Der Barbier von Sevilla (auf Italienisch: Il barbiere di Siviglia) ist eine komische Oper (opera buffa) in zwei Akten des Komponisten Gioachino Rossini. Das Libretto (Text) basiert auf einer Komödie von Pierre Beaumarchais mit dem Titel Der Barbier von Sevilla. Es ist die berühmteste Oper Rossinis und enthält einige sehr bekannte Melodien.
Die Uraufführung fand am 20. Februar 1816 in Rom statt. Rossini war zu dieser Zeit noch sehr jung und arbeitete zügig; die Oper entstand in verhältnismäßig kurzer Zeit, was ihrem lebhaften, spritzigen Charakter entspricht. Trotz anfänglicher Verstimmungen beim Premierenpublikum setzte sich das Werk schnell im Repertoire der Opernhäuser durch und gehört seit dem 19. Jahrhundert zu den meistgespielten komischen Opern.
Handlung (Kurzfassung)
Die Oper spielt in Sevilla und handelt von der listigen Liebeswerbung des Grafen Almaviva, der sich in die junge Rosina verliebt hat. Mit Hilfe des findigen Friseurs Figaro, der als „factotum“ die Pläne schmiedet, versucht der Graf, die Wächter und Intrigen des argwöhnischen Vormunds Dr. Bartolo zu überlisten. Durch Verkleidungen, falsche Identitäten und scharfzüngige Dialoge gelingt es am Ende, Liebe und Ehe zu retten — zur großen Freude aller bis auf den listigen Musiklehrer Don Basilio.
Hauptfiguren und Besetzung
- Figaro – Barbier und Handlanger (Bariton)
- Graf Almaviva – verliebter Edelmann (Tenor)
- Rosina – junge Mündel von Bartolo (Mezzosopran/Sopran)
- Dr. Bartolo – ihr Vormund, möchte Rosina heiraten (Bass)
- Don Basilio – Musiklehrer und Intrigant (Bass)
- Berta – Haushälterin / Nebenrolle (Sopran)
Berühmte Nummern
- Largo al factotum (Figaro) – ein energievolles, patterartiges Baritonstück, das Figaros Rolle und seinen Status in Sevilla vorstellt.
- Una voce poco fa (Rosina) – eine virtuose Arie, in der Rosina ihren Charakter und ihre Entschlossenheit zeigt.
- Ensembles und Terzette – Rossinis Fähigkeiten im Zusammenspiel von Stimmen und komödiantischen Dialogen zeigen sich besonders in raschen Ensembleszenen und dem Schlussensemble.
Musik und Stil
Rossinis Musik verbindet lebendige Melodik, rhythmische Präzision und virtuose Gesangspassagen. Charakteristisch sind die schnellen Pattersätze, eingängige Melodien, effektvolle Crescendi und brillante Buffo-Elemente. Die Ouvertüre ist durch ihren unverwechselbaren Schwung berühmt und wird oft unabhängig von der Oper gespielt.
Uraufführung und Rezeption
Bei der Premiere am Teatro Argentina führte die Inszenierung zu gemischten Reaktionen; es gab Buh-Rufe, aber auch begeisterten Beifall. Rasch entwickelte sich die Oper zu einem Publikumserfolg und wurde bald in ganz Europa gespielt. Schon im 19. Jahrhundert galt Rossinis Werk als Paradebeispiel der opera buffa.
Bedeutung und Wirkung
„Der Barbier von Sevilla“ gilt als Meilenstein der komischen Oper: Er kombinierte musikalische Virtuosität mit einer komischen, bisweilen turbulenten Handlung und beeinflusste zahlreiche Komponisten und Bühnenbearbeitungen. Figuren wie Figaro und Rosina sind zu festen Gestalten des Opernrepertoires geworden, und viele der Arien zählen zu den populärsten Nummern der Opernliteratur.
Aufführungsdauer, Instrumentation und Aufführungspraktisches
Die Aufführungsdauer beträgt in der Regel etwa zwei Stunden (je nach Tempo und Schnitten). Die Orchesterbesetzung entspricht dem klassischen frühen 19. Jahrhundert und umfasst Streicher, Holzbläser, Blechbläser und Schlagwerk; Rossini setzt das Orchester sparsam, aber wirkungsvoll ein, oft zur dramatischen Begleitung der Vokalpartien.
Adaptionen und Aufnahmen
Die Oper wurde vielfach aufgenommen und verfilmt, und einzelne Nummern finden bis heute in Film, Fernsehen und Werbung Verwendung. Bekannte Dirigenten, Sängerinnen und Sänger haben die Rollen über Generationen geprägt; zahlreiche Live- und Studioaufnahmen dokumentieren verschiedene stilistische Herangehensweisen — von historisch informierter Spielweise bis zu traditionellen Interpretationen.
Weiterführendes
Das Libretto basiert auf der ersten Komödie der Beaumarchais-Trilogie; die später folgende Komödie Figaros Hochzeit diente u. a. Wolfgang Amadeus Mozart als Vorlage für seine berühmte Oper. Wer die Oper kennenlernen möchte, dem seien Aufnahmen mit prominenter Besetzung, Videomitschnitte großer Opernhäuser oder Live-Aufführungen empfohlen — besonders für das Erleben der komödiantischen Szenen und der stimmlichen Brillanz.