1268 – Ereignisse und Entwicklungen: Politik, Kultur, Geburten & Todesfälle
1268 – Politik, Kultur, Kriege, Geburten & Todesfälle: Chronik wichtiger Ereignisse in Europa und Asien. Prägnant, verlässlich und historisch fundiert.
Ereignisse
Europa
Krieg und Politik
- 23. August 1268 – Schlacht bei Tagliacozzo: In Mittelitalien besiegte Karl I. von Anjou die Truppen des jungen Hohenstauferfürsten Konradin. Der Ausgang dieser Schlacht schwächte die Ansprüche der staufischen Dynastie in Süditalien und Sizilien und festigte die Herrschaft der Anjou in der Region.
- 29. Oktober 1268 – Hinrichtung Konradins: Nach seiner Gefangennahme wurde Konradin von Hohenstaufen in Neapel hingerichtet. Mit seinem Tod erlosch die direkte männliche Linie der Staufer, was weitreichende Folgen für die Machtverhältnisse in Italien und im Heiligen Römischen Reich hatte.
- 29. November 1268 – Tod von Papst Clemens IV.: Der Tod von Papst Clemens IV. führte zu einer ungewöhnlich langen Papstvakanz (Sede vacante 1268–1271). Die andauernde Vakanz machte deutlich, wie stark politische Interessen der europäischen Mächte die Papstwahl dieses Jahrzehnts bestimmten.
- Folgen und Einordnung: Die Ereignisse 1268 markierten einen Wendepunkt in Süditalien: die Stauferherrschaft war faktisch beendet, die Anjou festigten ihre Position. Gleichzeitig verschlechterte sich die Lage der Kreuzfahrerstaaten im Osten, und die politische Zersplitterung Italiens blieb bestehen.
Kultur
- Die kulturelle Landschaft Europas blieb geprägt von der Blüte gotischer Baukunst, der Tätigkeit von Klöstern als Zentren von Bildung und Buchproduktion sowie der Weiterentwicklung der Universitäten (u. a. Paris, Bologna, Oxford) als Orte scholastischer Diskussionen.
- In der Musik- und Dichtungsszene florierten die Traditionen der Troubadoure und Minnesänger; die Verbreitung volkssprachlicher Literatur setzte sich langsam weiter durch und legte einen Grundstein für spätere literarische Entwicklungen.
- Die politischen Umwälzungen in Italien beeinflussten auch Kultur und Patronage: neue Herrscherfamilien wie die Anjou investierten in Repräsentationsbauten und Hofkultur, um ihre Legitimität zu stützen.
Asien und Naher Osten
- Mai 1268 – Eroberung von Antiochia: Der Mamluken-Sultan Baibars nahm die wichtige Kreuzfahrerstadt Antiochia ein. Die Stadt wurde dabei schwer verwüstet; dieses Ereignis beschleunigte den Niedergang der lateinischen Herrschaften im östlichen Mittelmeerraum.
- Im weiteren Asiatischen Raum setzten die Mongolen und ihre Teilherrscher ihre Expansion und Konsolidierung fort; zahlreiche Regionen profitierten gleichzeitig vom intensiven Austausch entlang der Seidenstraße, was Handel und kulturelle Kontakte förderte.
- In vielen Teilen Asiens entwickelten sich städtische Zentren und lokale Verwaltungssysteme weiter, die Handel, Handwerk und Bildung unterstützten – trotz kriegerischer Auseinandersetzungen an verschiedenen Orten.
Geburten
Für das Jahr 1268 sind nur wenige prominente Geburtsdaten eindeutig überliefert. Überlieferungslücken, unterschiedliche Quellenlagen und unsichere Chroniken machen präzise Aussagen schwierig. Viele spätere Quellen geben nur ungefähre Jahreszahlen oder widersprüchliche Angaben.
Todesfälle
- 29. Oktober 1268 – Konradin von Hohenstaufen (1252–1268), letzter männlicher Vertreter der staufischen Linie, hingerichtet in Neapel.
- 29. November 1268 – Papst Clemens IV. (Gui Fouco d'Aigrefeuille; † 1268), dessen Tod die lange Papstvakanz von 1268 bis 1271 auslöste und die politischen Fronten in Europa sichtbar machte.
Einordnung und Wirkung
Das Jahr 1268 steht in vielerlei Hinsicht für einen Umschlag in der Politik des Mittelmeerraums: mit dem Ende der Stauferherrschaft in Italien, der Verstärkung der Anjou-Macht und den Verlusten der Kreuzfahrerstaaten veränderten sich die regionalen Machtverhältnisse nachhaltig. Zugleich demonstrieren die kulturellen Entwicklungen und die fortlaufenden Handelsverbindungen, dass Europa und Asien trotz politischer Turbulenzen weiterhin eng miteinander verbunden blieben.
Veranstaltungen
Europa
Krieg und Politik
- 18. Februar - Die Livländischen Schwertbrüder werden in der Schlacht von Rakovor von Dovmont von Pskov besiegt.
- 29. Oktober - Conradin, der letzte legitime männliche Erbe der staufischen Dynastie der Könige von Deutschland und der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, wird zusammen mit seinem Gefährten Friedrich I., Markgraf von Baden, von Karl I. von Sizilien, einem politischen Rivalen und Verbündeten der feindlichen römisch-katholischen Kirche, hingerichtet.
- König Stephan V. von Ungarn beginnt einen Krieg gegen Bulgarien.
- Die Grafschaft Wernigerode wird ein Vasallenstaat des Markgrafen von Brandenburg.
- Das Haus der Bourbonen erlangte durch die Heirat von Robert, Graf von Clermont, mit der Tochter König Ludwigs IX.von Frankreich, Beatrice von Burgund, der Erbin der Lordschaft der Bourbonen, erste Bedeutung.
- In Venedig werden neue Wahlverfahren für die Wahl des Dogen eingeführt, um den Einfluss mächtiger einzelner Familien zu verringern.
- Papst Clemens IV. stirbt; bei der anschließenden Papstwahl wird fast drei Jahre lang kein neuer Papst gewählt, was die spätere Schaffung strenger Regeln für die Wahlverfahren beschleunigt.
Kultur
- Nicola Pisano vollendet die berühmte achteckige Kanzel im gotischen Stil im Dom von Siena.
- Der Karneval in Venedig wird erstmals aufgezeichnet.
- In Frankreich wird die Verwendung von Hopfen als ausschließlicher Aromastoff bei der Herstellung von Bier zwingend vorgeschrieben.
- In der Slowakei wurde Guta gegründet (heute Kolárovo).
Asien
- 18. Mai - Das Fürstentum Antiochien, ein Kreuzfahrerstaat, fällt in der Schlacht von Antiochien an den mamlukischen Sultan Baibars; die Zerstörung der Stadt Antiochien durch Baibars war so groß, dass die Bedeutung der Stadt dauerhaft negiert wurde.
- Die Schlacht von Xiangyang, eine sechsjährige Schlacht zwischen der chinesischen Song-Dynastie und den mongolischen Truppen des Kublai Khan, beginnt im heutigen Hubei.
- Bei einem Erdbeben in Kilikien sterben etwa 60.000 Menschen.
Geburten
- Mahaut von Artois (gestorben 1327)
- Kaiser Duanzong von China (gestorben 1278)
- Philipp IV. von Frankreich (gestorben 1314)
Todesfälle
- 29. Oktober - Conradin, Herzog von Schwaben (hingerichtet) (geb. 1252)
- 29. Oktober - Friedrich I., Markgraf von Baden (hingerichtet) (geboren 1249)
- 29. November - Papst Clemens IV.
- 9. Dezember - Vaisvilkas, Fürst von Schwarzer Ruthenien
- Anwaltskammer von Baux, Großjustiziar von Sizilien
- Henry de Bracton, englischer Jurist
- Peter II. von Savoyen (geboren 1203)
Suche in der Enzyklopädie