Die Touraine (französische Aussprache: [tuʁɛn]) ist eine der traditionellen Provinzen Frankreichs. Ihre Hauptstadt war Tours. Im Jahr 1790 wurde Frankreich nicht mehr in Provinzen, sondern in Departements unterteilt. Die Touraine wurde zwischen den Departements Indre-et-Loire, Loir-et-Cher und Indre aufgeteilt.
Geographie und Landschaft
Die Touraine liegt im Zentrum-West-Teil Frankreichs und umfasst Teile des Loiretals mit seinen fruchtbaren Ebenen. Das Klima ist gemäßigt-ozeanisch mit oft milden Wintern und warmen Sommern. Typisch für die Region sind:
- Die Loire und ihre Nebenflüsse, die das Landschaftsbild prägen.
- Ausgedehnte Ackerflächen, Weinberge und Obstplantagen.
- Die charakteristische weiße Tuffstein-Architektur, gewonnen aus lokalen Kalksteinbrüchen.
- Viele troglodytische Siedlungen und Keller, die in die weichen Tuffsteinfelsen gehauen sind.
Kurze Geschichte
Die Touraine war in der Antike und im Mittelalter ein strategisch wichtiger Raum zwischen Nord- und Südfrankreich. Wichtige historische Etappen:
- Römische Besiedlung und frühe Agrarkultur.
- Im Mittelalter Zentrum politischer Macht und Residenz mehrerer Adelsfamilien; die Region profitierte von der Lage an wichtigen Handels- und Pilgerrouten.
- Im 12. und 13. Jahrhundert starke Verbindungen zu den Plantagenets durch Heiraten und Besitzverflechtungen.
- Renaissance: Bau zahlreicher Schlösser (châteaux) und kulturelle Blüte im 15.–16. Jahrhundert.
- 1790 Auflösung der Provinzen und Einteilung in Departements (siehe oben).
Kulturelles Erbe und Architektur
Die Touraine ist besonders bekannt für ihre vielen Schlösser und historischen Bauwerke. Zahlreiche Anlagen gehören zum Kulturerbe der Loire:
- Berühmte Schlösser: Château de Chenonceau, Château d'Amboise, Azay-le-Rideau, Villandry, Ussé und Langeais.
- Kirchen und Klöster, etwa die Kathedrale von Tours oder die Basilika Saint-Martin.
- Troglodytenwohnungen und unterirdische Weinkeller aus Tuffstein.
Wirtschaft, Weinbau und Gastronomie
Die Region lebt traditionell von Landwirtschaft, Weinbau und zunehmend vom Tourismus. Wichtige Produkte und Spezialitäten:
- Weine: bekannte Appellationen aus der Touraine sind unter anderem Vouvray, Montlouis, Chinon, Bourgueil und Saint-Nicolas-de-Bourgueil. Die Weine reichen von trocken bis süß und werden oft in Tuffsteinkellern gelagert.
- Käse: der Ziegenkäse Sainte-Maure-de-Touraine ist eine regionale Spezialität.
- Weitere lokale Produkte: Obst, Gemüse, Geflügel sowie klassische französische Küche in den Ortschaften und Städten.
Tours – Hauptstadt der Touraine
Tours ist das historische und kulturelle Zentrum der Touraine. Wichtige Merkmale der Stadt:
- Historische Altstadt mit Fachwerkhäusern, etwa der Place Plumereau.
- Die Kathedrale Saint-Gatien und die Basilika Saint-Martin als religiöse Sehenswürdigkeiten.
- Universität und kulturelle Einrichtungen, zahlreiche Museen und regelmäßig stattfindende Festivals.
- Gute Verkehrsanbindung: Bahnverbindungen (auch TGV nach Paris) und Autobahnen verbinden Tours mit dem Rest Frankreichs.
Tourismus
Die Touraine gehört zum beliebten Reisegebiet "Loiretal", das wegen seiner Schlösser, Weinrouten und landschaftlichen Qualität oft besucht wird. Die Region ist Teil der UNESCO-Welterbestätte "Loire-Tal zwischen Sully-sur-Loire und Chalonnes" (Loire Valley). Touristen schätzen:
- Schlösserrouten und Gartenanlagen (z. B. die Gärten von Villandry).
- Weinproben in Kellern und Weingütern.
- Rad- und Wandertouren entlang der Loire.
- Kulinarische Entdeckungen auf lokalen Märkten und in Restaurants.
Sprache und Identität
Historisch wurde in der Touraine ein Dialekt der langues d'oïl gesprochen, das sogenannte tourangeau, das viele Gemeinsamkeiten mit dem heutigen Französisch hat. Die regionale Identität zeigt sich in Traditionen, Festen und der Pflege des kulturellen Erbes.
Sehenswerte Orte (Auswahl)
- Château de Chenonceau
- Château d'Amboise
- Château d'Azay-le-Rideau
- Château de Villandry
- Tours: Altstadt, Kathedrale Saint-Gatien, Place Plumereau
- Weinorte: Vouvray, Chinon, Bourgueil
Die Touraine verbindet reiches historisches Erbe, eine ausgeprägte Wein- und Esskultur sowie eine gut erhaltene Landschafts- und Baukultur. Für Besucher bietet sie eine Kombination aus Geschichte, Natur und kulinarischen Erlebnissen.