In der Musiktheorie bezeichnet man als theoretische Tonarten (auch: unmögliche Tonarten) solche Tonarten mit Tonartvorzeichen, die mindestens ein Doppelflat oder ein Doppelkreuz enthalten. Solche Doppelvorzeichen (♭♭ bzw. ♯♯ oder als Symbol 𝄫 und ×) würden auftreten, sobald man über die üblichen sieben Vorzeichen hinausgeht.

Double-flats und Double-sharps werden in der Notation verwendet, doch erscheinen sie selten als Teil einer Tonartvorzeichnung in moderner, gleichschwebend gestimmter Musik. Der Grund ist praktisch: Tonartvorzeichen mit Doppelvorzeichen machen das Lesen und Erfassen eines Stücks unnötig kompliziert. Stattdessen schreibt man normalerweise die enharmonisch äquivalente Tonart, die ohne Doppelvorzeichen auskommt.

Beispiel und Begriffserklärung

Zum Beispiel wird die Tonart G♯-Dur selten als Vorzeichnung verwendet, weil ihre Tonart ein F hatdouble sharp. Die gleichschwebende Dur-Tonleiter von G♯ hat genau dieselben klingenden Töne wie die Tonleiter von A♭-Dur; solche Paare nennt man enharmonisch äquivalent. Deshalb wird Musik in der Praxis meistens in A♭-Dur notiert, nicht in G♯-Dur.

Weitere Hinweise und Beispiele

  • Enharmonische Entsprechungen treten sowohl bei Dur- als auch bei Molltonarten auf. Eine Tonart, die theoretisch Doppelvorzeichen bräuchte (z. B. theoretisches D♭‑Moll), wird in der Praxis meist als ihre enharmonische Alternative (hier C♯‑Moll) geschrieben.
  • Viele gängige Paare sind bekannt: F♯-Dur ↔ G♭-Dur, C♯-Dur ↔ D♭-Dur, G♯-Dur ↔ A♭-Dur usw. Bei einigen dieser Paare ist eine Schreibweise deutlicher und praktikabler als die andere.
  • In speziellen Situationen — historische Temperierungen, analytische Zwecke, bestimmte modulatorische Schreibweisen oder in zeitgenössischer Notation — können Doppelvorzeichen bewusst eingesetzt werden, weil sie die korrekte Stimmführung oder harmonische Funktion besser wiedergeben. Das heißt: enharmonische Gleichheit bedeutet nicht zwangsläufig harmonische Gleichheit.

Was bewirken Doppelflat und Doppelkreuz?

Ein Doppelkreuz erhöht einen Ton um zwei Halbtonschritte (ein Ganzton), ein Doppelflat erniedrigt ihn entsprechend um zwei Halbtonschritte. Sie werden also verwendet, wenn die gewünschte Stufe um einen ganzen Ton gegenüber der enharmonisch einfachen Schreibweise transponiert werden muss, oder um die klassische Stimmführung in einer Sekunde/Quarte/Quinte logisch zu erhalten.

Zusammengefasst: Theoretische Tonarten mit Doppelvorzeichen sind in der reinen Theorie und bei speziellen Problemen nützlich, in der praktischen Notation aber meist durch enharmonische Alternativen ohne Doppelsymbole ersetzt, um Lesbarkeit und Handhabung zu erleichtern.