Dies ist eine Liste der häufigsten genetischen Störungen beim Menschen. Falls bekannt, wird die Art der Mutation und das betroffene Chromosom angegeben. Solche Informationen helfen bei Diagnose, Beratung und Therapieplanung; häufig werden zusätzlich Vererbungsmuster (autosomal dominant/rezessiv, X‑linked, mitochondrial) und Häufigkeiten in verschiedenen Populationen ergänzt.
- P - Punktmutation oder jede Insertion/Deletion vollständig innerhalb eines Gens
- D - Löschung eines Gens oder von Genen
- C - Ganzes Chromosom extra, fehlendes Chromosom oder beides (siehe Chromosomenaberrationen)
- T - Trinukleotid-Repeat-Störungen: Gen wird in der Länge verlängert
Was die Codes bedeuten — kurze Erläuterung
- P (Punktmutation, Insertion/Deletion innerhalb eines Gens): betrifft einzelne Basen oder kurze Abschnitte innerhalb eines Gens. Beispiele sind Missense-, Nonsense- oder Frameshift‑Mutationen sowie kleine In‑/Deletionen.
- D (Deletion): Verlust eines ganzen Gens oder größerer Genabschnitte (Copy‑Number‑Variation). Kann zu fehlender Proteinproduktion führen.
- C (Chromosomenanomalie): numerische Aberrationen wie Trisomien oder Monosomien (z. B. Trisomie 21) oder große strukturelle Umlagerungen, die viele Gene betreffen.
- T (Trinukleotid‑Repeat): Wiederholungen eines dreibasigen Motifs (z. B. CAG, CGG), deren pathologische Ausdehnung zu Störung der Genfunktion führt; häufig mit Antizipation verbunden (frühere/ schwerere Erkrankung in nachfolgenden Generationen).
Beispiele häufiger genetischer Störungen (mit Mutationstyp und Chromosom)
- Mukoviszidose (Cystische Fibrose) — P; Gen: CFTR, Chromosom 7. Häufigkeit: etwa 1:2.500–1:3.500 bei Menschen europäischer Abstammung. Typische Ursache: Punktmutationen oder kleine In‑/Deletionen (z. B. F508del).
- Duchenne-Muskeldystrophie — D; Gen: DMD, Xp21. Häufigkeit: ~1:3.500–5.000 männliche Geburten. Meist große Deletionen oder Duplikationen des Dystrophin‑Gens.
- Down‑Syndrom (Trisomie 21) — C; Chromosomenanomalie: drei Kopien von Chromosom 21. Häufigkeit: etwa 1:700 Geburten (variabel mit dem mütterlichen Alter).
- Huntington‑Krankheit — T; Gen: HTT, Chromosom 4 (CAG‑Repeat). Prävalenz: ~3–7/100.000; autosomal dominant mit Antizipation.
- Fragiles‑X‑Syndrom — T; Gen: FMR1, X‑Chromosom (CGG‑Repeat). Häufigkeit: ~1:4.000 männlich; führt zu geistiger Behinderung und Verhaltensauffälligkeiten.
- Hämoglobinopathien (z. B. Sichelzellanämie) — P; Gen: HBB, Chromosom 11. Sichelzellmutation ist eine Punktmutation (Glu→Val). Prävalenz stark populationsabhängig (z. B. häufig in Subsahara‑Afrika).
- Thalassämien — P oder D; Gene: HBA1/HBA2 (Chr 16) oder HBB (Chr 11). Ursache: Punktmutationen oder Deletionen; klinische Schwere variiert.
- Phenylketonurie (PKU) — P; Gen: PAH, Chromosom 12. Prävalenz: ~1:10.000–15.000; früh erkannte Patienten profitieren von Diättherapie.
- Hämophilie A — meist P/Inversion; Gen: F8, X‑Chromosom. Therapeutische Optionen: Faktorersatz, Gentherapie in Entwicklung.
Vererbungsarten und genetische Konzepte
- Autosomal dominant: Nur eine veränderte Kopie reicht aus (z. B. Huntington).
- Autosomal rezessiv: Beide Kopien müssen betroffen sein (z. B. Mukoviszidose, viele Stoffwechselerkrankungen).
- X‑linked: Erkrankungen, die durch Mutationen auf dem X‑Chromosom verursacht werden (z. B. Duchenne, Hämophilie).
- Mitochondrial: Mutationen in der mitochondrialen DNA werden maternally vererbt und betreffen oft Energie‑abhängige Organe.
- De‑novo‑Mutationen: Treten neu in einem Individuum auf ohne familiäre Vorgeschichte (wichtig bei schweren, dominanten Erkrankungen).
- Mosaizismus, Penetranz und Expressivität: Gleichartige Mutationen können unterschiedlich stark ausgeprägt sein oder nicht bei allen Trägern Symptome verursachen.
- Multifaktorielle/Polygenetische Erkrankungen: Viele häufige Erkrankungen (z. B. Lippen‑/Gaumenspalte, Herzfehler, Diabetes) beruhen auf genetischen Varianten kombiniert mit Umweltfaktoren.
Diagnostik, Prävention und genetische Beratung
- Screening und Diagnostik: Neugeborenenscreening, pränatale Tests (NIPT, Chorionzottenbiopsie, Amniozentese), molekulargenetische Tests (Sanger, Next‑Generation Sequencing), Array‑CGH/Karyotyp für Chromosomenabweichungen.
- Träger‑/Präkonzeptionelle Tests: Zur Einschätzung des Risikos für autosomal rezessive Erkrankungen bei Paaren.
- Genetische Beratung: Empfohlen bei positiven Befunden oder Familiengeschichte — erklärt Risiken, Testoptionen und therapeutische/ präventive Maßnahmen.
- Therapieansätze: Von symptomatischer Behandlung über Enzymersatz/Therapien bis zu gezielten Medikamenten und aufkommenden Gentherapien.
Es ist bekannt, dass viele andere Erkrankungen teilweise oder vollständig vererbt werden, aber ihre genetische Grundlage ist noch nicht klar. Ein gutes Beispiel ist das "Clefting" (Lippen‑ und Gaumenspalte), das bei den Ureinwohnern Amerikas und einigen asiatischen Populationen bis zu 4 pro 1000 auftritt, bei den afrikanischen Bevölkerungen jedoch nahezu unbekannt ist. Etwa 20 Gene werden derzeit untersucht; zusätzlich spielen Umweltfaktoren (z. B. mütterliche Ernährung, Medikamente, Rauchen) eine Rolle. Die Forschung in der Genetik ist dynamisch — neue Varianten, Mechanismen (z. B. epigenetische Veränderungen) und Therapien werden kontinuierlich beschrieben.
Hinweis: Die genannten Häufigkeiten und Beispiele sind Richtwerte und können regional stark variieren. Bei konkretem Verdacht oder familiären Fragen sollte eine genetische Fachberatung und gegebenenfalls ein molekulargenetischer Test erfolgen.