Die Nachfolgelinie des US-Präsidenten ist die Reihenfolge, in der Regierungsbeamte den US-Präsidenten ersetzen, wenn der Präsident aus dem Amt scheidet, bevor ein gewählter Nachfolger in sein Amt eingeführt wird. Wenn der Präsident stirbt, zurücktritt oder seines Amtes enthoben wird, wird der Vizepräsident für den Rest der Amtszeit Präsident. Ist der Vizepräsident verhindert, übernimmt die nächste Person in der Thronfolge das Amt des Präsidenten.
Gesetzliche und verfassungsrechtliche Grundlage
Die Nachfolge regelt sich einerseits verfassungsrechtlich durch den 25. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten (ratifiziert 1967), der insbesondere die Folgen einer Vakanz des Amtes des Vizepräsidenten und die vorübergehende Übertragung der Amtsgewalt behandelt. Andererseits legt der Presidential Succession Act von 1947 (und seine Nachfolgeregelungen in den US‑Gesetzen, z. B. 3 U.S.C. § 19) die konkrete Reihenfolge fest, falls weder Präsident noch Vizepräsident zur Verfügung stehen.
Aktuelle Reihenfolge der Nachfolge
Nach dem geltenden Gesetz folgt auf den Präsidenten in dieser Reihenfolge:
- Vizepräsident
- Sprecher des Repräsentantenhauses (Speaker of the House)
- President pro tempore des Senats
- Außenminister (Secretary of State)
- Finanzminister (Secretary of the Treasury)
- Verteidigungsminister (Secretary of Defense)
- Justizminister (Attorney General)
- Innenminister (Secretary of the Interior)
- Landwirtschaftsminister (Secretary of Agriculture)
- Handelsminister (Secretary of Commerce)
- Arbeitsminister (Secretary of Labor)
- Gesundheits- und Sozialminister (Secretary of Health and Human Services)
- Bauminister / Wohnungswesen (Secretary of Housing and Urban Development)
- Verkehrsminister (Secretary of Transportation)
- Energieminister (Secretary of Energy)
- Bildungsminister (Secretary of Education)
- Veteranenminister (Secretary of Veterans Affairs)
- Heimatschutzminister (Secretary of Homeland Security)
Diese Reihenfolge orientiert sich weitgehend an der Entstehungsreihenfolge der Ministerien (Cabinet‑Departments). Nur Personen, die die verfassungsmäßigen Anforderungen an das Präsidentenamt erfüllen (natürliche Staatsbürgerschaft, Mindestalter 35 Jahre, mindestens 14 Jahre Wohnsitz in den USA), kommen in Frage; Personen, die diese Voraussetzungen nicht erfüllen, werden übersprungen.
Wichtige Einschränkungen und Hinweise
- Nicht automatisch in der Nachfolge sind beispielsweise Kongressmitglieder (außer den genannten Ämtern) oder andere Beamte, sofern sie nicht ausdrücklich im Gesetz genannt sind.
- Ob "Acting"‑Amtsträger (z. B. kommissarische Minister) in der Nachfolge zu berücksichtigen sind, kann rechtlich umstritten sein; in der Praxis entscheidet oft die konkrete Gesetzeslage und die Bestätigung durch den Senat.
- Wenn sich eine Person aus der Legislative (z. B. der Speaker) zum Präsidenten berufen sieht, müsste sie ihr Mandat im Kongress niederlegen, da eine gleichzeitige Ausübung beider Ämter verfassungsrechtlich nicht möglich ist.
- Der Kongress kann die gesetzliche Regelung der Nachfolge ändern; die Verfassung selbst legt nur die grundsätzlichen Vorgaben fest.
Vorübergehende Übertragung der Amtsgewalt
Der 25. Zusatzartikel enthält auch Verfahren für die vorübergehende Übertragung der Amtsgewalt, wenn der Präsident vorübergehend dienstunfähig ist (z. B. bei einer Operation). In solchen Fällen kann der Präsident nach § 3 des 25. Zusatzartikels die Amtsgewalt vorübergehend an den Vizepräsidenten übertragen. Beispiele für eine kurzzeitige Übertragung sind Präsident Ronald Reagan (1985) und Präsident George W. Bush (2002 und 2007), die während medizinischer Eingriffe die Befugnisse zeitweise an ihren Vize übergaben. Die Möglichkeit, dass der Vizepräsident zusammen mit einer Mehrheit des Kabinetts den Präsidenten für unfähig erklärt (§ 4), wurde bislang noch nicht vollständig angewandt.
Historische Beispiele
In der Geschichte der USA kam es mehrfach zur Nachfolge:
- Nach der Ermordung von Präsident Abraham Lincoln (1865) wurde Andrew Johnson Präsident.
- Nach der Ermordung von John F. Kennedy (1963) wurde Lyndon B. Johnson sofort als Präsident vereidigt.
- Nach dem Rücktritt Richard Nixons (1974) wurde Gerald Ford Präsident; zuvor war Ford ohne Wahl zum Vizepräsidenten ernannt worden (nach § 2 des 25. Zusatzartikels).
Die Nachfolgeregeln dienen der Kontinuität der Exekutive und sollen sicherstellen, dass das Amt des Präsidenten jederzeit von einer verfassungsgemäßen, handlungsfähigen Person wahrgenommen werden kann.