William Oughtred – englischer Mathematiker, Erfinder des Rechenschiebers

William Oughtred: englischer Mathematiker, Erfinder des Rechenschiebers (ca.1622). Führte × sowie sin/cos ein und prägte die praktische Anwendung von Logarithmen.

Autor: Leandro Alegsa

William Oughtred (5. März 1574 – 30. Juni 1660) war ein englischer Mathematiker und anglikanischer Geistlicher. Er gilt als einer der wichtigen Vermittler mathematischer Methoden des 17. Jahrhunderts und ist vor allem für die Entwicklung des Rechenschiebers sowie für mehrere heute selbstverständliche mathematische Schreibweisen bekannt.

Leben und Tätigkeit

Oughtred entstammte einer gut situierten Familie und erhielt eine klassische Ausbildung; sein Wirken verband kirchliche Aufgaben mit einer lebhaften Lehrtätigkeit in Mathematik. Er unterhielt umfangreiche Kontakte und Briefwechsel mit Zeitgenossen und gab viele Schüler und Freunde in mathematischen Fragen Nachhilfe. Obwohl er als Geistlicher tätig war, ist sein wissenschaftliches Erbe vor allem in der didaktischen Aufbereitung und Verbreitung mathematischer Verfahren zu sehen.

Erfindung des Rechenschiebers

John Napier erfand die Logarithmen und Edmund Gunter schuf die logarithmischen Skalen. Oughtred war der erste, der zwei solcher Skalen verwendete. Er schob eine neben die andere, um direkt multiplizieren und dividieren zu können. Ihm wird die Erfindung des Rechenschiebers um 1622 zugeschrieben.

Die Grundidee besteht darin, dass Multiplikation und Division durch die Addition bzw. Subtraktion von logarithmischen Abständen umgesetzt werden können. Oughtred stellte diese Idee sowohl in linearer Form (zwei gegeneinander verschiebbare Leisten) als auch in Varianten mit kreisförmigen Skalen vor. Sein Konzept verbreitete sich schnell, und in der Folgezeit entstanden zahlreiche Ausführungen des Rechenschiebers, die bis zur Einführung elektronischer Taschenrechner im 20. Jahrhundert weit verbreitet blieben.

Umstritten war die genaue Priorität einiger Ausführungsformen: Es gab zeitgenössische Auseinandersetzungen, etwa mit anderen Instrumentenbauern und Autoren, die für sich die Erfindung oder die erste Veröffentlichung beanspruchten. Unbestritten ist jedoch, dass Oughtreds Idee und seine Beschreibungen wesentlich zur Verbreitung des Instruments beitrugen.

Notation und Schriften

Oughtred führte in der schriftlichen Mathematik mehrere heute vertraute Symbole und Abkürzungen ein. Auffällig sind seine Einführung des Multiplikationszeichens "×" sowie die Abkürzungen "sin" und "cos" für die Sinus- und Kosinusfunktionen. Durch seine Lehrbücher und Briefe gelangten diese Konventionen in die Praxis vieler Mathematiker und Handwerker.

Seine bekannteste Schrift, die in Förderkreisen verbreitete Lehrschrift (u. a. in späteren Auflagen als Lehrbuch der Algebra und Arithmetik), legte Rechenregeln und Methoden anschaulich dar und trug erheblich zur Standardisierung mathematischer Darstellung bei.

Wirkung und Nachwirkung

Oughtreds Einfluss zeigt sich in zweierlei Hinsicht: Erstens in der praktischen Verbreitung des Rechenschiebers als Rechenhilfsmittel in Handel, Technik und Wissenschaft; zweitens in der nachhaltigen Etablierung von Symbolen und Konventionen, die die spätere mathematische Kommunikation erleichterten. Seine Arbeiten wurden von zahlreichen Zeitgenossen gelesen, kommentiert und weiterentwickelt.

Tod und Vermächtnis

William Oughtred starb am 30. Juni 1660. Sein Name ist bis heute mit der Geschichte des Rechenschiebers und mit wichtigen typographischen Beiträgen zur Mathematik verbunden. Das von ihm popularisierte Recheninstrument blieb für Jahrhunderte ein zentrales Hilfsmittel, und seine Notationen sind bis heute in der mathematischen Praxis präsent.



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