Gibraltar ist ein überseeisches Territorium des Vereinigten Königreichs. Das bedeutet, dass es dem britischen König bzw. der britischen Königin untersteht und den Schutz der britischen Streitkräfte genießt. Gibraltar liegt im Südwesten Europas an der Grenze zwischen Atlantik und Mittelmeer und kontrolliert die Straße von Gibraltar, die hier auf nur rund 14 Kilometer (9 Meilen) verengt ist. Auf einer Fläche von nur etwa 6,7 km² leben rund 32.000 Menschen, die als Gibraltarer bezeichnet werden.

Lage und Geografie

Das Territorium besteht überwiegend aus dem markanten Kalksteinfelsen, dem The Rock of Gibraltar, der bis zu 426 Meter hoch ist und weithin sichtbar aus dem Meer ragt. Der Felsen bildet den größten Teil des Naturraums und ist von steilen Klippen an den Ost- und Südseiten geprägt. Das Klima ist mediterran mit milden, feuchten Wintern und heißen, trockenen Sommern.

Geschichte

Gibraltar hat eine lange strategische Bedeutung, weil von hier aus die Schifffahrt zwischen Atlantik und Mittelmeer überwacht werden kann. Seit dem frühen 18. Jahrhundert ist Gibraltar unter britischer Kontrolle: Im Frieden von Utrecht 1713 wurde Gibraltar formell an Großbritannien abgetreten. Spanien hat seitdem Anspruch auf das Gebiet erhoben und es kam immer wieder zu diplomatischen Spannungen. Gibraltar spielte mehrfach eine wichtige Rolle in militärischen Konflikten, etwa während der Großen Belagerung (1779–1783) und im Zweiten Weltkrieg, als der Felsen als wichtiger Marinestützpunkt und Versorgungspunkt diente.

Politischer Status und Verwaltung

Gibraltar ist kein Teil des Vereinigten Königreichs im engeren Sinne, sondern ein selbstverwaltetes Überseegebiet mit eigener Legislative (einem Parlament) und einer eigenen Regierung. Der britische Monarch ist Staatsoberhaupt und wird durch einen Gouverneur vertreten. Innenpolitisch hat Gibraltar weitgehende Autonomie; internationale Zuständigkeiten, Verteidigung und Außenpolitik liegen in der Verantwortung Großbritanniens.

Bevölkerung, Sprache und Kultur

Die Einwohner Gibraltars sind überwiegend britisch geprägt, aber kulturell stark vom spanischen Umfeld beeinflusst. Amtssprache ist Englisch; im Alltag sind viele Menschen jedoch zweisprachig und sprechen auch Spanisch. Eine lokale Umgangssprache ist das sogenannte „Llanito“, ein Mix aus Englisch, Spanisch und Wörtern aus anderen mediterranen Sprachen. Die Gesellschaft ist multiethnisch mit britischen, spanischen, italienischen und nordafrikanischen Wurzeln.

Wirtschaft und Verkehr

Die Wirtschaft Gibraltars stützt sich vor allem auf Finanzdienstleistungen, Tourismus, den Seehandel und Dienstleistungen wie Online- und Gaming-Unternehmen. Gibraltar ist außerdem als steuerlich vorteilhafter Standort sowie durch zollfreie Einkäufe beliebt.

Verkehrstechnisch ist Gibraltar ungewöhnlich: Die einzige Landverbindung zu Spanien verläuft über eine Grenze bei La Línea de la Concepción. Die kurze Start- und Landebahn des Flughafens verläuft quer über die Hauptstraße, die beim Flugbetrieb kurzzeitig für den Verkehr gesperrt wird. Durch den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU (Brexit, 2020) gab es Änderungen bei Grenz- und Zollkontrollen, die den Grenzverkehr und den Arbeitsalltag vieler Pendler beeinflusst haben.

Sehenswürdigkeiten, Natur und Tierwelt

Der The Rock of Gibraltar ist die bekannteste Attraktion. Auf dem Felsen befinden sich unter anderem:

  • das Upper Rock Nature Reserve mit Wanderwegen und Aussichtspunkten,
  • die Berberaffen, eine Population schwanzloser Makaken, die die einzigen wild lebenden Affen in Europa sind,
  • die St. Michael’s Cave, eine beeindruckende Tropfsteinhöhle,
  • die Great Siege Tunnels und weitere historische Befestigungsanlagen.

Die Natur auf dem Felsen wird geschützt; gleichzeitig ist Gibraltar ein beliebtes Ziel für Tagesausflügler und Kreuzfahrttouristen, die die Aussicht, die Tierwelt und das historische Erbe besuchen möchten.

Praktische Hinweise

Gibraltar verwendet das Gibraltar-Pfund (GIP), das in der Regel zum britischen Pfund paritätisch ist; britische Pfund werden ebenfalls akzeptiert. Wegen der Nähe zu Spanien sind Grenzformalitäten und Reisebestimmungen für Besucher zu beachten, vor allem seit dem Brexit. Besucher sollten außerdem auf die wilden Makaken achten: Füttern wird nicht empfohlen, da die Tiere an menschliche Nahrung gewöhnt werden und gelegentlich Gegenstände an sich nehmen.