Die Schlangenfliegen (Raphidioptera) sind eine kleine Ordnung endopterygoter Insekten. Sie sind eng mit den Megaloptera und Neuroptera verwandt.

Es gibt etwa 210 lebende Arten. Sie sind leicht an ihrem kleinen Kopf und ihrem langen "Hals" zu erkennen, der eigentlich der verlängerte Prothorax ist.

Die Schlangenfliege, etwa 15 mm (0,6 inch) lang, hat zwei Paare ähnlicher, netznerviger Flügel, lange Fühler und kauende Mundwerkzeuge. Das Weibchen legt Eier mit einem langen Eierleger.

Merkmale

  • Körperbau: Auffällig ist der verlängerte Prothorax, der wie ein schmaler "Hals" wirkt und dem Tier seinen deutschen Namen gibt.
  • Flügel: Zwei Paare ähnlich gebauter, netznerviger Flügel mit zahlreichen Queradern; beim Ruhen meist flach über dem Körper zusammengelegt.
  • Größe: Meist klein bis mittelgroß; viele Arten um 10–20 mm, einige etwas kleiner oder größer (ca. 5–25 mm), typischer Wert um 15 mm.
  • Antennen und Mundwerkzeuge: Lange, fadenförmige Fühler und kauende (beißende) Mundwerkzeuge; Larven ebenfalls räuberisch ausgestattet.
  • Weibchen: Oft mit einem längeren Ovipositor (Eierleger), mit dem Eier in Ritzen oder Pflanzengewebe abgelegt werden.

Lebensweise und Entwicklung

Schlangenfliegen durchlaufen eine vollständige Entwicklung (Metamorphose) mit Ei, Larve, Puppe und adultem Insekt. Die räuberischen Larven leben meist unter loser Rinde, in Laubstreu oder in Pflanzenrissen und ernähren sich von kleinen Arthropoden wie Blattläusen, Milben oder anderen Insektenlarven. Die Entwicklung kann je nach Art und Umweltbedingungen ein bis mehrere Jahre dauern. Die Puppen werden an geschützten Stellen gebildet, etwa in der Rinde oder im Bodenstreu.

Verbreitung und Lebensraum

Schlangenfliegen sind auf die nördliche Hemisphäre beschränkt. Ihre Vorkommen konzentrieren sich vor allem auf gemäßigte Regionen Europas, Asiens und Nordamerikas. Bevorzugte Lebensräume sind Wälder und Waldränder, insbesondere ältere Misch- und Laubwälder mit reichlich Totholz und loser Rinde, aber auch Hecken und buschige Standorte können besiedelt werden. Viele Arten sind an kühl-feuchte Mikrohabitate gebunden.

Ökologische Bedeutung

Als räuberische Larven und adulte Tiere tragen Schlangenfliegen zur natürlichen Regulation von Schadinsekten bei, besonders dort, wo Blattläuse und andere kleine Arthropoden vorkommen. Deshalb gelten sie als nützliche Komponenten im Ökosystem Wald und in naturnahen Gärten.

Systematik, Artenzahl und Fossilbericht

Die Ordnung Raphidioptera umfasst heute nur wenige Familien und verhältnismäßig wenige Arten (in älterer Literatur werden etwa 200–260 Arten angegeben). Die beiden heute lebenden Familien sind unter anderem Raphidiidae und Inocelliidae. Fossilbefunde zeigen, dass Verwandte der heutigen Schlangenfliegen schon in früheren Erdzeitaltern weiter verbreitet und vielfältiger waren; besonders aus dem Mesozoikum sind zahlreiche fossile Vertreter bekannt.

Gefährdung und Schutz

Viele Schlangenfliegen sind relativ selten oder lokal begrenzt, da sie auf strukturreiche Wälder mit Totholz und geeigneten Mikrohabitaten angewiesen sind. Veränderungen durch Intensivierung der Forstwirtschaft, Verlust von Altbäumen und Habitatzersiedelung können lokal zu Bestandsrückgängen führen. In einigen Regionen sind einzelne Arten deshalb geschützt oder werden in faunistischen Inventaren als potenziell gefährdet betrachtet. Naturnahe Waldpflege und Belassen von Totholz fördern ihre Lebensräume.

Was man beobachten kann

  • Schlangenfliegen sind oft leicht am verlängerten "Hals" zu erkennen.
  • Man findet sie beim Sitzen auf Baumstämmen, Rindenfurchen oder Pflanzen.
  • Die Tiere fliegen zwar, sind aber meist schwach und bleiben in der Vegetation verborgen.

Kurzfassung: Schlangenfliegen (Raphidioptera) sind kleine, räuberische Insekten mit charakteristischem verlängertem Prothorax, netznervigen Flügeln und langen Antennen. Sie kommen nur in der Nordhemisphäre vor, leben bevorzugt in Wäldern und leisten einen Beitrag zur Kontrolle kleiner Schadinsekten. Einige Arten sind regional selten und auf den Schutz naturnaher Lebensräume angewiesen.