Cruzan gegen den Direktor des Gesundheitsministeriums von Missouri, 497 U.S. 261 (1990), war ein Fall am Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten. Er hatte mit dem Recht zu sterben zu tun. Nancy Cruzan war eine Frau, die sich in einem anhaltenden vegetativen Zustand befand. Ihre Familie wollte die lebenserhaltenden Behandlungen einstellen, damit sie sterben konnte. Das Krankenhauspersonal weigerte sich, dies ohne Gerichtsbeschluss zu tun. Schließlich gelangte der Fall vor den Obersten Gerichtshof. Am 25. Juni 1990 entschied das Gericht, dass es legal sei, "klare und überzeugende Beweise" dafür zu verlangen, dass die Einstellung der lebenserhaltenden Maßnahmen das ist, was eine Person gewollt hätte.

Hintergrund

Nancy Cruzan erlitt Anfang 1983 einen schweren Autounfall und fiel in einen anhaltenden vegetativen Zustand. Sie konnte nicht mehr bewusst kommunizieren oder selbst Entscheidungen über medizinische Behandlungen treffen. Ihre Eltern als gesetzliche Vertreter beantragten, die künstliche Ernährung und Flüssigkeitszufuhr (über eine Magensonde) abzusetzen. Das Krankenhaus lehnte dies ohne gerichtliche Anordnung ab. In den folgenden Jahren durchlief der Fall zahlreiche Gerichtsinstanzen in Missouri, bevor der Fall vom Obersten Gerichtshof der USA geprüft wurde.

Rechtliche Frage und Entscheidung

Der zentrale rechtliche Streitpunkt war, inwieweit eine Person – oder deren Angehörige als Vertreter – das Recht hat, lebensverlängernde Maßnahmen abzulehnen, wenn die betroffene Person nicht einwilligungsfähig ist. Der Oberste Gerichtshof erkannte an, dass Erwachsene grundsätzlich ein verfassungsmäßiges Recht haben, medizinische Behandlung abzulehnen. Gleichzeitig bestätigte das Gericht, dass Staaten ein berechtigtes Interesse daran haben, Leben zu schützen, Falschbehauptungen zu verhindern und die Integrität des medizinischen Berufsstandes zu wahren.

Das Gericht entschied, dass Staaten verlangen dürfen, dass vor dem Absetzen von lebenserhaltenden Maßnahmen bei nicht einwilligungsfähigen Patienten klare und überzeugende Beweise dafür vorliegen, dass dies dem Willen der betroffenen Person entspricht. Mit anderen Worten: Das Grundrecht, lebensverlängernde Maßnahmen abzulehnen, wurde anerkannt, aber die Staaten dürfen hohe Beweisstandards und verfahrensrechtliche Schutzmaßnahmen verlangen, bevor sie die Entfernung dieser Maßnahmen erlauben. Die Entscheidung war knapp und tief umstritten.

Folgen und Bedeutung

  • Die Entscheidung hat die Bedeutung von Vorsorgeverfügungen, Advance Directives und Living Wills deutlich erhöht: Menschen wurden ermutigt, schriftlich festzulegen, welche Behandlungen sie im Fall der Entscheidungsunfähigkeit wünschen oder ablehnen.
  • Viele Staaten passten daraufhin ihre Gesetze an oder schufen klarere Regelungen zu Patientenverfügungen und Vertretungsbefugnissen, um den vom Gericht geforderten Nachweis zu erleichtern.
  • Auf politischer Ebene trug der Fall zur öffentlichen Debatte über das Recht zu sterben, Sterbebegleitung und die Grenzen ärztlicher Hilfe beim Lebensende bei. Er unterschied außerdem klar zwischen dem Recht, Behandlung abzulehnen, und anderen Fragen wie der aktiven Sterbehilfe oder der ärztlich assistierten Selbsttötung, die rechtlich und ethisch gesondert behandelt werden.

Nancy Cruzan – weiterer Verlauf

Nach der Entscheidung des Obersten Gerichtshofs wurde in Missouri ein weiteres Gerichtsverfahren geführt. Schließlich stimmten die Gerichte der Familie zu, die künstliche Ernährung zu beenden. Nancy Cruzan starb wenige Wochen später im Dezember 1990. Ihr Fall bleibt ein grundlegender Präzedenzfall in der amerikanischen Rechtsordnung zum Umgang mit lebenserhaltenden Maßnahmen und zur Bedeutung von Patientenverfügungen.