Marie Carmichael Stopes (Edinburgh, 15. Oktober 1880 - Dorking, 2. Oktober 1958) war eine britische Paläobotanikerin, Autorin und Kämpferin für Geburtenkontrolle.

Stopes' Newsletter Birth Control News, ihr Buch Married Love und ihre Organisation Marie Stopes International waren in Großbritannien und im gesamten Britischen Empire von enormer Bedeutung. Sie war die Begründerin der britischen Familienplanung und lieferte sich im Druck viele Schlachten mit denjenigen, deren Meinungen von ihren Ansichten abwichen.

Werdegang und wissenschaftliche Arbeit

Marie Stopes studierte Naturwissenschaften und spezialisierte sich auf Pflanzenkunde und Paläobotanik. Sie verfasste mehrere wissenschaftliche Arbeiten zu fossilen Pflanzen, Sporen und zur Struktur pflanzlicher Gewebe. In ihrer frühen Laufbahn erwarb sie sich einen Ruf als ernstzunehmende Forscherin auf dem Gebiet der Paläobotanik und trug mit Publikationen und Vorträgen zur Kenntnis prähistorischer Pflanzen bei.

Engagement für Geburtenkontrolle und öffentliche Kontroversen

Ab den 1910er und besonders ab den 1920er Jahren wandte Stopes ihren Schwerpunkt der Wissenschaft immer stärker der Sexualaufklärung und Praxis der Geburtenkontrolle zu. Ihr Buch Married Love (erschienen im Jahr 1918) behandelte offen Fragen der Ehe, Sexualität und partnerschaftlichen Liebe und löste breite öffentliche Debatten sowie Empörung bei konservativen Kreisen aus. Durch populärwissenschaftliche Texte, Vorträge und den Birth Control News-Newsletter erreichte sie ein großes Publikum und trug wesentlich dazu bei, das Thema Familienplanung in die öffentliche Diskussion zu bringen.

1921 eröffnete Stopes in London eine der ersten Kliniken in Großbritannien, die sich gezielt mit Geburtenkontrolle und Beratung beschäftigte. Diese Einrichtung war Vorbild für weitere Beratungsstellen und bildete die Grundlage für die späteren, international wirkenden Initiativen, die ihren Namen tragen.

Persönliches und umstrittenes Erbe

Stopes war zeit ihres Lebens eine öffentlichkeitswirksame Persönlichkeit. Ihr persönliches Leben – unter anderem eine Ehe und das Fehlen eigener Kinder – sowie die offen geführten Debatten um ihre Schriften machten sie zu einer umstrittenen Figur. Kritiker und Historiker weisen darauf hin, dass Stopes auch eugenische Ansichten vertrat, wie sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts in vielen intellektuellen Kreisen verbreitet waren. Diese Aspekte ihrer Haltung werden heute stark kritisiert und haben die Bewertung ihres Vermächtnisses komplexer gemacht.

Nachwirkung

Die von ihr initiierten Beratungsangebote und die öffentliche Auseinandersetzung mit Sexualität und Verhütung trugen nachhaltig zur Entwicklung der Familienplanung in Großbritannien und international bei. Aus ihrer Arbeit gingen Einrichtungen und Netzwerke hervor, die später unter dem Namen Marie Stopes International bekannt wurden und weltweit Beratung, Verhütungsmittel und reproduktive Gesundheitsdienste anbieten. Zugleich bleibt die Erinnerung an Marie Stopes ambivalent: ihr Beitrag zur öffentlichen Gesundheitsversorgung und Sexualaufklärung wird anerkannt, während ihre eugenischen Positionen und einige ihrer politischen Vorstellungen kritisch hinterfragt werden.

Marie Stopes starb 1958 in Dorking. Ihre Lebensleistung wird bis heute sowohl als historisch bedeutsam für die Familienplanung gewürdigt als auch im Licht moderner ethischer Maßstäbe kritisch diskutiert.