch das Quadrat der Körpergröße in Metern). Personen mit einem BMI von 25 oder mehr gelten als übergewichtig. Alles über 30 gilt als fettleibig (stark übergewichtig). Übergewicht lag früher bei einem BMI von 27 oder mehr. Im Jahr 1998 änderte sich dies.

Der BMI ist einfach zu berechnen und nützlich für Bevölkerungsabschätzungen, hat aber Grenzen: Er unterscheidet nicht zwischen Muskel- und Fettmasse und berücksichtigt Verteilung des Körperfetts nicht. Deshalb werden ergänzend andere Messungen empfohlen, etwa der Taillenumfang (bei Männern oft kritisch ab ca. 102 cm, bei Frauen ab ca. 88 cm) und der Taillen-Hüft-Quotient. Auch die Messung des Körperfettanteils (z. B. per bioelektrischer Impedanz, DXA) liefert zusätzliche Informationen.

Gesundheitsrisiken

Übergewicht ist mit einem erhöhten Risiko für mehrere chronische Erkrankungen verbunden, insbesondere Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlafapnoe, Gelenkbeschwerden (z. B. Arthrose der Kniegelenke) und bestimmten Krebsarten. Adipositas (starke Fettleibigkeit) ist in der Regel mit stärkeren gesundheitlichen Problemen verbunden als moderates Übergewicht.

Es gibt allerdings Diskussionen und differenzierte Befunde: So schätzten Adams et al. (2006), dass das Sterberisiko bei Übergewichtigen um 20 bis 40 Prozent steigt. Andere Übersichtsarbeiten fanden, dass bei manchen Bevölkerungsgruppen leichtes Übergewicht nicht mit einer höheren Gesamtmortalität verbunden ist. Eine Überprüfung von 97 publizierten Artikeln mit einer Stichprobengröße von 2,88 Millionen im Jahr 2013 ergab, dass Übergewicht mit einer signifikant geringeren Gesamtmortalität (Tod) verbunden ist als "normales" Gewicht. Solche Ergebnisse müssen aber vorsichtig interpretiert werden: Unterschiede können durch Faktoren wie Rauchen, zugrunde liegende Krankheiten, Fitnesslevel, Altersverteilung oder die Dauer der Studien beeinflusst sein.

Körperfett hat auch physiologische Funktionen (z. B. Energiespeicher, Hormonproduktion, Immunmodulation), und es gibt Menschen, die als stoffwechselgesund übergewichtig gelten. Etwa 51,3% der übergewichtigen Erwachsenen werden in manchen Studien als metabolisch gesund eingestuft. In einzelnen Studien zeigten stoffwechselgesunde übergewichtige Frauen keine höhere Sterblichkeit oder ein größeres Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall als stoffwechselgesunde normalgewichtige Frauen. Langfristige Daten und die Definitionen metabolischer Gesundheit variieren jedoch, und viele Fachleute empfehlen dennoch Prävention und Monitoring.

Ursachen

  • Lebensstil: hoher Energiezufuhr durch kalorienreiche, nährstoffarme Lebensmittel und Bewegungsmangel.
  • Genetik: Vererbte Faktoren beeinflussen Appetit, Stoffwechsel und Fettverteilung.
  • Soziale und wirtschaftliche Faktoren: Zugang zu gesunden Lebensmitteln, Arbeitsbedingungen, Stadtplanung.
  • Medikamente und Krankheiten: Einige Medikamente (z. B. bestimmte Antidepressiva, Antipsychotika, Kortikosteroide) und hormonelle Erkrankungen können Gewichtszunahme begünstigen.
  • Schlafmangel, Stress und psychische Belastungen können Essverhalten und Stoffwechsel verändern.

Behandlung und Management

Ärztliche Beratung empfiehlt häufig Gewichtsreduktion zur Verbesserung von Risiken und Beschwerden. Typische Maßnahmen sind:

  • Ernährungsumstellung: dauerhafte Anpassung der Kalorienzufuhr und Auswahl nährstoffreicher Lebensmittel statt kurzfristiger Crash-Diäten. Beispiele sind mediterrane oder pflanzenbetonte Ernährung. Kurzfristige Diäten führen oft nicht zu dauerhaftem Erfolg: 41% der Diätisten wiegen vier bis fünf Jahre nach Ende der Diät mehr als vor Beginn der Diät.
  • Bewegung: regelmäßige körperliche Aktivität (z. B. 150–300 Minuten moderates Ausdauertraining pro Woche plus muskelstärkende Übungen) hilft beim Gewichtsmanagement und verbessert die Fitness und den Stoffwechsel.
  • Verhaltensänderung / Psychologische Unterstützung: Beratung, Verhaltenstherapie, Selbstüberwachung und Strategien zum Umgang mit Auslösern für übermäßiges Essen.
  • Medikamentöse Therapien: Es gibt zugelassene Medikamente zur Gewichtsreduktion, die bei bestimmten Kriterien in Erwägung gezogen werden. Sie wirken unterschiedlich und können Nebenwirkungen haben; eine ärztliche Begleitung ist notwendig.
  • Chirurgische Eingriffe (Bariatrische Chirurgie): Bei ausgeprägter Adipositas und begleitenden Erkrankungen können Operationen (z. B. Magenbypass, Schlauchmagen) die beste Option sein; sie führen oft zu größerer und dauerhafterer Gewichtsreduktion, tragen aber auch Risiken und benötigen langfristige Nachsorge.
  • Medizinische Ursachen ausschließen: Abklärung von Hormonerkrankungen oder Nebenwirkungen von Medikamenten, die zur Gewichtszunahme beitragen.

Manche Menschen verwenden Kräutertees, -pulver und -pillen, um ihre Masse zu verringern. Dazu besteht oft nur schwache Evidenz, und einige Präparate können Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben. Ärztlicher Rat wird empfohlen.

Langzeitstrategie und realistische Ziele

Wichtig ist eine nachhaltige Lebensstiländerung statt kurzfristiger Diäten. Schon eine moderate Gewichtsreduktion (z. B. 5–10% des Ausgangsgewichts) kann Stoffwechselparameter und Risiko für Diabetes verbessern. Regelmäßige Nachsorge, Unterstützung durch Fachleute (Ärzte, Ernährungsberater, Physiotherapeuten, Psychologen) und die Beseitigung von Barrieren im Alltag erhöhen die Erfolgschancen.

Soziale Aspekte: Stigmatisierung und Psychosoziale Folgen

Übergewichtige Menschen erleben häufig Vorurteile und Diskriminierung. Viele glauben, Übergewicht bedeute Faulheit oder mangelnden Willen. Solche negativen Einstellungen werden als Fettphobie bezeichnet und können zu schlechterer medizinischer Versorgung, geringerer Lebensqualität, Angst, Depression und Vermeidung von Gesundheitsversorgung führen. Es ist wichtig, respektvoll zu kommunizieren und auf individuelle Gesundheitsziele zu achten, statt zu stigmatisieren.

Besonderheiten: Kinder, Tiere und globale Verbreitung

Tiere können auch übergewichtig sein; insbesondere Haustiere leiden, wenn sie zu viele Kalorien erhalten und zu wenig Bewegung haben. Übergewicht bei Tieren führt zu ähnlichen Gesundheitsproblemen wie beim Menschen.

Mehr als 1,4 Milliarden Erwachsene in der Welt sind übergewichtig. Die Zahl der Übergewichtigen nimmt in vielen Ländern zu. Ursachen sind komplex und umfassen Veränderungen in Ernährung, geringer körperlicher Aktivität, Urbanisierung und wirtschaftliche Faktoren.

Prävention und öffentliche Maßnahmen

Zur Eindämmung von Übergewicht sind Maßnahmen auf individueller und gesellschaftlicher Ebene nötig: gesunde Ernährung fördern (z. B. Zugang zu frischen Lebensmitteln, weniger zuckerhaltige Getränke), Bewegung im Alltag erleichtern (z. B. sichere Fuß- und Fahrradwege), Bildungsprogramme, Besteuerung ungesunder Lebensmittel, sowie frühzeitige Prävention bei Kindern.

Wann ärztliche Hilfe suchen?

Suchen Sie eine Ärztin oder einen Arzt auf, wenn Sie starke oder rasche Gewichtszunahme bemerken, wenn Übergewicht zu Beschwerden oder Begleiterkrankungen (Bluthochdruck, Diabetes, Atemprobleme, Gelenkschmerzen) führt oder wenn wiederholte Eigenversuche zur Gewichtsreduktion nicht erfolgreich sind. Fachleute können Ursachen abklären, Risiken beurteilen und geeignete Maßnahmen empfehlen.

Hinweis: Dieser Text bietet allgemeine Informationen. Für individuelle medizinische Beratung wenden Sie sich an eine medizinische Fachkraft.

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Ein übergewichtiger TeenagerZoom
Ein übergewichtiger Teenager

Fragen und Antworten

F: Was ist Übergewicht?


A: Übergewicht ist der Zustand einer Person, wenn sie mehr Fett in ihrem Körper hat, als gesund ist, d.h. ihr Körper ist zu schwer.

F: Wie können Sie herausfinden, ob jemand übergewichtig ist?


A: Um herauszufinden, ob eine Person übergewichtig ist, können Sie ihren Body Mass Index (BMI) berechnen. Menschen mit einem BMI von 25 oder mehr gelten als übergewichtig. Alles über 30 gilt als fettleibig (stark übergewichtig).

F: Welche Gesundheitsprobleme sind mit Übergewicht verbunden?


A: Übergewicht ist mit Gesundheitsproblemen wie Typ-2-Diabetes und einem um 20-40% erhöhten Sterberisiko verbunden. Fettleibigkeit birgt größere Gesundheitsrisiken als einfaches Übergewicht.

F: Stimmt es, dass Übergewicht nicht so ungesund ist, wie gemeinhin angenommen wird?


A: Eine 2013 durchgeführte Überprüfung von 97 Pubmed-Artikeln ergab, dass Übergewicht mit einer signifikant niedrigeren Gesamtmortalität verbunden ist als 'normales' Gewicht. Außerdem waren 51,3% der Erwachsenen, die als "übergewichtig" eingestuft wurden, auch metabolisch gesund.

F: Wie versuchen die Menschen normalerweise, Gewicht zu verlieren?


A: Menschen versuchen in der Regel, Gewicht zu verlieren, indem sie weniger essen, was als "Diät" bezeichnet wird. Sie können auch Sport treiben, um ihr Gewicht zu reduzieren. Diäten allein erweisen sich jedoch oft als unwirksam, und 41% der Diätwilligen wiegen vier bis fünf Jahre nach dem Ende der Diät mehr als vor Beginn der Diät. Manche Menschen verwenden auch Kräutertees, Pulver und Pillen, um ihr Gewicht zu reduzieren.


F: Können auch Tiere als "übergewichtig" eingestuft werden?


A: Ja, auch Tiere können als "übergewichtig" eingestuft werden.

F: Ist "Übergewicht" mit einem negativen sozialen Stigma behaftet?


A:Ja, manche Menschen denken, dass Übergewicht bedeutet, dass eine Person faul oder schlecht ist, und das führt dazu, dass sie von anderen diskriminiert wird - diese Art der Diskriminierung von Übergewichtigen ist als Fatphobia bekannt.


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