Des‑Moll (D♭‑Moll) ist eine in der Praxis selten verwendete, oft als theoretische Tonart bezeichnete Molltonart, deren Grundton auf der Note D♭ liegt. Sie ist enharmonisch gleichbedeutend mit C♯‑Moll, wird aber in der Notation kaum direkt eingesetzt, weil sich dadurch sehr umständliche Vorzeichen ergeben würden.
Notation und Vorzeichen
Formal würde die natürliche Tonleiter von D♭‑Moll folgende Töne enthalten: D♭, E♭, F♭, G♭, A♭, B𝄫 (B Doppel‑♭) und C♭. Das bedeutet, dass die Tonart zwar formal mit den sieben bekannten Be‑Vorzeichen (B, E, A, D, G, C, F) notierbar wäre, in der Tonleiter aber zusätzlich ein doppelt erniedrigtes B (B𝄫) vorkommt. Weil ein Doppelt‑♭ nicht durch die übliche Schlüsselvorzeichnung abgedeckt wird, ist die praktische Notation umständlich und fehleranfällig.
Warum 'theoretische' Tonart?
Der Begriff theoretische Tonart bezieht sich darauf, dass die Tonart zwar theoretisch korrekt ist, in der praktischen Notation und im musikalischen Gebrauchsalltag aber unhandlich ist. Deshalb schreibt man Musik, die klanglich in Des‑Moll liegen würde, normalerweise enharmonisch als C♯‑Moll. Die enharmonische Umschreibung vermeidet Doppelt‑Vorzeichen und vereinfacht Vorzeichenbilder und Transpositionen.
Enharmonisches Äquivalent und Praxisbeispiele
Das enharmonische Gegenstück von D♭‑Moll ist C♯‑Moll. Während Komponisten und Herausgeber für analytische oder theoretische Zwecke gelegentlich die Schreibweise D♭‑Moll verwenden, bevorzugt die Notationspraxis meist C♯‑Moll.
Einige Komponisten zeigen in ihren Partituren, wie unterschiedlich dieselben klanglichen Regionen notiert werden können: Zum Beispiel erscheint ein thematisches Motiv Mahler's — das sogenannte „kleine Appell“ bzw. der „call to order“ — in der Symphonie Nr. 4 in Notationstechnisch in der Schreibweise mit D♭‑Bezug, in seiner Symphonie Nr. 5 hingegen als C♯‑Moll. Im Adagio seiner Symphonie Nr. 9 erscheint ein Solo‑Fagottthema zunächst in klanglicher Des‑Moll‑Färbung, wird bei späteren Wiederholungen aber als C♯‑Moll notiert. Auch das Adagio von Bruckners Sinfonie Nr. 8 enthält Phrasen, die klanglich in Des‑Moll stehen, die Notation wählte jedoch die enharmonische Schreibweise C♯‑Moll.
Praktische Konsequenzen
- Komponisten, Herausgeber und Dirigenten bevorzugen in der Regel die enharmonische Schreibweise C♯‑Moll, weil die Vorzeichen einfacher (vier Kreuze) und die Leseweise für Musiker klarer ist.
- In bestimmten analytischen, theoretischen oder historischen Kontexten wird die Schreibweise D♭‑Moll aber verwendet, um tonale Beziehungen oder Stimmführungen deutlicher zu machen.
- Wenn in einer Partitur einzelne Töne als Doppelt‑Vorzeichen auftauchen (z. B. B𝄫), sind besondere Vorsicht und eindeutige Vortragsangaben nötig, weshalb die Verwendung dieser Tonart in der Praxis selten ist.
Zusammenfassend: Des‑Moll ist eine legitime, aber in der Praxis unhandliche Tonart; deshalb weicht man in der Notation fast immer auf das enharmonische C♯‑Moll aus, außer wenn ein Komponist oder Herausgeber ausdrücklich die Schreibweise mit Des‑Bezugs aus analytischen oder historischen Gründen bevorzugt.
