Zhong Zhong (Chinesisch: 中中 pinyin:Zhōng Zhōng, geboren am 27. November 2017) und Hua Hua (Chinesisch: 华华 pinyin:Huá Huá, geboren am 5. Dezember 2017) sind identische Makaken, die durch somatischen Zellkerntransfer (SCNT) geschaffen wurden, dieselbe Klonierungstechnik, mit der 1996 das Schaf Dolly geschaffen wurde.
Zhong Zhong und Hua Hua sind die ersten geklonten Primaten, die mit dieser Technik hergestellt wurden. Als andere Wissenschaftler zuvor versuchten, Affen zu klonen, verwendeten sie gespendete embryonale Stammzellen, aber Zhong Zhong und Hua Hua stammten aus gespendeten Kernen von fötalen Zellen, was schwieriger zu bewerkstelligen ist. Die beiden Affenbabys wurden beide am Institut für Neurowissenschaften der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Shanghai geboren.
Herstellung — wie SCNT funktioniert
Beim somatischen Zellkerntransfer (SCNT) wird der Zellkern einer Körperzelle (somatische Zelle) in eine entkernte Eizelle eingesetzt. Anschließend wird das rekonstituierte Ei aktiviert (z. B. durch elektrische Impulse oder chemische Stimuli), sodass es beginnt, sich wie eine befruchtete Eizelle zu teilen und einen Embryo zu bilden. Der Embryo kann bis zur Blastozysten-Phase kultiviert und dann in einen Leihmutterorganismus transferiert werden. Erfolgreiche Klone entstehen aus denjenigen Embryonen, die sich normal entwickeln und ausgetragen werden.
SCNT ist technisch anspruchsvoll und mit hohen Fehlerraten verbunden: Viele der erzeugten Embryonen entwickeln sich nicht normal, Schwangerschaften brechen ab, oder neugeborene Tiere haben Gesundheitsprobleme. Die erfolgreiche Produktion zweier lebensfähiger Affenbabys war deshalb ein bedeutender technischer Durchbruch.
Bedeutung und wissenschaftlicher Kontext
Die Herstellung von Zhong Zhong und Hua Hua markierte erstmals, dass SCNT bei nicht-menschlichen Primaten angewendet worden war. Das ist aus mehreren Gründen relevant:
- Primaten sind genetisch und physiologisch näher am Menschen als Maus- oder Rattenmodelle, was sie für bestimmte biomedizinische Fragestellungen (z. B. Neurowissenschaften, Verhaltensforschung, Medikamententestung) besonders wertvoll macht.
- Geklonte, genetisch identische Tiere können als homogenere Versuchstiere dienen und so die Variabilität in Experimenten reduzieren.
- Die Methode eröffnet das Potenzial, gezielt genetisch veränderte Primatenlinien zu etablieren, die Krankheitsmodelle (z. B. für neurodegenerative Erkrankungen) liefern könnten.
Ethische und rechtliche Fragen
Die Arbeit löste intensive Debatten aus. Kritiker wiesen auf mehrere Punkte hin:
- Tierschutz: Die hohen Raten an Fehlgeburten, Fehlbildungen und möglichen Gesundheitsproblemen bei Klonen werfen erhebliche tierschutzrechtliche und moralische Fragen auf.
- Gefahr des Missbrauchs: Die technische Nähe zwischen Primaten und Menschen verstärkte Befürchtungen, die Methode könnte eines Tages auf den Menschen übertragen werden. Viele Forscher betonten deshalb die Notwendigkeit klarer ethischer Regeln und gesetzlicher Verbote für reproduktives Klonen beim Menschen.
- Forschungsethik: Die Balance zwischen potenziellen wissenschaftlichen Nutzen (bessere Modelle für Krankheiten) und den ethischen Kosten wurde kontrovers diskutiert; mehrere Wissenschaftler forderten Einschränkungen, Transparenz und unabhängige Begutachtung solcher Projekte.
Veröffentlichung und Ausblick
Ergebnisse dieser Forschung wurden 2018 von dem Team der Chinesischen Akademie der Wissenschaften veröffentlicht und weltweit beachtet. Die Autoren betonten, dass ihre Absicht wissenschaftliche Forschung und die Entwicklung besserer Krankheitsmodelle sei, nicht das Klonen von Menschen.
Technisch bleibt das Klonen von Primaten schwierig und ressourcenintensiv. Gleichzeitig führt der Erfolg zu verstärkter Diskussion über Regulierung, ethische Leitlinien und internationale Zusammenarbeit, damit potenzielle Anwendungen verantwortungsvoll und mit angemessenen Schutzmechanismen erfolgen.
Name und kultureller Hinweis
Die Namen Zhong Zhong (中中) und Hua Hua (华华) bestehen jeweils aus einer Verdopplung eines chinesischen Zeichens, eine in China gebräuchliche und oft liebevolle Namensform für Tiere oder Kinder. Solche Verdopplungen vermitteln Zärtlichkeit oder Vertrautheit.
Fazit: Zhong Zhong und Hua Hua sind ein wissenschaftlicher Meilenstein in der Anwendung des somatischen Zellkerntransfers auf Primaten. Sie zeigten, dass die Methode prinzipiell auch bei Affen funktioniert, und lösten dadurch sowohl wissenschaftliches Interesse an neuen Forschungsperspektiven als auch intensive ethische und gesellschaftliche Debatten aus.