Die Sibirischen Fallen bilden eine große Region vulkanischen Gesteins, die als große Eruptivprovinz in der russischen Region Sibirien bekannt ist. Als eine der größten bekannten Large Igneous Provinces (LIPs) prägt sie weite Teile des nördlichen Eurasiens und liefert wichtige Hinweise auf das Zusammenspiel von Vulkanismus und globalen Umweltkrisen.
Ausmaß und Geologie
Die Sibirischen Fallen bestehen überwiegend aus weit ausgedehnten Flutbasalten (mehrlagige Basaltströme), verbunden mit einer Vielzahl von Dykes, Sills und intrusive Körpern. Schätzungen zur ursprünglichen Ausdehnung und zum Fördervolumen variieren: die heute erhaltene Fläche beträgt grob 1–2 Millionen km², die ursprüngliche Ausbreitung könnte jedoch bis zu etwa 7 Millionen km² betragen haben; das eruptierte Volumen wird in verschiedenen Studien auf etwa 1–4 Millionen km³ geschätzt. Ein charakteristisches Merkmal sind die stufenartigen Hügel der Landschaft, die typisch für Flutbasalte sind.
Ein Teil der Mächtigkeit der Provinz ergibt sich aus weitverbreiteten Sill-Komplexen, insbesondere in Becken mit kohlenstoffreichen Sedimenten (z. B. dem Tunguska-Becken). Die intrudierten Sills stehen in engem Zusammenhang mit der Freisetzung großer Mengen an gasförmigen Stoffen durch Aufheizung organischer Sedimente.
Zeitlicher Ablauf und Verbindung zum Perm-Trias-Aussterben
Die großen Eruptionen, die die Fallen bildeten, gehören zu den größten bekannten vulkanischen Ereignissen der letzten 500 Millionen Jahre der Erdgeschichte. Die Hauptaktivität fällt in ein Zeitfenster vor etwa 251 bis 250 Millionen Jahren und erstreckt sich über einen geologisch kurzen Zeitraum von einigen 10² bis 10⁶ Jahren. Damit überschneiden sich die Eruptionsphasen zeitlich mit der Perm-Trias-Grenze. Dieses Überschreiten der Zeiten ist ein zentraler Grund, warum der Ausbruch der Sibirischen Fallen als mögliche Ursache für das sogenannte „Große Sterben“ diskutiert wird: dem Aussterbeereignis im Perm-Trias, bei dem schätzungsweise bis zu 90 % der marinen Arten und 70–75 % der terrestrischen Arten ausstarben.
Mechanismen des Umwelteinflusses
Mehrere physikalisch-chemische Mechanismen erklären, wie die Sibirischen Fallen globale Ökosysteme beeinflussen konnten:
- Freisetzung großer Mengen von Treibhausgasen (CO2, CH4) sowohl direkt aus den Eruptionen als auch durch thermogene Zersetzung organischer Sedimente durch eindringende Sills. Dies führte zu langfristiger Erwärmung und veränderten Klimazirkulationen.
- Aerosolbildung durch SO2-Emissionen, die kurzfristig zu globaler Abkühlung und verringerter Sonnenstrahlung führen können, aber auch sauren Regen verursachen.
- Ausstoß halogenhaltiger Gase (Cl-, F-Verbindungen) und andere Spurenelemente, die ozonzerstörend wirken und die UV-Belastung an der Erdoberfläche erhöhten.
- Förderung von mariner Anoxie und Ozeanversauerung durch erwärmtes Meerwasser, Veränderung der Sauerstoffzirkulation und durch verstärkte Nährstoffzufuhr (z. B. durch Erosion), was zu Massenaussterben in den Meeren führen konnte.
Belege und Datierung
Die zeitliche Korrelation zwischen der Hauptphase der Sibirischen Fallen und dem Perm-Trias-Aussterben wird durch präzise radiometrische Datierungen (z. B. U–Pb an Zirkonen, Ar–Ar) gestützt. Ergänzende Indizien sind:
- Ausgeprägte negative Kohlenstoffisotopen-Exkursionen (δ13C) in Sedimentaufzeichnungen, die starke Störungen des Kohlenstoffkreislaufs anzeigen.
- Spitzen in Quecksilberkonzentrationen und andere Spurenelement-Anomalien, die mit intensivem Vulkanismus in Verbindung gebracht werden.
- Geochemische Signaturen und paläontologische Schichten, die mehrere Umweltveränderungen in kurzen Zeitabschnitten dokumentieren.
Bedeutung, wirtschaftliche Folgen und Forschung
Die Sibirischen Fallen sind nicht nur von großer wissenschaftlicher Bedeutung für das Verständnis von Massenaussterben und Klimawechseln, sondern auch wirtschaftlich relevant: in Zusammenhang mit den magmatischen Prozessen entstanden bedeutende Lagerstätten von Nickel, Kupfer und Platinmetallen (z. B. die Norilsk–Talnakh-Lagerstätten), die zu den größten ihrer Art gehören.
In der Forschung bleibt die genaue Kausalkette und das relative Gewicht einzelner Einflussfaktoren Gegenstand intensiver Debatten. Die Mehrzahl der Studien sieht die Sibirischen Fallen als einen zentrale(n) Auslöser oder wichtigen Verstärker des Perm-Trias-Aussterbens, wobei auch andere Faktoren (z. B. ozeanische Umstellungsprozesse, Sea-level-Änderungen oder regionale Umweltprobleme) einen Beitrag geleistet haben können. Moderne Methoden der Geochronologie, Isotopenanalyse und numerischen Klimamodelle tragen weiterhin dazu bei, die komplexe Abfolge von Ereignissen zu entschlüsseln.
Der Begriff "Fallen" leitet sich vom schwedischen Wort für Treppe (trappa, oder manchmal auch Trappa) ab und bezieht sich auf die stufenartigen Hügel der Region, was typisch für Flutbasalte ist.


