Xenoturbella: Gattung primitiver Deuterostomier mit einfachem Körperbau

Xenoturbella – primitive Deuterostomier mit einfachem Körperbau: wurmähnlich, ohne Gehirn/Darm, basal im Stammbaum, gefunden im Nordatlantik; Schlüssel zur frühen Tierentwicklung.

Autor: Leandro Alegsa

Xenoturbella ist eine Gattung bilateraler Tiere; sie enthält zwei marine wurmartige Arten. Die erste bekannte Art wurde 1915 entdeckt und wurde 1949 wissenschaftlich beschrieben. Eine DNA-Studie aus dem Jahr 2003 zeigte, dass es sich nicht um eine Gruppe von Mollusken handelt, wie zuerst angenommen wurde, sondern um einen primitiven Spross innerhalb der Deuterostomier. Die Gattung ist das namensgebende und zuerst entdeckte Mitglied ihres Unterstammes, der Xenoturbellida.

Merkmale

Xenoturbella besitzt einen ausgesprochen einfachen Körperbau. Das Tier hat kein Gehirn im klassischen Sinn, keinen durchgehenden Darm (es fehlt ein After; die Nahrung gelangt in eine sackförmige Körperhöhle), kein spezialisiertes Ausscheidungssystem und keine organisierten Keimdrüsen — wohl aber frei im Gewebe liegende Keimzellen. Neben diesen fehlenden Organen besitzt es eine sogenannte Statozyste, die gegeißelte Zellen enthält und wahrscheinlich der Lagewahrnehmung dient. Die Oberfläche ist mit Flimmerhärchen (Cilien) bedeckt; das Nervensystem ist diffus angelegt und besteht aus einem Netzmuster sowie vereinzelten Nervensträngen, nicht aus einem kompakten Gehirn. Die Tiere sind flach, wurmförmig und erreichen eine Größe von bis zu etwa 4 Zentimetern (1,6 Zoll).

Systematik und Verwandtschaft

Innerhalb der Deuterostomier steht dieses Phylum basal. Molekulare Analysen deuten auf eine enge Verwandtschaft mit den Acoelomorpha hin; zusammen bilden sie die Gruppe Xenacoelomorpha, die als Schwestergruppe zu den Ambularien (den Stachelhäutern und Hemichordaten) aufgefasst wird. Diese Stellung war Gegenstand intensiver Debatten, weil frühe Untersuchungen Xenoturbella auch an eine noch basalere Position im Stammbaum der Bilateria stellten. Neuere genomische Studien stützen jedoch die Position als basale Deuterostomier. Weitere Mitglieder und Arten verwandter Gruppen sind inzwischen beschrieben worden, was das Bild der frühen Evolution der Bilateria erweitert.

Lebensweise und Ökologie

Die bekannten Xenoturbella-Exemplare wurden vor den Küsten Schwedens, Schottlands und Islands gesammelt. Sie leben benthisch auf weichem Meeresboden und sind selten nachzuweisen, was an ihrer geringen Größe und an der schwierigen Bergung liegt. Die Assoziation von Xenoturbella-Exemplaren mit Larven von Weichtieren und der Nachweis von Mollusken-DNA in Proben führte zu der Annahme, dass es sich bei ihnen um Molluskenfresser handelt. Eine alternative Hypothese besagt, dass ein Larvenstadium von Xenoturbella als interner Parasit bestimmter Weichtiere lebt oder dass die gefundenen Molluskenreste durch Kontamination bzw. als voneinander unabhängige assoziierte Organismen erklärt werden müssen. Insgesamt ist die Ernährungssituation also noch nicht abschließend geklärt; beobachtete Befunde sprechen eher für eine opportunistische Ernährungsweise, möglicherweise inklusive Aufnahme von kleineren Weichtierlarven oder deren Eiern.

Fortpflanzung und Entwicklung

Obwohl Xenoturbella keine organisierten Keimdrüsen besitzt, wurden in Gewebeproben Keimzellen nachgewiesen. Die Tiere setzen Gameten frei, und Befunde sprechen für äußere Befruchtung. Details zu Larvenstadien, Entwicklungszyklus und möglicher Parasitismus während eines Jugendstadiums sind Gegenstand aktueller Forschung; konkrete Aussagen zu direkter oder indirekter Entwicklung bleiben daher vorläufig.

Arten

Die Gattung Xenoturbella umfasst zwei beschriebene Arten:

  • Xenoturbella bocki — Typusart, zuerst beschrieben in der Mitte des 20. Jahrhunderts; bekannte Funde stammen aus dem Nordostatlantik.
  • Xenoturbella westbladi — eine weitere beschriebene Art aus dem gleichen allgemeinen Verbreitungsgebiet; ebenfalls nur vereinzelt nachgewiesen.

Wegen seltener Funde und eines einfachen Körperbaus sind viele Aspekte der Biologie, Entwicklung und systematischen Einordnung weiterhin aktiv erforscht. Neue molekulare und morphologische Untersuchungen könnten in Zukunft weitere Arten aufdecken oder unsere Vorstellungen zur Stellung von Xenoturbella im Stammbaum der Bilateria noch verändern.

Fragen und Antworten

F: Was ist Xenoturbella?


A: Xenoturbella ist eine Gattung bilateraler Tiere, die zwei wurmartige Meeresarten umfasst.

F: Wann wurde die erste bekannte Art entdeckt?


A: Die erste bekannte Art wurde im Jahr 1915 entdeckt, aber erst 1949 beschrieben.

F: Was hat eine DNA-Studie aus dem Jahr 2003 ergeben?


A: Eine DNA-Studie aus dem Jahr 2003 hat gezeigt, dass Xenoturbella zu den primitiven Deuterostomiern gehört.

F: Wie kommt es, dass es einen einfachen Körperbau hat?


A: Xenoturbella hat kein Gehirn, keinen durchgängigen Darm, kein Ausscheidungssystem, keine organisierten Keimdrüsen (hat aber Geschlechtszellen) oder andere Organe außer einer Statozyste mit Geißelzellen und einem diffusen Nervensystem.

F: Wie lang kann sie sein?


A: Er kann bis zu 4 Zentimeter lang sein (1.6 in).

F: Wo wurde er gefunden?


A: Er wurde vor den Küsten von Schweden, Schottland und Island gefunden.

F: Welche Theorien gibt es über seine Ernährung?


A: Einige vermuten, dass sie Molluskenfresser sind, während andere glauben, dass sie sich als interner Parasit von bestimmten Mollusken entwickeln können.


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