In The Annotated Classic Fairy Tales (2002) schreibt die Harvard-Professorin Maria Tatar, dass die Geschichte manchmal als warnende Erzählung angesehen wird. Sie warnt Kinder vor der Gefahr, sich an unbekannte Orte zu begeben. Sie weist darauf hin, dass die Geschichte heute oft als eine Geschichte darüber präsentiert wird, was für einen selbst "genau richtig" ist. In früheren Zeiten ging es in der Geschichte jedoch darum, in fremdes Eigentum einzugreifen.
In The Uses of Enchantment (1976) erörtert der Kinderpsychologe Bruno Bettelheim Goldlöckchens Kampf, über ihre ödipalen Probleme hinauszuwachsen und sich mit jugendlichen Identitätsproblemen auseinanderzusetzen. Die Geschichte ermutigt Kinder nicht dazu, die Probleme des Erwachsenwerdens zu lösen, schreibt Bettelheim, und endet nicht mit dem traditionellen Versprechen "glücklich bis ans Ende ihrer Tage" für diejenigen, die ihre ödipalen Probleme lösen. Er glaubt, dass die Geschichte es dem kindlichen Leser nicht erlaubt, emotionale Reife zu erlangen.
Tatar schreibt: "[Bettelheims] Lektüre ist vielleicht zu sehr darauf ausgerichtet, Märchen zu instrumentalisieren, d.h. sie in Vehikel zu verwandeln, die Botschaften vermitteln und Verhaltensmodelle für das Kind aufstellen. Die Geschichte löst zwar nicht ödipale Probleme oder Geschwisterrivalität, wie Bettelheim glaubt, dass "Aschenputtel" dies tut, aber sie legt nahe, wie wichtig es ist, Eigentum zu respektieren und die Konsequenzen des bloßen 'Ausprobierens' von Dingen, die einem nicht gehören, zu beachten.
Die Geschichte unterstützt eine anale Freud'sche Bühneninterpretation. In ""Die drei Bären"": Vier Interpretationen" (1977) macht Davis Alan C. Elms, emeritierter Professor der Universität von Kalifornien, eine solche Deutung und weist darauf hin, dass der Schwerpunkt der Geschichte auf den Ordnungslinien liegt - einem der Charakterzüge, die Freud mit dem analen Stadium der menschlichen Entwicklung in Verbindung bringt - als überzeugender Beweis. Elms führt die Analität der Geschichte auf Southey und seine dreckbesessene Tante zurück, die ihre Besessenheit in "etwas milderer Form" an ihn weitergab.