Die Pioneer-Plaketten sind ein Paar metallener Schilder, das auf die Raumsonden Pioneer 10 und Pioneer 11 angebracht und mit diesen in den interstellaren Raum geschickt wurde. Beide Plaketten tragen dasselbe Bild, das aus mehreren miteinander verknüpften Teilen besteht und als Versuch gedacht war, einer unbekannten außerirdischen Intelligenz grundlegende Informationen über die Menschen und ihren Herkunftsort zu übermitteln.

Motivation, Entwurf und Material

Die Plaketten wurden Anfang der 1970er Jahre unter der Leitung von Wissenschaftlern wie Frank Drake und Carl Sagan entworfen; die Zeichnung der Menschen stammt von Linda Salzman Sagan. Sie sind als kleine, geätzte Metalltafeln ausgeführt (gold-anodisiertes Aluminium), die dauerhaft an den Raumsonden befestigt wurden, sodass sie auch über sehr lange Zeiträume erhalten bleiben können.

Darstellung der Menschen

Auf der Plakette ist eine Zeichnung eines nackten weiblichen und eines nackten männlichen Menschen zu sehen. Die Darstellung sollte biologische Merkmale, Proportionen und die menschliche Geste (der Mann hebt die Hand in einer Art Gruß) vermitteln. Die nackte Darstellung war bewusst gewählt, um anatomische Informationen möglichst einfach und ohne kulturelle Kleidung zu übermitteln, sie löste jedoch auch öffentliche Diskussionen über Angemessenheit und Interpretationsprobleme aus.

Wasserstoff-Diagramm als universelle Bezugsgröße

Ein zentrales Element ist ein kleines Diagramm, das die sogenannte Hyperfein-Übergangs-Eigenschaft des Wasserstoffatoms darstellt (vereinfacht: Änderung des Spins des Elektrons relativ zum Proton). Diese Eigenschaft ist kosmisch weit verbreitet und wurde hier als Referenz genommen, um eine universelle Längen- und Zeiteinheit zu definieren. In der Folge sind andere Angaben auf der Plakette — etwa Zeitangaben oder Längenangaben — in Bezug auf diese Wasserstoff-Referenz zu verstehen, sodass sich theoretisch auch eine fremde, technisch versierte Intelligenz ein Verhältnismaß ableiten könnte.

Raumschiffabbild und Sonnensystem

Eine schematische Karte unseres Sonnensystems zeigt die Sonne und die Planeten. Auf dieser Karte ist ein schematisches Raumschiff eingezeichnet, das vom dritten Planeten, der Erde, wegfliegt. Die Darstellung sollte den Startpunkt der Sonde und ihre Richtung relativ zu den Planeten anzeigen. Kritik gab es am Pfeil, der die Flugbahn markiert: Einige bemängelten, dass ein Pfeil als Symbol nicht universell verständlich sein könnte und missverstanden werden könnte.

Sternenkarte mit Pulsaren

Ein auffälliges Linienmuster, das wie ein Sternexplosionsmuster aussieht, ist eine Karte, die die Position der Sonne relativ zu bestimmten entfernten Objekten angibt. 14 dieser Linien zeigen die Richtung zu 14 ausgewählten Pulsaren; entlang dieser Linien sind lange binäre Zahlen eingraviert. Wichtig ist: Diese Binärzahlen geben nicht Entfernungen an, sondern die Rotationsperioden (Pulsarperioden) der betreffenden Pulsare in Einheiten der zuvor definierten Wasserstoff-Referenzeinheit. Da Pulsare sehr präzise „kosmische Uhren“ sind, deren Rotationsperioden sich mit der Zeit langsam verändern, würde ein technisch kundiger Empfänger durch Vergleich der angegebenen Perioden mit aktuellen Messungen zudem grob das Datum (die Epoche) bestimmen können, zu dem die Angaben gemacht wurden. Zusätzlich gibt eine 15. Linie die Richtung zum Zentrum der Galaxie an.

Weitere Details und Deutungsfragen

  • Zur Maßstabsangabe sind neben den Menschen auch die Silhouette der Sonde und weitere kleine Hinweise dargestellt, damit die Größe der Menschen relativ zur Sonde eingeschätzt werden kann.
  • Die Verwendung von Symbolen, Linien und binären Zahlen beruhte auf der Annahme, dass mathematische und physikalische Konzepte (wie der Wasserstoffübergang und die Binärschrift) für eine technologisch höher entwickelte Intelligenz verständlich sein dürften. Trotzdem sind Missverständnisse möglich — etwa beim Interpretieren von Pfeilen, Perspektiven oder kulturell geprägten Gesten.
  • Die nackte Darstellung und die Auswahl dessen, was mitgeteilt wurde, führten zu öffentlichen Debatten darüber, ob Menschen das Recht haben, für die ganze Menschheit zu sprechen, und was man Ausserirdischen überhaupt „sagen“ sollte.

Zweck, Wirkung und Nachwirkung

Die Plaketten sind kein praktischer Versuch, tatsächlich Kontakt aufzunehmen — die Wahrscheinlichkeit eines Kontakts ist extrem gering —, sondern ein symbolisches Projekt: Es dokumentiert menschliche Neugier, unser Wissen um physikalische Konstanten und unsere Art zu kommunizieren. Das Konzept der Pioneer-Plakette beeinflusste spätere Projekte, etwa die Voyager-„Golden Records“, die deutlich umfangreichere Informationen enthielten.

Die Sonden selbst wurden 1972 (Pioneer 10) bzw. 1973 (Pioneer 11) gestartet und befinden sich auf Fluchtbahnen aus dem Sonnensystem. Die Plaketten bleiben als kulturelle Zeugnisse der frühen Raumfahrt und der Suche nach außerirdischer Intelligenz von historischem Interesse.