Lichtkurve (Astronomie): Helligkeit, Typen, Definition und Beispiele
Lichtkurve (Astronomie): Was Helligkeit, Typen (periodisch/aperiodisch) und Beispiele wie Cepheiden, Supernovae und Mikrolinsen verraten – verständlich erklärt.
In der Astronomie ist eine Lichtkurve ein Graph, der die Helligkeit des Lichts von einem Himmelsobjekt oder einer Himmelsregion über eine bestimmte Zeitspanne anzeigt. Das Licht befindet sich gewöhnlich in einem bestimmten Frequenzintervall oder -band. Lichtkurven können periodisch sein, d.h. sie wiederholen sich in einem regelmäßigen Muster. Beispiele sind Bedeckungsveränderliche und Cepheiden-Variablen. Lichtkurven können auch aperiodisch sein, d.h. sie sind unregelmäßig ohne Muster. Beispiele sind die Lichtkurve einer Nova, eines kataklysmisch veränderlichen Sterns, einer Supernova oder eines Mikrolinsenereignisses. Die Untersuchung der Lichtkurve kann, zusammen mit anderen Beobachtungen, viele Informationen über den physikalischen Prozess, der sie erzeugt, liefern oder die physikalischen Theorien darüber einschränken.
Was genau misst eine Lichtkurve?
Eine Lichtkurve zeigt die Helligkeit gegen die Zeit. Helligkeit kann entweder in physikalischen Einheiten (Flux, z. B. Jansky oder erg s−1 cm−2) oder in astronomischen Größen wie der Magnitude angegeben werden. Wichtig zu beachten ist, dass die Magnitudeskala logarithmisch ist und kleinere Zahlen hellere Objekte bedeuten. Bei Magnitudenplots wird deshalb die vertikale Achse oft invertiert, damit Helligkeitsanstiege nach oben erscheinen.
Typen von Lichtkurven und typische Beispiele
- Periodische Lichtkurven: wiederkehrende Muster. Beispiele:
- Bedeckungsveränderliche (Eclipsing Binaries): regelmäßige Täler durch Sternbedeckung; liefern Informationen über Bahnelemente, Radien und Neigungen.
- Cepheiden-Variablen: Pulsationssterne mit gut definierter Perioden-Leuchtkraft-Relation (Perioden-Leuchtkraft-Beziehung), wichtig für Entfernungsbestimmungen.
- Rotationsveränderliche: Helligkeitsänderungen durch Flecken oder asynchron verteilte Oberflächenmerkmale.
- Aperiodische und eruptive Lichtkurven:
- Nova und kataklysmische Veränderliche: plötzliche Helligkeitsanstiege und langsamer Abfall.
- Supernova: charakteristische Anstiegs- und Abfallkurven, die zur Klassifikation (z. B. Typ Ia, II) herangezogen werden und Hinweise auf Progenitoren liefern.
- Mikrolinsenereignisse: oft symmetrische Helligkeitskurven (Paczynski-Funktion), genutzt zur Massenschätzung einzelner Objekte und zur Entdeckung entfernter Planeten.
- Exoplanetentransits: sehr flache, periodische Dips in der Lichtkurve, aus denen Planetenradius, Bahndauer und manchmal Atmosphäreneigenschaften abgeleitet werden können.
Wie werden Lichtkurven erstellt und analysiert?
- Beobachtung: Messungen werden in einem oder mehreren Photometriebändern (Filter) aufgenommen. Die zeitliche Abdeckung (Baseline) und die Abtastrate (Cadence) bestimmen, welche Perioden und Ereignisse detektiert werden können.
- Kalibrierung: Rohdaten müssen für Dunkelstrom, Flats und atmosphärische Extinktion korrigiert werden; Referenzsterne werden zur relativen Photometrie verwendet.
- Detektion und Periodensuche: Verfahren wie Fourier-Transformation, Lomb–Scargle-Periodogramm oder Box-Least-Squares (BLS) werden verwendet, um Perioden zu finden. Für nichtperiodische Ereignisse werden Modellanpassungen oder maschinelles Lernen eingesetzt.
- Phase-Folding: Bei periodischen Signalen werden Messungen phasenfaltend dargestellt, um das wiederkehrende Muster besser sichtbar zu machen.
- Modellierung: Lichtkurven werden mit physikalischen Modellen (z. B. Sternoberflächenmodellen, Transit- oder Supernova-Lichtkurvenmodellen) gefittet, um Parameter wie Radien, Massen, Absorption oder Anstiegs-/Abfallzeiten zu schätzen.
Physikalische Schlussfolgerungen aus Lichtkurven
Aus der Form, Amplitude, Dauer und Farbe einer Lichtkurve lassen sich viele physikalische Eigenschaften ableiten:
- Perioden und damit oft Massen- oder Dichteangaben (z. B. bei Pulsatoren).
- Radien, Bahndimensionen und Neigungen bei Binaries und Transits.
- Entfernungen über perioden-leuchtkraft-beziehungen (z. B. Cepheiden) oder Lichtkurvenmuster von Supernovae (Typ Ia als Standardkerze).
- Energetik und Nukleosynthese-Aussagen aus Supernova-Lichtkurven und Spektren.
- Massenschätzungen bei Mikrolinsenereignissen.
Praktische Probleme und Systematiken
- Atmosphärische Störungen, Wolken, Seeing und Luftmasse verändern gemessene Helligkeiten.
- Instrumentelle Effekte: Detektorrauschen, nichtlineares Verhalten, Sättigung und Feldüberlagerung (Blending) können die Form verfälschen.
- Unregelmäßige Abtastung und Lücken in der Zeitreihe erschweren Periodensuche und Modellierung.
- Mehrfarbige (multiband) Lichtkurven sind wichtig, um Temperaturschwankungen oder Extinktionsänderungen zu erkennen.
Große Untersuchungsprogramme und praktische Anwendungen
- Durch große Zeitreihe-Untersuchungen wie Kepler, TESS, OGLE, ASAS-SN oder ZTF wurden Millionen von Lichtkurven geliefert und zahlreiche veränderliche Sterne, Exoplaneten und Transienten entdeckt.
- Lichtkurven werden in der Kosmologie (Entfernungsbestimmungen), Stellarphysik (Innere Struktur, Akkretion), Exoplanetenforschung und im Studium explodierender Objekte eingesetzt.
Zusammenfassend sind Lichtkurven eines der zentralen Werkzeuge in der Astronomie: Sie liefern zeitaufgelöste Informationen über astrophysikalische Prozesse, ermöglichen die Klassifikation von Objekten und erlauben quantitative Bestimmungen physikalischer Größen, sofern Beobachtung, Kalibrierung und Analyse sorgfältig durchgeführt werden.

Lichtkurve des Asteroiden 201 Penelope, basierend auf Bildern, die am 6. Oktober 2006 am Mount John University Observatory aufgenommen wurden. Zeigt etwas mehr als eine volle Umdrehung, die 3,7474 Stunden dauert.
Planetologie
Bei der Untersuchung von Planeten (Planetologie) kann eine Lichtkurve verwendet werden, um die Rotationsperiode eines kleinen Planeten, Mondes oder Kometenkerns zu berechnen. Von der Erde aus sind viele Objekte so klein, dass selbst die leistungsfähigsten Teleskope nicht in der Lage sind, Objekte klar zu sehen. Aus diesem Grund messen Astronomen die Lichtmenge, die das Objekt über einen bestimmten Zeitraum erzeugt, seine Lichtkurve. Die Zeit zwischen den Spitzen auf dem Diagramm gibt die Rotationsperiode des Objekts an. Der Unterschied zwischen der maximalen und minimalen Helligkeit, die Amplitude der Lichtkurve, kann entweder durch die Form des Objekts oder durch helle und dunkle Bereiche auf der Oberfläche verursacht werden. Beispielsweise weist die Lichtkurve eines Asteroiden mit ungerader Form im Allgemeinen ausgeprägtere Spitzen auf, während die Lichtkurve eines kugelförmigeren Objekts flacher ist. Wenn die Lichtkurve eine lange Zeitspanne abdeckt, spricht man von einer säkularen Lichtkurve.
Botanik
In der Botanik zeigt eine Lichtkurve die photosynthetische Reaktion eines Blattes oder einer Alge auf die Helligkeit eines Lichtes. Die Form der Kurve zeigt das Prinzip der limitierenden Faktoren. Bei schwachem Licht wird die Geschwindigkeit der Photosynthese durch die Menge an Chlorophyll und die Effizienz der lichtabhängigen Reaktionen begrenzt. Bei höheren Lichtwerten wird sie durch die Effizienz von RuBisCO (ein Enzym) und die Menge an Kohlendioxid begrenzt. Der Punkt auf der Grafik, an dem sich diese beiden unterschiedlichen Linien treffen, wird als Lichtsättigungspunkt bezeichnet. An diesem Punkt bilden die lichtabhängigen Reaktionen mehr ATP und NADPH, als von den lichtunabhängigen Reaktionen genutzt werden können. Da die Photosynthese auch durch den Kohlendioxidgehalt der Umgebung begrenzt wird, werden Lichtkurven oft bei mehreren verschiedenen konstanten Kohlendioxidkonzentrationen wiederholt.
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