Bambus ist ein Name für über 1.400 Arten von Riesengräsern in 115 verschiedenen Gattungen. Alle Bambusarten haben holzartige Stängel. Bambus wächst vor allem in Afrika, Amerika und Asien, kann aber auch leicht in Europa wachsen. Neben der großen Artenvielfalt unterscheiden sich die Arten stark in Größe, Wuchsform und Klimaansprüchen: manche bleiben niedrig und buschig, andere werden zu stattlichen Bäumen von über 20–30 m Höhe. Typische Gattungen sind zum Beispiel Phyllostachys, Bambusa, Fargesia, Dendrocalamus und Arundinaria.

Arten und Taxonomie

Bambus gehört zur Familie der Süßgräser (Poaceae) und bildet eine weit verzweigte Gruppe innerhalb der Grasfamilie. Die große Zahl an Arten verteilt sich auf 115 Gattungen. Man unterscheidet im gärtnerischen und ökologischen Gebrauch häufig zwei Wuchsformen:

  • Horstbildende (klumpende) Arten – Rhizome sind kurz und verdickt (pachymorph). Diese Arten breiten sich langsam aus und gelten als weniger invasiv. Beispiele: Fargesia, viele asiatische Bambusa-Arten.
  • Laufende (ausläuferbildende) Arten – Rhizome sind lang und schlank (leptomorph). Diese Arten können schnell große Flächen besiedeln und erfordern bei Gartenkultur oft Wurzelsperren. Beispiel: Phyllostachys.

Wachstum und Merkmale

Bambus wächst entweder in dichten Büscheln oder mit langen, kriechenden Rhizomen. Die Läufer können bei einigen Arten sehr weit reichen – in der freien Natur wurden Rhizome bis zu 40 Meter (130 Fuß) Länge beobachtet. David Farrelly berichtet in seinem Buch The Book of Bamboo (Das Buch des Bambus), dass ein gemessener Spitzenwert beim Längenwachstum 1,21 Meter (47,6 Zoll) in 24 Stunden betrug; das ist ein Extremwert und bei wenigen Arten dokumentiert. Die meisten für Gärten verwendeten Arten wachsen jedoch deutlich langsamer, typischerweise 3 bis 5 cm (1–2 Zoll) pro Tag während der Wachstumsperiode.

Fast alle Bambusarten haben hohle Stämme (Kaule), die in Knoten oder Gelenke unterteilt sind. Der Stamm kann einen Durchmesser von bis zu 30 cm (einen Fuß) haben, bei vielen Arten sind Durchmesser von wenigen Zentimetern bis einigen Zentimetern typisch. Jeder der Knoten besitzt eine Seitenknospe, aus der sich Zweige entwickeln können – deshalb gehört Bambus zu den wenigen Gräsern, die eine ausgeprägte Zweigstruktur bilden. Die gleichmäßigen Abstände der Internodien (Stängelabschnitte zwischen zwei Knoten) machen Bambus in Tradition und Handwerk nutzbar: der Abstand von zwei Gelenken ist die Grundlage einer traditionellen japanischen Maßeinheit, Shaku.

Blüte, Samenbildung und Lebenszyklus

Bambus blüht selten und oft in ungewöhnlichen Rhythmen. Viele Arten zeigen sogenannte gregarische Blüte: ganze Populationen blühen gleichzeitig, unabhängig von geografischer Lage, in Abständen, die von wenigen Jahrzehnten bis zu über einem Jahrhundert reichen können. Manche Arten blühen nur einmal (monokarpisch) und sterben danach ab. Dieser seltene Vorgang hat ökologische Folgen, weil gleichzeitig viele Samen produziert werden, was etwa zu Populationsanstiegen von Samenfressern führen kann. Da Blüte und Samen selten sind, erfolgt die Vermehrung im Gartenbau meist vegetativ (Teilung, Stecklinge, Rhizomstücke oder Gewebekultur).

Verbreitung und Lebensräume

Bambus ist in tropischen, subtropischen und gemäßigten Zonen verbreitet. Er besiedelt Wälder, Uferzonen, Hänge und offene Flächen. In Asien prägt Bambus zahlreiche Ökosysteme und ist Nahrungsquelle wie Lebensraum für spezialisierte Arten (z. B. Riesenpanda). Einige Arten sind frosthart und überstehen in gemäßigten Klimazonen Europas Winter bis weit unter 0 °C; andere benötigen tropischfeuchte Bedingungen.

Nutzung und Bedeutung

Bambus hat eine hohe wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung:

  • Bau- und Werkstoff: Stabilität und Flexibilität machen Bambus geeignet für Gerüste, Hütten, Möbel, Böden und traditionelles Handwerk.
  • Nahrungsmittel: Junge Triebe (Bambussprossen) sind in vielen Küchen eine Delikatesse nach entsprechender Zubereitung.
  • Industrie: Papier-, Textil- und Verbundwerkstoffe werden aus Bambusfasern hergestellt; außerdem Einsatz in Bio-Kohle und Aktivkohle.
  • Erosionsschutz und Aufforstung: dichte Wurzelsysteme stabilisieren Böden und helfen bei Landschaftsrenaturierung.
  • Ökologie: Speicherung von Kohlenstoff, Lebensraum für zahlreiche Arten, oft schnell wachsender Rohstoff für nachhaltige Nutzung.

Anbau, Pflege und Kontrolle

Für den Garten sind vor allem folgende Hinweise wichtig:

  • Standort: abhängig von Art – von sonnig bis halbschattig; Boden sollte durchlässig und humusreich sein.
  • Bewässerung: in der Wachstumsphase regelmäßig gießen; viele Arten vertragen jedoch vorübergehende Trockenheit besser als Staunässe.
  • Düngung: stickstoffreiche Düngung fördert kräftigen Austrieb.
  • Vermehrung: Vegetative Teilung im Frühling ist die gängigste Methode; Samen sind selten erhältlich.
  • Wurzelsperren: Bei laufenden Arten unerlässlich, um Ausläufer zu begrenzen. Übliche Maßnahmen: Kunststoff- oder Metallspundwände, 60–90 cm tief eingegraben, regelmäßiges Abstechen der Rhizome.
  • Rückschnitt und Pflege: Alte Halme können jährlich entfernt werden; Rhizomkontrolle verhindert ungewollte Ausbreitung.

Schädlinge und Krankheiten

Bambus ist relativ robust, kann aber von Schädlingen wie Blattläusen, Weißen Fliegen, Miniermotten, Bambuszirpenn oder gewissen Käferlarven (Bohrern) befallen werden. Pilzkrankheiten treten bei zu feuchter, schlecht belüfteter Kultur auf. Gesunde Standortwahl, Pflanzabstand und Hygiene reduzieren Risiken.

Insgesamt ist Bambus eine vielseitige Pflanze mit außergewöhnlichen Wachstumsleistungen und großer ökonomischer wie ökologischer Bedeutung. Bei der Auswahl einer Art für Garten oder Forst sollte man Wuchstyp, Klimaansprüche und mögliche Ausbreitungsneigung berücksichtigen, um die Pflege und Kontrolle zu erleichtern.