Definition

Die Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten ist eine protestantische christliche Gruppe. Sie unterscheidet sich von den meisten anderen protestantischen Gruppen dadurch, dass die Anhänger den siebten Tag der Woche, den Samstag, der, als den biblischen Tag des Ruhens und der Gottesverehrung halten. Die Bibel nennt diesen Tag den "Sabbat", und nach der Auffassung der Adventisten ist er—wie auch im Judentum—der siebte Tag der Woche (Gen 2,1–3). Aus diesem Grund trägt die Kirche den Namen "Siebenten-Tags-Adventisten". Häufig gebrauchte Kurzformen sind "Adventist" oder die Abkürzung "SDA".

Geschichte

Die Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten entstand aus der Milleriten-Bewegung in den Vereinigten Staaten. Die Milleriten waren eine Sammlung von Gläubigen verschiedener Konfessionen, die Mitte des 19. Jahrhunderts den Lehren des Predigers William Miller folgten. Miller hatte vorausgesagt, dass das Zweite Kommen Jesu sehr bald stattfinden werde; daher leitet sich das Wort "Adventist" vom Begriff "Advent" (Ankunft) her. Nach einer Phase der Neuorientierung und Organisation wurde die heutige Kirche 1863 formal gegründet.

Wichtige Lehren

In vielen Kernpunkten stehen die Siebenten-Tags-Adventisten nahe bei evangelikalen Christen, etwa in ihrem Bekenntnis zur Trinität und zur Irrtumslosigkeit der Bibel in Glaubensfragen. Zugleich gibt es einige Lehren, die die Adventisten deutlich von anderen protestantischen Gruppen unterscheiden:

  • Untersuchungsgericht: Eine spezifische Lehre, wonach vor dem endgültigen Gericht eine himmlische Überprüfung (Untersuchungsgericht) stattfindet.
  • Zustand der Toten: Adventisten vertreten den sogenannten "Schlaf der Toten": Verstorbene bleiben bewusstlos, bis Christus sie bei der Wiederkunft auferweckt.
  • Endgericht und Vernichtung der Bösen: Die Kirche lehrt, dass die Bösen letztlich durch Feuer vernichtet werden (Annihilationismus) und nicht ewig in einem brennenden Höllenfeuer weiterexistieren.
  • Sabbat: Der Samstag wird als heiliger Ruhetag begangen, an dem Arbeit vermieden und Gemeinschaft, Gebet und Bibelstudium gepflegt werden.

Gottesdienst und religiöse Praxis

Adventistische Gottesdienste am Sabbat enthalten in der Regel Bibelstudium (Sabbatschule), gemeinsames Lob, Predigt und oft eine Abendmahlsfeier (mit Fußwaschung in manchen Gemeinden). Die Taufe erfolgt normalerweise durch Untertauchen (Glaubenstaufe) und symbolisiert die persönliche Glaubensentscheidung und Hinwendung zu Christus.

Gesundheit und Lebensstil

Die Kirche ist weithin für ihre Gesundheitsbotschaft bekannt. Adventisten sehen den Körper als Tempel Gottes und betonen, dass eine gesunde Lebensweise hilft, klar zu denken, Gottes Wort besser zu verstehen und im Dienst für andere wirksamer zu sein. Typische Empfehlungen sind:

  • Verzicht auf Rauchen und übermäßigen Alkohol- und Drogenkonsum
  • Vorsicht gegenüber bewusstseinsverändernden Substanzen
  • Bevorzugung einer pflanzenbetonten Ernährung; viele Mitglieder sind Vegetarier oder Veganer
  • Vermeidung von Fleisch von Schweinen, bestimmten Fischen und anderen in der Bibel als unrein bezeichneten Tieren
  • Bewegung, Aufenthalt in der Natur, ausreichende Ruhe und viel Wasser

Die positiven Auswirkungen dieser Lebensweise wurden unter anderem 2005 in einer Titelgeschichte des National Geographic hervorgehoben: Die in Loma Linda, Kalifornien, lebenden Adventisten wurden als eine der "Blauen Zonen" identifiziert, in denen Menschen überdurchschnittlich lange leben.

Organisationsstruktur und soziales Engagement

Weltweit wird die Kirche von einer Generalkonferenz geleitet. Darunter gibt es Regionen, die durch Divisionen, Union Conferences (Gewerkschaftskonferenzen) und lokale Konferenzen verwaltet werden. Die Kirche ist in über 200 Ländern und Territorien vertreten und ethnisch sowie kulturell vielfältig.

Die Adventisten unterhalten zahlreiche Schulen, Hochschulen, Krankenhäuser und Verlagshäuser. Zu den bekanntesten Organisationen der Kirche gehört das Adventistische Entwicklungs- und Hilfswerk (Adventist Development and Relief Agency, ADRA), das humanitäre Hilfe und Entwicklungshilfe weltweit leistet. Weltweit gibt es in der Siebenten-Tags-Adventisten-Kirche ungefähr 18,5 Millionen Mitglieder.

Ellen G. White

Eine wichtige Persönlichkeit in der frühen Geschichte der Kirche war Ellen G. White. Sie verfasste zahlreiche Schriften und gilt vielen Adventisten als prophetisch inspirierte Ratgeberin. Ihre Texte haben einen großen Einfluss auf Lehre, Gesundheitsbotschaft, Erziehungs- und Missionsarbeit der Kirche. Offiziell sehen die Adventisten die Bibel als oberste Glaubensquelle; die Schriften Ellen Whites werden als geistliche Orientierung betrachtet, jedoch der Bibel untergeordnet.

Kultur, Religionsfreiheit und gesellschaftliche Positionen

Die Kirche befürwortet aktiv die Religionsfreiheit und engagiert sich in Fragen der Menschenrechte. In kulturellen Fragen gilt die Adventistische Kirche oft als vergleichsweise konservativ, etwa in Bezug auf Lebensstil und Familienwerte, während sie gleichzeitig auf Bildungs- und Gesundheitsprogramme sowie soziales Engagement großen Wert legt.

Wissenschaftliche und theologische Anmerkung

Manche Christen argumentieren—gestützt auf neutestamentliche Texte—dass durch Jesu Tod und Auferstehung bestimmte alttestamentliche Kultvorschriften ihre kultische Bindung verloren haben. Die Aussage im ursprünglichen Text: "Im Buch der Taten heißt es, dass Gott durch den Tod Jesu am Kreuz ALLES neu gemacht hat, um uns von unseren Sünden zu retten. Das bedeutet, dass wir alles essen können, weil Gott es neu gemacht hat", fasst eine theologische Sichtweise zusammen, wird aber unterschiedlich ausgelegt. Adventisten glauben zwar an die Erlösung durch Christus; zugleich betonen viele Adventisten aus gesundheitlichen und biblischen Gründen die Beachtung bestimmter Speiseempfehlungen als Teil ihrer Glaubenspraxis.

Verbreitung, Zahlen und Kritik

Die Kirche ist global präsent und in vielen Ländern in Bildung, Gesundheitswesen und Entwicklungshilfe aktiv. Gleichzeitig gibt es innerhalb und außerhalb der Kirche theologische Debatten über Lehren wie das Untersuchungsgericht oder den genauen Status der prophetischen Schriften Ellen Whites. Solche Diskussionen sind Teil einer lebendigen Gemeindekultur und werden in Lehrgremien, theologischen Seminaren und unter Laien immer wieder geführt.

Zusammenfassend ist die Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten eine weltweit aktive protestantische Gemeinschaft mit markanten Lehrausprägungen (Sabbat, Gesundheitsbotschaft, Staatsverständnis des Todes und des Gerichts), umfangreichem sozialen und bildungsbezogenem Engagement sowie einer klaren Betonung von Bibel und Missionsauftrag.