Transphobie: Definition, Ursachen, Formen & Schutz für Transpersonen
Transphobie: Ursachen, Formen & Schutz — kompakt erklärt. Fakten zu Diskriminierung, Rechtsschutz, Asyl und Handlungsempfehlungen zum Schutz von Transpersonen. Jetzt informieren und unterstützen.
Transphobie bezeichnet jede Form von Vorurteilen, Ablehnung oder Diskriminierung gegenüber Menschen, die transident oder transsexuell leben. Dazu gehören Vorurteile, verbale oder physische Angriffe, aber auch strukturelle Ausschlüsse, etwa wenn Menschen der Zugang zur Gesellschaft teilzuhaben, zu einem Arbeitsplatz oder zu medizinischer Versorgung verwehrt wird. Transphobie führt nicht nur zu Hassreden oder Hassverbrechen, sondern kann Betroffene auch in wirtschaftliche Not treiben oder zur Prostitution zwingen. Als Reaktion auf Gewalt gegen LGBTIQ+-Personen verabschiedete der US-Kongress 2009 das sogenannte Matthew-Shepard- und James-Byrd-Jr.-Hate-Crimes-Gesetz; es wurde von Präsident Barack Obama unterzeichnet und erweitert den Schutz bei Hassverbrechen unter anderem um die Kategorie der geschlechtlichen Identität.
Begriffsabgrenzung
Wichtig ist die Unterscheidung ähnlicher Begriffe: Transphobie ist ein Sammelbegriff für Ablehnung und Diskriminierung gegenüber trans Personen. Manchmal werden transgender und transsexuell synonym verwendet, obwohl die Begriffe unterschiedliche Bedeutungen haben können (z. B. Selbstverständnis vs. medizinisch-konnotierte Begriffe). Transmisogynie bezeichnet speziell die Abwertung und Gewalt gegenüber trans Frauen; den Begriff machte Julia Serano mit ihrem Buch Whipping Girl bekannt. Cissexismus wird oft als strukturelles System beschrieben, das cis-geschlechtliche Identitäten privilegiert; gelegentlich wird es als Synonym für Transphobie gebraucht, während Cisphobie als umgekehrte Haltung (Angst oder Ablehnung gegenüber cis-Personen) diskutiert wird.
Ursachen
- Soziale und kulturelle Normen: Starre Vorstellungen von Geschlecht und Geschlechterrollen fördern Ausgrenzung gegenüber Personen, die diese Normen nicht erfüllen.
- Fehlinformation und Unkenntnis: Unwissen über Geschlechtsidentität und Transition führt zu Angst und Vorurteilen.
- Religiöse und politische Ideologien: Manche religiöse Auslegungen oder politische Bewegungen lehnen Abweichungen von traditionellen Geschlechtervorstellungen ab.
- Mechanismen der Macht und Kontrolle: Diskriminierung dient oft dazu, bestehende Machtverhältnisse zu sichern.
Formen von Transphobie
Transphobie tritt in vielen Bereichen auf:
- Interpersonell: Beleidigungen, Mobbing, sexuelle Belästigung, körperliche Gewalt.
- Institutionell: Diskriminierende Gesetze oder Verwaltungspraxis (z. B. fehlende Möglichkeiten zur rechtlichen Anerkennung des Geschlechts, Ausschluss aus geschlechtsspezifischen Einrichtungen).
- Im Gesundheitswesen: verweigerte, verzögerte oder pathologisierende Versorgung, fehlende Expertise.
- Im Arbeitsleben: Benachteiligung bei Einstellung, Beförderung oder Kündigung.
- Mediale Darstellung: Stereotype, Entmenschlichung oder Unsichtbarmachung trans Personen.
Internationale Schutzmaßnahmen und Fallbeispiele
Der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UNHCR) weist darauf hin, dass Menschen, die aufgrund ihrer geschlechtlichen Identität verfolgt werden, Anspruch auf Schutz und gegebenenfalls Asyl haben; in diesem Zusammenhang werden unter anderem die Yogyakarta-Prinzipien als Orientierung genannt. Trotzdem gibt es dokumentierte Fälle, in denen trans Geflüchtete nicht ausreichend geschützt wurden: So wurde beispielsweise eine trans Frau, die aus Guatemala nach Dänemark geflohen war, in ein Männerzentrum eingewiesen und dort Opfer sexueller Gewalt; sie stand danach weiterhin vor dem Risiko, in ihr Herkunftsland zurückgeschickt zu werden. Solche Fälle zeigen, dass rechtliche Schutzmechanismen in der Praxis oft Lücken aufweisen.
Konsequenzen für Betroffene
Die Auswirkungen von Transphobie sind weitreichend: psychische Belastungen (Angst, Depression, Suizidalität), soziale Isolation, ökonomische Unsicherheit und eingeschränkter Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung. Besonders gefährdet sind trans Frauen of colour, trans Sexarbeiterinnen und trans Geflüchtete.
Schutz, Prävention und Handlungsmöglichkeiten
Schutz und Prävention benötigen Maßnahmen auf mehreren Ebenen:
- Gesetzlicher Schutz: Antidiskriminierungsgesetze, explizite Anerkennung von geschlechtlicher Identität in Hate-Crime-Regelungen, erleichterte rechtliche Anerkennung des Geschlechts und des Namens.
- Institutionelle Praxis: geschützte Unterbringung für Geflüchtete, inklusive Gesundheitsversorgung, trans-inklusive Richtlinien an Schulen und am Arbeitsplatz.
- Aufklärung und Sensibilisierung: Bildungsangebote, Medienarbeit und Trainings, die Wissen über Geschlechtsidentität fördern und Vorurteile abbauen.
- Unterstützung für Betroffene: Zugang zu rechtlicher Beratung, medizinischer Versorgung, psychologischer Hilfe und sicheren Räumen bzw. Community-Angeboten.
- Gemeinschaftliches Handeln: Zivilgesellschaftliche Initiativen, Solidaritätsbekundungen und politische Lobbyarbeit für rechtliche Veränderungen.
Was Einzelne tun können
- Trans Personen in ihrem Umfeld respektvoll ansprechen (Namen und Pronomen beachten).
- Hassreden und diskriminierende Aussagen nicht unkommentiert lassen; Unterstützung anbieten.
- Informationen aus verlässlichen Quellen einholen und weitergeben, um Mythen zu korrigieren.
- Arbeits-, Bildungs- und Gesundheitsumfelder für trans Menschen sicherer machen, z. B. durch inklusivere Richtlinien.
Transphobie ist ein globales Problem mit individuellen und strukturellen Ursachen. Effektiver Schutz verlangt rechtliche Maßnahmen, politische Willensbildung und anhaltende gesellschaftliche Bildung. Nur durch kombinierte Anstrengungen von Politik, Institutionen und der Zivilgesellschaft lassen sich die Lebensbedingungen von trans Personen nachhaltig verbessern.
Formulare
Missgendering und Ausgrenzung
Missgendering liegt vor, wenn jemand absichtlich oder versehentlich nicht die von einer transsexuellen Person bevorzugten Pronomen verwendet. Deadnaming ist die Verwendung eines Namens, den jemand vor dem Übergang benutzt hat.
Statistik
Gewalt gegen transsexuelle Menschen
In einer Studie aus dem Jahr 2012 über Transsexuelle in Großbritannien waren 14% wegen ihrer Transsexualität sexuell missbraucht worden. 6% waren vergewaltigt worden, weil sie transsexuell waren. Dies sind Hassverbrechen. 38% waren sexuell belästigt worden, weil sie transsexuell waren.
Eine Durchsicht amerikanischer Studien über sexuelle Gewalt gegen Transgender ergab, dass etwa 50% der Transgender sexuell missbraucht worden sind.
Obdachlosigkeit
In der National Transgender Discrimination Survey waren 19% irgendwann in ihrem Leben obdachlos geworden, weil sie transsexuell waren.
Transphobie am Arbeitsplatz
Im Jahr 2013 gab es eine Studie über Transphobie in der amerikanischen Arbeitnehmerschaft. Sie ergab, dass 26% der Transgender-Personen gefeuert worden waren, weil sie transsexuell waren. Transsexuelle Menschen sind nach US-Recht nicht vor Diskriminierung am Arbeitsplatz geschützt. Die National Transgender Discrimination Survey ergab, dass 60% der Transgender-Personen der amerikanischen Ureinwohner keinen Arbeitsplatz erhalten hatten, weil sie transgender sind. 10% wurden am Arbeitsplatz sexuell missbraucht.
Gefängnis
Transsexuelle Menschen werden häufiger ins Gefängnis gesteckt als cis-geschlechtliche (nicht-transgender) Menschen. Die größte Studie über die Diskriminierung von Transgender-Personen ergab, dass 16% der Transgender-Personen im Gefängnis saßen. Bei schwarzen Transgender-Personen war die Wahrscheinlichkeit, dass sie im Gefängnis saßen, sogar noch höher. 41% der schwarzen Transgender-Personen gaben an, dass sie wegen Diskriminierung ins Gefängnis gekommen waren. Sie werden oft nicht in Gefängnisse gesteckt, die ihrer geschlechtsspezifischen Identität entsprechen. Ihnen können auch Hormone verweigert werden. Ein berühmtes Beispiel dafür ist Chelsea Manning.
Gesundheit
Transphobie wurde als Prädiktor für HIV-Risiko und Selbstmordversuche bei Transgender-Menschen identifiziert. Eine Studie ergab, dass bei transsexuellen Frauen die Wahrscheinlichkeit, an HIV zu erkranken, im Vergleich zu Erwachsenen im Allgemeinen 49-mal höher ist.
Durchsetzung von Menschenrechten
In einem Fall vor dem Menschenrechtstribunal in Britisch-Kolumbien wurden mehrere Geschäftsinhaber verklagt, weil sie sich weigerten, einer transsexuellen Frau zu dienen. Die transsexuelle Person verlor den Fall.
Verwandte Seiten
- Diskriminierung
- Transgender
- Matthew-Shepard-Gesetz
- Yogyakarta-Prinzipien
- Transgender-Gedenktag
- Internationaler Tag gegen Homophobie
Fragen und Antworten
F: Was ist Transphobie?
A: Transphobie oder Transmisia ist jedes Vorurteil oder jede Diskriminierung, die auf schlechten Gefühlen gegenüber Transgender oder transsexuellen Menschen beruht. Dazu gehören die Verweigerung der Teilhabe an der Gesellschaft, die Verweigerung eines Arbeitsplatzes, der Zwang zur Prostitution sowie Hassreden oder Hassverbrechen gegen Transgender.
F: Was wurde 2009 verabschiedet, um Hassverbrechen gegen Transgender-Personen zu verbieten?
A: 2009 wurde in den Vereinigten Staaten das Matthew Shepard-Gesetz verabschiedet und trat durch die Anerkennung von Präsident Barack Obama in Kraft.
F: Wie geht der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge mit der Geschlechtsidentität um?
A: Der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge weist zusammen mit den Yogyakarta-Prinzipien auf Asylbewerber aufgrund ihrer Geschlechtsidentität hin.
F: Was geschah mit einer Transgender-Frau, die aus Guatemala nach Dänemark geflohen ist?
A: Eine Transgender-Frau, die aus Guatemala nach Dänemark geflohen ist, wurde in ein Männerzentrum gebracht und dort vergewaltigt. Sie ist nun in Gefahr, von der dänischen Regierung nach Guatemala zurückgeschickt zu werden.
F: Gibt es Transphobie nur in bestimmten Teilen der Welt?
A: Transphobie ist überall auf der Welt verbreitet. Sie findet sich sogar in Bewegungen für soziale Gerechtigkeit wie dem Feminismus, insbesondere dem radikalen Feminismus.
F: Welcher Begriff bezieht sich auf Transphobie gegenüber Transfrauen?
A: Der Begriff 'Transmisogynie' bezieht sich auf die Transphobie gegenüber Transfrauen und wurde durch das Buch Whipping Girl von Julia Serano bekannt.
F: Sind Cissexismus und Cisphobie verwandte Begriffe, wenn es um Transphobie geht?
A: Cissexismus wird manchmal als Synonym für Transphobie verwendet, während Cisphobie manchmal als sein Antonym verwendet wird.
Suche in der Enzyklopädie