A♭ Dur oder As‑Dur ist eine Dur‑Tonleiter, die auf As beginnt. Das Vorzeichen von As‑Dur enthält vier Be♭: B♭, E♭, A♭ und D♭ (in deutscher Notation: B, Es, As, Des). Die Tonleiter lautet: As – B♭ – C – D♭ – E♭ – F – G – (As) (deutsche Notennamen: As – B – C – Des – Es – F – G – As).

Tonverwandtschaften

Das relative Moll zu As‑Dur ist f‑Moll; das parallele Moll ist as‑Moll. Als enharmonische Entsprechung gilt Gis‑Dur (G#‑Dur), die jedoch praktisch kaum verwendet wird, da sie eine ungünstige Notation mit vielen Kreuz‑ und Doppelkreuzvorzeichen erfordern würde.

Klangcharakter und Gebrauch

As‑Dur wird oft als warm, weich und lyrisch beschrieben. Die Tonart eignet sich besonders für gesangliche, intime oder innige Stücke und wird deshalb häufig für langsame Sätze, Romanzen und Klavierminiaturen gewählt. Charles‑Marie Widor hielt As‑Dur außerdem für eine sehr geeignete Tonart für Flötenmusik (Charles‑Marie Widor).

In der Orchesterpraxis des 18. und 19. Jahrhunderts konnte As‑Dur wegen der damals verwendeten handgestimmten Pauken technische Probleme bereiten: Für Sätze in As‑Dur wären andere Paukenstimmungen nötig als in c‑Moll oder anderen Tonarten, weshalb manche Werke Paukenstimmungen beibehielten oder umstimmten, je nach Aufführungspraxis und Komponistenwunsch. Ein bekanntes Beispiel ist der langsame Satz in As‑Dur der Sinfonie Nr. 5 von Beethoven, wo die Pauken im ersten Satz auf C und G stehen und für den zweiten Satz eine andere Stimmung verlangt wäre.

Harmonik und häufige Modulationen

  • Wichtige Akkorde: I = As, IV = Des, V = Es; in Mollbezügen häufig f‑Moll als parallele/relative Mollfarbe.
  • Häufige Modulationen gehen zur Dominante Es‑Dur, zur Subdominante Des‑Dur oder in die parallele bzw. relative Molltonart.
  • As‑Dur wird oft für expressive Wechsel zwischen großer Geste und intimem Ausdruck genutzt; deshalb begegnet man ihr gern in langsamen Sätzen großer Symphonien und in romantischen Klavierwerken.

Berühmte Werke und Beispiele

Viele Komponisten haben As‑Dur bewusst für bestimmte Stimmungen gewählt:

  • Franz Schubert verwendete As‑Dur mehrfach für lyrische und innige Stücke.
  • Vierundzwanzig Klavierstücke von Frédéric Chopin stehen in As‑Dur – mehr als in jeder anderen Tonart – weshalb As‑Dur oft mit Chopins besonders gesanglicher Klavierweise in Verbindung gebracht wird.
  • Beethoven wählte As‑Dur als Tonart für die langsamen Sätze vieler seiner Werke in c‑Moll. Auch Antonín Dvořák (in seiner einzigen c‑Moll‑Sinfonie) und Anton Bruckner (in seinen frühen c‑Moll‑Sinfonien) nutzten As‑Dur in genau dieser Funktion.
  • Edward Elgars Sinfonie Nr. 1 ist vermutlich die bekannteste vollständige Sinfonie in As‑Dur; auch Arnold Bax' letzte Sinfonie steht in As‑Dur.
  • Domenico Scarlatti verwendete As‑Dur in einigen seiner Klaviersonaten, wenn auch nur selten.
  • Felix Mendelssohn und John Field (Anmerkung: im Originaltext als beide genannt) schrieben jeweils Klavierkonzerte in As‑Dur.

As‑Dur tritt sowohl in der Kammer‑ und Klavierliteratur als auch in Orchesterwerken auf und wird besonders für seine liederhaften, warmen Klangfarben geschätzt.

Praktische Hinweise

  • Für Spieler: Das Vorzeichen mit vier Be♭ verlangt Aufmerksamkeit bei schnellen Tonartwechseln, ist aber am Klavier gut handhabbar und wirkt sehr resonant auf Saiteninstrumenten und Holzbläser.
  • Notationshinweis: In modernen Ausgaben wird Gis‑Dur als enharmonische Alternative nur in sehr speziellen Fällen benutzt; As‑Dur bleibt die praktikable Wahl.