Sir Charles Hubert Hastings Parry, 1st Baronet (geboren am 27. Februar 1848 in Bournemouth; gestorben am 7. Oktober 1918 in Rustington bei Worthing, Sussex) war ein englischer Komponist, Musikwissenschaftler und Lehrer. Er zählt zu den wichtigen Figuren der sogenannten englischen Musikrenaissance des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts und beeinflusste u. a. Komponisten wie Elgar und Vaughan Williams.

Leben und Tätigkeit

Parry erhielt eine klassische Ausbildung und wandte sich früh der Musik zu. Neben seiner kompositorischen Arbeit war er als Lehrer und Organisator tätig: er lehrte an wichtigen englischen Institutionen und prägte durch seine Tätigkeit zahlreiche junge Musiker. Später übernahm er führende Ämter an Ausbildungsstätten für Musik und wurde für sein Lebenswerk mit Ehrungen bedacht.

Werk und Stil

Parry schrieb ein breites Spektrum an Werken: Oratorien, Chorstücke, Hymnen, Orchestermusik, Kammermusik und Lieder. Kennzeichnend für seinen Stil sind die Verbindung von traditioneller Chormusik (Anklänge an Bach und Händel in der Satztechnik) mit einer spätromantischen Harmonik und einem starken Sinn für Melodie und Form. Wichtige Aspekte seines Schaffens:
  • Chormusik und Hymnen: Parry trug wesentlich zur englischen Chortradition bei und komponierte zahlreiche Werke für Kirche und Staatsfeste.
  • Oratorien und groß angelegte Werke: er schrieb mehrsätzige geistliche Werke und Szenen, die oft für Chöre und Orchester gedacht sind.
  • Lieder und Kammermusik: auch in kleineren Besetzungen zeigt sich seine feine Melodik und Satzkunst.
Bekannte Einzelwerke (Auswahl) sind das weithin gesungene Jerusalem, die Krönungshymne Hymne, die zur Krönung Edwards VII. sowie das große Chorwerk „Blest Pair of Sirens“. Viele seiner Kompositionen wurden zu festen Bestandteilen des englischen Chor- und Festrepertoires.

"Jerusalem" und öffentliches Wirken

Das Lied Jerusalem ist Parrys Vertonung des Gedichts „And did those feet in ancient time“ von William Blake. Parry setzte den Text in einer Weise für Chor und Orchester, die sich schnell großer Beliebtheit erfreute. In der Folge wurde das Werk – häufig in vereinfachten Versionen – in Kirchen, bei Feierlichkeiten und bei öffentlichen Anlässen gesungen und entwickelte sich zu einem der bekanntesten patriotisch-religiösen Lieder Englands.

Einfluss und Nachwirkung

Parry hatte großen Einfluss als Lehrer und Mentor: seine Schüler und sein Engagement in musikalischen Institutionen trugen maßgeblich zur Ausbildung nachfolgender Generationen englischer Komponisten bei. Sein Werk prägte das Bild der englischen Chor- und Kirchenmusik und wurde sowohl im Konzertsaal als auch bei offiziellen Anlässen immer wieder aufgeführt. Nach seinem Tod 1918 blieb sein musikalisches Erbe lebendig; besonders Jerusalem wird bis heute häufig gesungen und hat eine starke kulturelle Bedeutung. Parry wird heute als eine Schlüsselfigur der englischen Musikgeschichte betrachtet, deren Kombination aus handwerklicher Meisterschaft und musikalischem Empfinden die Entwicklung der britischen Musik um die Wende zum 20. Jahrhundert maßgeblich beeinflusste.