Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) ist ein Zusammenschluss von 20 Landeskirchen. Diese 20 setzen sich aus zwei reformierten (calvinistischen), neun lutherischen und neun vereinigten (lutherisch-reformierten) Kirchen zusammen.
Als assoziierte Mitglieder gehören die Mährische Brüdergemeine (auch Herrnhuter Brüdergemeine genannt) und der Bund Evangelisch-reformierter Gemeinden zur EKD-Familie.
Die Evangelische Kirche in Deutschland ist keine zentralistische Kirche wie die Kirche von England oder die römisch-katholische Kirche. Vielmehr ist sie ein ökumenischer Verbund selbstständiger Landeskirchen, die im Rahmen der EKD zusammenarbeiten, gemeinsame Stellungnahmen erarbeiten und Dienste koordinieren, dabei aber in vielen Fragen eigenständig bleiben.
Aufbau und Selbstverwaltung
Jede Landeskirche hat ihre eigene Verfassung, einen gewählten synodalen Aufbau (Landessynode) und eigene Leitungsorgane, etwa einen Bischof, eine Kirchenpräsidentin oder einen Kirchenpräsidenten. Die EKD selbst hat keine einheitliche Lehrverbindlichkeit, sondern übernimmt die Aufgabe, die Zusammenarbeit zu fördern, gemeinsame theologische Grundsätze zu formulieren und die Kirchen nach außen zu vertreten. Sitz des Rates der EKD und des Kirchenamts ist in Hannover; darüber hinaus unterhält die EKD Büros in Berlin.
Aufgaben und Handlungsfelder
- Öffentliche Vertretung der evangelischen Kirchen in Politik, Gesellschaft und Ökumene;
- Koordination diakonischer Arbeit (Sozialdienste), Bildungsangebote und kirchlicher Schulen;
- Pastorale und theologische Beratung sowie Fortbildung für Pfarrerinnen und Pfarrer;
- Internationale Beziehungen, Entwicklungshilfe und Mission;
- Gemeinsame Stellungnahmen zu ethischen, sozialen und gesellschaftspolitischen Fragen.
Finanzierung und Mitglieder
Die Landeskirchen finanzieren sich überwiegend über die Kirchensteuer (eingezogen über das staatliche Steuersystem), Kollekten, Spenden und Einnahmen aus kirchlichem Eigentum. Die Mitgliederzahlen sind in den vergangenen Jahrzehnten rückläufig; dennoch gehört die EKD mit insgesamt rund 20 Millionen Mitgliedern zu den großen Kirchen in Deutschland.
Theologie, Praxis und Vielfalt
Innerhalb der EKD bestehen theologische und liturgische Unterschiede zwischen lutherischen, reformierten und vereinigten Kirchen. Viele Landeskirchen ordnen Frauen in Ämter ein; in weiten Teilen der EKD gibt es verschiedene Regelungen zu Segnungen und kirchlichen Handhabungen von Partnerschaften gleichgeschlechtlicher Paare — die Praxis variiert zwischen den Landeskirchen.
Ökumene und Zusammenarbeit
Die EKD pflegt intensive ökumenische Beziehungen zur römisch-katholischen Kirche, zu orthodoxen Kirchen sowie zu internationalen protestantischen Gemeinschaften. Auf nationaler Ebene arbeitet sie mit Diakonie, kirchlichen Verbänden, Religionsgemeinschaften und staatlichen Stellen zusammen, um soziale und ethische Herausforderungen anzugehen.
Kurz zusammengefasst: Die EKD ist kein einheitlicher Zentralverband, sondern ein Bund selbstständiger Landeskirchen mit gemeinsamer Zusammenarbeit in theologischen, sozialen und gesellschaftlichen Anliegen. Sie verbindet historisch-traditionelle Vielfalt mit dem Ziel, gemeinsam kirchliches Leben in Deutschland zu gestalten.

