Sir John Grey Gorton (9. September 1911 – 19. Mai 2002) war der 19. Premierminister von Australien und Vorsitzender der Liberalen Partei. Er wurde 1968 Parteivorsitzender und Regierungschef, nachdem Harold Holt 1967 spurlos verschwand. Vor seiner politischen Laufbahn diente Gorton als Kampfpilot während des Zweiten Weltkriegs und trug schwere Gesichtsverletzungen davon; sein markantes, von der Schlacht vernarbtes Gesicht prägte sein öffentliches Image. Gorton war bekannt für seine direkte Art und sagte einmal, er sei "Australian for the bootheels".

Frühes Leben und Kriegserfahrung

Gorton wurde 1911 geboren und wuchs in Australien auf. Im Zweiten Weltkrieg diente er in der Royal Australian Air Force als Kampfpilot. Seine Kriegserfahrungen und die Verletzungen, die er dabei erlitt, machten ihn zu einer bekannten Gestalt in der Öffentlichkeit und prägten sein Behördenbild als mutiger, entschlossener Politiker.

Politischer Aufstieg

Nach dem Krieg trat Gorton in die Politik ein und wurde für die Liberale Partei auf Bundesebene tätig. Er saß mehrere Jahre im Parlament und bekleidete verschiedene Funktionen, bevor er Ende 1967/Anfang 1968 nach dem Verschwinden Harold Holts zum Parteivorsitzenden gewählt wurde. Damit wurde er Premierminister – eine ungewöhnliche Situation, weil er zunächst im Senat saß; kurze Zeit später wechselte er ins Repräsentantenhaus, um dort das Amt des Regierungschefs fortzuführen.

Amt als Premierminister (1968–1971)

Während seiner Regierungszeit sah sich Gorton mit einer Reihe innen- und außenpolitischer Herausforderungen konfrontiert. Die australische Beteiligung am Vietnamkrieg, wirtschaftliche Fragen und Debatten über Bildung, Infrastruktur und föderale Zuständigkeiten prägten seine Amtszeit. Gorton versuchte, die Rolle des Bundes in Bildungsfragen zu stärken und legte Wert auf eine eigenständige australische Politik, die sich weniger ausschließlich an traditionellen Bündnissen orientierte.

Rücktritt und spätere Jahre

Innere Spannungen innerhalb der Liberalen Partei und Auseinandersetzungen über Führungsfragen führten 1971 zu einem Vertrauensvotum in der Fraktion; infolge des knappen Ergebnisses zog Gorton die Konsequenzen und trat als Parteichef und Premierminister zurück. Sein Nachfolger wurde William McMahon. Gorton blieb politisch aktiv, zog sich aber später aus dem aktiven Parlamentsleben zurück. Für seine Verdienste wurde er mit dem Ehrentitel "Sir" ausgezeichnet.

Persönliches

Gorton war 1935 mit Bettina Brown verheiratet; sie starb 1983. 1993 heiratete er Nancy Home. Aus der Ehe mit Bettina gingen Kinder hervor; privat galt Gorton als offener, teils eigenwilliger Charakter, der oft gegen den Strich dachte und sich nicht scheute, unkonventionelle Positionen zu vertreten.

Vermächtnis

John Gorton wird heute als ein eigenständiger und manchmal kontroverser Staatsmann in Erinnerung behalten: einerseits wegen seiner Kriegserfahrungen und seines persönlichen Mutes, andererseits wegen seines Pragmatismus und seiner Bereitschaft, traditionelle politische Pfade zu hinterfragen. Sein kurzes, aber bewegtes Ministerpräsidium gehört zu den markanteren Episoden der australischen Nachkriegsgeschichte.