Dis‑Moll (D♯‑Moll) ist eine Molltonart, die auf Dis (D♯) basiert. Die Tonart hat die Vorzeichnung von sechs Kreuzen: F♯, C♯, G♯, D♯, A♯ und E♯. In der harmonischen Molltonleiter wird die siebte Stufe (das Leittonzeichen) von C♯ auf Cdouble sharp (C𝄪) erhöht, was die Notation verhältnismäßig kompliziert macht.

Tonskalen (Beispiele)

  • Natürliches Moll: Dis – Eis – Fis – Gis – Ais – H – C♯ – Dis (Eis = E♯)
  • Harmonisches Moll: Dis – Eis – Fis – Gis – Ais – H – Cdouble sharp (C𝄪) – Dis
  • Melodisches Moll (aufsteigend): Dis – Eis – Fis – Gis – Ais – B (B♯) – Cdouble sharp (C𝄪) – Dis; absteigend wird meist die natürliche Mollform verwendet.

Beziehungen zu anderen Tonarten

Es‑Moll ist das enharmonische Äquivalent zu Dis‑Moll: beide klingen gleich, werden aber unterschiedlich notiert (Dis‑Moll mit sechs Kreuzen, Es‑Moll mit sechs Bes). Das relative Dur zu Dis‑Moll ist Fis‑Dur. Das parallele Dur wäre Dis‑Dur, das wegen seiner sehr unhandlichen Notation (viele Doppelkreuze) in der Praxis fast immer durch Es‑Dur ersetzt wird.

Notation, Praktikabilität und Instrumentierung

Wegen der vielen Vorzeichen und der gelegentlich nötigen Doppelkreuze gilt Dis‑Moll in der Notation als schwer lesbar. Das macht die Tonart in der klassischen Epoche und in Ensembles weniger beliebt; viele Komponisten bevorzugten das enharmonische Es‑Moll, das für viele Spieler (insbesondere Blech- und Holzbläser) leichter zu lesen ist.

Ein anschauliches Problem liefert die Harfe: Das B‑Pedal kann auf die Kreuz‑Position gestellt werden, aber für das C gibt es keine praktikable Doppelkreuz‑Pedalstellung, sodass die melodische Mollform mit Doppelkreuzen kaum realisierbar ist. In Buch I des Wohltemperierten Klaviers entschied sich Bach einmal dafür, das achte Präludium in es‑Moll zu schreiben, die dazugehörige Fuge jedoch in dis‑Moll; in Buch II sind sowohl Präludium als auch Fuge des achten Paars in dis‑Moll notiert.

Repertoire und Beispiele

Dis‑Moll kommt in der Orchestermusik relativ selten vor und ist häufiger in Klavierliteratur zu finden. Das wohl bekannteste Stück in dieser Tonart ist die Etüde op. 8 Nr. 12 von Skrjabin. Auch der russische Komponist Ljapunow schrieb mehrere Werke in dieser Tonart (unter anderem die zweite Etüde aus op. 11 und später die Variationen op. 49); sein frühes Klavierkonzert Nr. 1, op. 4, steht enharmonisch in Es‑Moll.

Notationspraxis bei Orchesterfassung und Transposition

Wenn Klaviermusik in Dis‑Moll für Orchester arrangiert wird, ist es oft praktischer, die ganze Partie in eine leichter lesbare Tonart zu transponieren. Manche Dirigenten und Arrangeure empfehlen zum Beispiel eine Umsetzung nach d‑Moll oder e‑Moll, je nach klanglicher Absicht und Besetzung. Bei der Notation für transponierende Blasinstrumente sollte man ebenfalls sorgfältig abwägen und gegebenenfalls die enharmonische Schreibweise wählen, die den Spielern die geringere Anzahl von Vorzeichen bzw. die vertrautere Tonart bietet. Wenn Dis‑Moll zwingend beibehalten werden muss, sollten Stimmen für in B‑Transposition spielende Bläser so gesetzt werden, dass die resultierende Schreibweise für die jeweiligen Instrumente praxisgerecht bleibt; in älteren Ausgaben findet man hierzu unterschiedliche Empfehlungen (z. B. Notation in F‑Moll statt in E‑Moll für bestimmte Setzungen), je nach Instrumentenstimmung und Üblichkeit.

In einigen Partituren werden alle sechs Vorzeichen im Bassschlüssel gesetzt (manchmal mit dem Dis als oberstem Kreuz ), was allerdings selten angewendet wird, weil dies vom Violinschlüssel abweicht und bei Spielern zu Verwirrung führen kann.

Zusammenfassung: Dis‑Moll ist theoretisch eine wohl etablierte Tonart mit sechs Vorzeichen, praktisch jedoch wegen der erforderlichen Doppelkreuze in bestimmten Skalenformen und der dadurch entstehenden Notationsschwierigkeiten weniger gebräuchlich als sein enharmonisches Pendant Es‑Moll. Besonders in der Klavierliteratur findet man reizvolle Beispiele; bei Ensembles und Orchestern werden wegen der Lesbarkeit häufig Transpositionen oder die enharmonische Umschreibung bevorzugt.