Wilhelm Reich (24. März 1897 - 3. November 1957) war ein österreichisch-amerikanischer Psychiater und Psychoanalytiker. In den 1920er Jahren war er Schüler von Sigmund Freud in Wien und leistete wichtige Beiträge zur Psychoanalyse (Charakteranalyse 1933; engl. 1945ff). Sein Werk wurde von den Aktivisten der sexuellen Revolution der 1960er und 1970er Jahre wiederentdeckt.

In den 1920er Jahren beteiligte sich Reich an den sozialen Kämpfen der damaligen Zeit. Im Jahr 1927 trat er der Kommunistischen Partei bei. Dort gründete er "SexPol", kurz für "Sexuelle Politik". Im Jahr 1933 wurde er aus der Partei und 1934 aus den Organisationen der Psychoanalyse ausgeschlossen. Zu dieser Zeit begann er seine eigenen Forschungen über die biologischen Grundlagen der Psychoanalyse, später "Orgonomie" genannt. Die Orgonomie sollte die Wissenschaft des Orgons sein, einer "Urenergie", die Reich angeblich entdeckt hatte.

Die andere Seite von Reichs Geschichte ist, dass man ihm vorwarf, eine pseudowissenschaftliche Methode zur Krebsbehandlung erfunden zu haben. Er wurde 1947 in Artikeln der Journalistin Mildred Edie Brady als Betrüger entlarvt, die in den Zeitschriften Harper's und The New Republic veröffentlicht wurden, letztere mit dem Titel "Der seltsame Fall Wilhelm Reich", mit dem Untertitel: "Der Mann, der sowohl Neurosen als auch Krebs auf unbefriedigende sexuelle Aktivitäten schiebt, wurde nur von einer wissenschaftlichen Zeitschrift zurückgewiesen". Die Food and Drug Administration (FDA) entschied, dass sie es mit einem "Betrug ersten Grades" zu tun habe.

Schließlich verstieß Reich 1956 gegen eine von der FDA erwirkte einstweilige Verfügung und wurde verhaftet. Seine gesamte Forschungsausrüstung einschließlich seiner Bücher wurde zerstört. Er wurde zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Reich starb am 3. November 1957 (im Alter von 60 Jahren) im United States Penitentiary, Lewisburg, Pennsylvania. Die Meinungen über ihn sind nach wie vor sehr geteilt.

Reich hatte "Orgonon" in Rangeley, Maine, gegründet, nachdem er in die USA eingewandert war. Es war sein 175 Morgen (71 ha) großes Heim, Laboratorium und Forschungszentrum, und auch Reichs Begräbnisstätte. Heute ist es als Wilhelm-Reich-Museum der Öffentlichkeit zugänglich.