Die Wigmore Hall ist ein berühmter Konzertsaal in London. Sie wird "Recital Hall" genannt, weil sie für Rezitale konzipiert ist: Konzerte, die von einem Solisten oder manchmal von einer kleinen Gruppe von Musikern (Kammermusik) gegeben werden. Sie befindet sich in der Wigmore Street im Zentrum von London, gleich nördlich der Oxford Street.
Die Wigmore Hall wurde 1901 von der deutschen Firma Bechstein gebaut, die Klaviere herstellte. Ursprünglich hieß sie Bechstein Hall. Die Ausstellungsräume von Bechstein befanden sich nebenan. Die Halle wurde im Renaissancestil gebaut, mit Wänden aus Alabaster und Marmor und einem rechteckigen Saal mit einer kleinen, erhöhten Bühne. Über der Bühne befindet sich die Decke in Form einer Kuppel mit einem Gemälde, das die Seele der Musik zeigt, die zum Genie der Harmonie aufschaut: ein Ball aus ewigem Feuer, dessen Strahlen sich in der ganzen Welt spiegeln. Diese sind durch Dornen vom Rest des Bildes getrennt, das einen Musiker und auf der anderen Seite die Psyche zeigt, die einen Komponisten zum Musikschreiben inspiriert.
Der "Bechstein-Saal" wurde am 31. Mai 1901 mit einem Konzert des virtuosen Pianisten und Komponisten Ferruccio Busoni und des Geigers Eugène Ysaÿe eröffnet. In seiner Anfangszeit spielten dort viele berühmte Musiker, darunter Artur Schnabel, Pablo Sarasate, Percy Grainger, Myra Hess, Arthur Rubinstein und Camille Saint-Saëns.
Da er einer deutschen Firma gehörte, wurde der Saal während des Ersten Weltkriegs als feindliches Eigentum beschlagnahmt. Der Saal mit über 130 Klavieren wurde in einer Auktion für einen sehr geringen Betrag an Debenhams verkauft und 1917 als Wigmore Hall wiedereröffnet. Zu den Musikern, die seitdem dort aufgetreten sind, gehören Sviatoslav Richter, Vladimir Ashkenazy, Elisabeth Schwarzkopf, Victoria de los Ángeles, Sergei Prokofiev, Shura Cherkassky, Paul Hindemith, Andrés Segovia, Benjamin Britten und Francis Poulenc.
Heute bietet die Wigmore Hall 540 Personen Platz. Viele Konzerte werden auf BBC Radio 3 übertragen. Berühmte Musiker treten dort auf, aber auch junge Musiker, die gerade erst am Anfang ihrer Karriere stehen.
Die Wigmore Hall veröffentlicht auf ihrem eigenen Plattenlabel "Wigmore Hall live" Aufnahmen von Konzerten, die von berühmten Musikern gegeben wurden. Die Klaviere in der Wigmore Hall werden heute von Steinway hergestellt.
Der Direktor der Wigmore Hall ist John Gilhooly. Zu seinen Zukunftsplänen gehört es, viel Musik von lebenden Komponisten zu haben.