Richard More (ca. 1614–1696) war 1620 Passagier auf der Mayflower. Er wurde Seemann und später Schiffskapitän. Überliefert ist, dass er mindestens eine Kolonie vor dem Verhungern rettete, indem er Nahrungsmittel und Nachschub organisierte, und dass er durch den Handel mit Waren von und nach England und den Westindischen Inseln zum wirtschaftlichen Aufbau der Kolonien beitrug. Im Jahr 1664 nahm er an Seeschlachten gegen die Franzosen teil, was in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts in den Auseinandersetzungen zwischen England und Frankreich in Übersee nicht ungewöhnlich war. Insgesamt führte ihn sein Leben vom Schiffsjungen zum erfahrenen Kapitän; er lebte ein langes Leben und erreichte ein hohes Alter für die damalige Zeit.
Hintergrund der Familie und Jugend
Richard und seine Geschwister stammten aus einer Familie in England, die in einen Sorgerechts- und Ehekonflikt verwickelt war. Wegen dieser familiären Auseinandersetzung wurden die Kinder ihrer Mutter weggenommen und als vertraglich verpflichtete Diener in die Obhut verschiedener Mayflower-Passagiere gegeben. Drei der vier More-Kinder starben in den ersten Monaten nach der Ankunft in Neuengland; nur Richard überlebte die harten Anfangsjahre in der Kolonie.
Lebensweg und Wirken
Als Überlebender des Mayflower-Unternehmens schlug Richard More eine maritime Laufbahn ein: Er erlernte die Seefahrt, diente als Matrose und stieg schließlich zum Kapitän auf. In dieser Funktion war er nicht nur an Transporten beteiligt, sondern auch an regelmäßigen Handelsfahrten, die für die Versorgung und den ökonomischen Austausch zwischen den Kolonien und Europa bzw. den karibischen Inseln entscheidend waren. Solche Fahrten lieferten Lebensmittel, Werkzeuge und andere dringend benötigte Güter und brachten zugleich Kolonialwaren nach England.
Die Auseinandersetzungen mit Frankreich im Jahr 1664 sowie andere privateersche und militärische Aktionen jener Zeit zeigen, dass Kapitäne wie More nicht nur Kaufleute, sondern auch Verteidiger kolonialer Interessen waren. Dass er in Kämpfe verwickelt war, unterstreicht die Unsicherheit und die strategische Bedeutung der Seewege im 17. Jahrhundert.
Erbe und Bedeutung
Richard More gelang es, in Neuengland materiellen und sozialen Stand zu erreichen. Er hinterließ Nachkommen, deren Linien bis in die Gegenwart zurückverfolgt werden können. Sein Leben ist ein Beispiel dafür, wie aus einer dramatischen Anfangssituation — dem erzwungenen Aufbruch als Kind und dem frühen Verlust der Geschwister — ein langes, präsentes Wirken in der neuenglischen Gesellschaft werden konnte. Historisch ist Richard More vor allem als Teil der Mayflower-Geschichte von Bedeutung: seine Biografie veranschaulicht die Härten der kolonialen Anfangszeit, die Rolle der Seefahrt für das Überleben der Siedlungen und die engen Verbindungen zwischen Familien-, Rechts- und Migrationsfragen im 17. Jahrhundert.
Kurzfassung: Richard More (ca. 1614–1696) war ein Mayflower-Passagier, der als Kind in die Obhut von Passagieren gegeben wurde, als einziger seiner Geschwister überlebte, später Seemann und Kapitän wurde, wichtige Versorgungs- und Handelsfahrten zwischen den Kolonien, England und den Westindischen Inseln unternahm, 1664 in Seegefechte mit den Franzosen verwickelt war und Nachkommen hinterließ, die sein Andenken weitertragen.


