Das englische Interregnum war die Zeit der parlamentarischen und militärischen Herrschaft in dem Land, das das heutige England und Wales nach dem englischen Bürgerkrieg besetzte. Es begann mit der Hinrichtung von Charles I. im Jahr 1649 und endete, als Charles II. König wurde, nachdem Oliver Cromwell 1660 gestorben war.

Diese Epoche der englischen Geschichte lässt sich in vier Perioden unterteilen.

Gliederung und Überblick

  • Commonwealth und Rump-Parlament (1649–1653): Nach der Hinrichtung von Charles I. wurde die Monarchie und das Haus der Lords abgeschafft; England wurde als Republik (Commonwealth) ausgerufen und vom Rump-Parlament sowie dem Council of State regiert.
  • Protektorat unter Oliver Cromwell (1653–1658): Mit dem Instrument of Government wurde Oliver Cromwell zum Lord Protector; das Protektorat versuchte, eine stabile Verfassung mit Parlament, Rat und Exekutive zu schaffen, war aber von Spannungen zwischen Armee und Politik geprägt.
  • Kurzzeitige Herrschaft Richards und Rückkehr politischer Instabilität (1658–1659): Nach Olivers Tod übernahm sein Sohn Richard Cromwell die Macht, war aber ohne militärische Autorität; es folgten schnelle politische Krisen und die Wiederherstellung des Rump-Parlaments.
  • Zusammenbruch und Restauration der Monarchie (1659–1660): Das Machtvakuum führte zu Unruhen; General George Monck und parlamentarische Kräfte bereiteten die Rückkehr von Charles II. vor, der 1660 als König wieder eingesetzt wurde.

Wichtige Ereignisse und Institutionen

Das Interregnum war geprägt von der starken Rolle des Militärs—insbesondere der New Model Army—und von Versuchen, eine neue verfassungsrechtliche Ordnung zu etablieren. Zentrale Instrumente waren das Instrument of Government (1653), das Oliver Cromwell formell zum Lord Protector machte, sowie später die Humble Petition and Advice (1657), die ihm erweiterte Vollmachten und das Recht gab, einen Nachfolger zu ernennen.

Zur Durchsetzung innerer Ordnung wurden zeitweise die sogenannten Major-Generals eingesetzt (1655–1657): militärische Gouverneure, die Steuereintreibung, Sicherheit und religiöse Disziplin in Regionen überwachten. Gesellschaftlich und kulturell wirkten puritanische Moralvorstellungen: Theater blieben lange geschlossen, Sittengesetze wurden verschärft, und religiöse Debatten—zwischen Anglikanern, presbyterianischen, baptistischen und radikaleren Gruppen wie Levellers oder Diggers—prägten die Zeit.

Krieg in Irland und Schottland, Außenpolitik

Das Commonwealth und später das Protektorat führten auch militärische Feldzüge in Irland und Schottland durch, um royalistische Widerstände zu brechen. Die gewaltsamen Eroberungen in Irland (1649–1653) und die Niederlage royalistischer Kräfte in England (Schlacht von Worcester 1651) sicherten kurzzeitig die Vorherrschaft des Commonwealth über die britischen Inseln. Außenpolitisch setzte England unter anderem die Navigation Acts (ab 1651) ein, die die Schifffahrt und den Handel mit den Kolonien stärker kontrollierten und die maritime Konkurrenz beschränkten.

Ende des Interregnums und Folgen

Nach Olivers Tod (1658) zeigte sich, wie stark die politische Stabilität an seine Persönlichkeit und die Armee gebunden war. Richard Cromwell konnte die Loyalität der Truppen nicht herstellen; es folgten Rückkehr des Rump-Parlaments, kurze Regierungswechsel und schließlich die militärisch-parlamentarische Intervention von General George Monck. Monck marschierte nach Süden, löste im Februar 1660 das Rump-Parlament und rief schließlich eine Konvention zusammen, die die Rückkehr von Charles II. ermöglichte. Die Restauration 1660 bedeutete die Wiederherstellung der Monarchie, des anglikanischen Kirchenstaats und vieler vorheriger Institutionen, wenngleich einige Veränderungen und Erfahrungen des Interregnums langfristig nachwirkten.

Zu den unmittelbaren Folgen gehörten die Act of Indemnity and Oblivion (1660), die breite Amnestie für viele Teilnehmer am Bürgerkrieg und Interregnum, jedoch mit Ausnahmen für die Regicides (Mitverantwortliche der Hinrichtung Charles I.), die nach der Restauration verklagt und teilweise hingerichtet wurden. Langfristig förderte die Periode Debatten über Parlamentssouveränität, Religionsfreiheit und die Rolle des Militärs in der Politik; viele der verfassungsrechtlichen und gesellschaftlichen Fragen, die im Interregnum offengelegt wurden, blieben in England danach weiterhin politisch relevant.

Historische Bewertung

Das Interregnum bleibt ein kontroverses Kapitel: Für einige war es eine Epoche experimenteller Verfassungsbildung und religiöser Freiheit (wenn auch ungleich verteilt), für andere eine Zeit militärischer Dominanz und autoritärer Eingriffe in Alltag und Religion. Seine Bedeutung liegt weniger in dauerhaften Institutionen als in den Erfahrungen und Konflikten, die die spätere Entwicklung von Parlamentarismus und Königsherrschaft in England mit beeinflussten.