Überseefrankreich (französisch: France d'outre-mer) bezeichnet den Teil Frankreichs, der außerhalb des europäischen Kontinents liegt. Es umfasst alle überseeischen Departements, Gebiete und Kollektiven Frankreichs. Diese Gebiete haben unterschiedliche rechtliche Status und verschieden hohe Autonomiestufen. Zu Übersee-Frankreich gehören Inseln und Territorien im Atlantik, im Pazifik und im Indischen Ozean, außerdem Französisch-Guayana in Südamerika und das Adélie Land in der Antarktis. Jedes bewohnte Territorium ist sowohl in der französischen Nationalversammlung als auch im französischen Senat (die zusammen das französische Parlament bilden) vertreten.

Rechtliche Kategorien und Status

  • Départements et régions d'outre-mer (DROM): Vollintegrierte Gebiete, die dieselben Institutionen wie französische Départements und Regionen besitzen. Beispiele sind Guadeloupe, Martinique, Französisch-Guayana, Réunion und Mayotte. DROM sind Teil der Europäischen Union und verwenden in der Regel den Euro.
  • Collectivités d'outre-mer (COM): Gebietskörperschaften mit unterschiedlichem Ausmaß an Autonomie. Sie haben eigene gesetzliche Regelungen, die sich vom französischen Recht in gewissen Bereichen unterscheiden können. Beispiele sind Saint-Pierre-et-Miquelon, Saint-Barthélemy und Saint-Martin sowie Französisch-Polynesien.
  • Neukaledonien (Nouvelle-Calédonie): Besitzt einen besonderen, sui generis-Status mit weitreichender Selbstverwaltung und eigenen Institutionen; es ist kein DROM/COM im üblichen Sinne.
  • Terres australes et antarctiques françaises (TAAF): Umfasst mehrere weitgehend unbewohnte Gebiete (z. B. die Kerguelen-Inseln und das Adélie Land). Diese Gebiete dienen vor allem wissenschaftlichen und administrativen Zwecken. Ansprüche in der Antarktis unterliegen dem Antarctic Treaty System.

Regionen und Beispiele

Die wichtigsten und bekanntesten überseeischen Territorien Frankreichs sind:

  • Im Atlantik und Karibik: Guadeloupe, Martinique, Saint-Barthélemy, Saint-Martin, Saint-Pierre-et-Miquelon
  • Südamerika: Französisch-Guayana (an der Nordküste Südamerikas)
  • Indischer Ozean: Réunion, Mayotte
  • Pazifik: Französisch-Polynesien, Neukaledonien, Wallis und Futuna
  • Antarktis und subantarktische Gebiete: Adélie Land und die Gebiete der TAAF

Politische Vertretung und Beziehungen zur EU

Bewohnte überseeische Gebiete entsenden Abgeordnete in die französische Nationalversammlung und Senatoren in den französischen Senat. Der EU-Status variiert: DROM gelten als Teil der Europäischen Union (sie werden oft auch als „äußere Regionen der EU“ bzw. outermost regions bezeichnet), während einige COM und die TAAF als Überseeische Länder und Gebiete (OCT) einen Sonderstatus gegenüber der EU haben.

Wirtschaft, Währung und Bevölkerung

Wirtschaftlich sind die überseeischen Gebiete sehr unterschiedlich: Einige Regionen stützen sich auf Landwirtschaft (z. B. Zuckerrohr, Bananen), Fischerei, Bergbau (in Neukaledonien) oder den Tourismus. In den meisten DROM wird der Euro als Währung verwendet; in mehreren Pazifikgebieten (Französisch-Polynesien, Neukaledonien, Wallis und Futuna) sowie noch in einigen anderen Überseegebieten gilt der CFP-Franc (XPF).

Im Januar 2011 lebten 2.685.705 Menschen in den überseeischen Departements und Gebieten. Die Bevölkerungszahlen ändern sich weiterhin durch Geburtenraten, Migration und administrative Änderungen (z. B. die endgültige Departmentalisierung Mayottes im Jahr 2011).

Besondere Hinweise

  • Viele überseeische Gebiete haben eine eigene kulturelle Identität, Sprache(n) und Traditionen, die sich von Métropole-Frankreich unterscheiden.
  • Der rechtliche und politische Status einzelner Gebiete kann sich im Laufe der Zeit durch Referenden oder Gesetzesreformen ändern (z. B. Neugliederungen 2007 und spätere Anpassungen).
  • Adélie Land und andere antarktische Gebiete unterliegen internationalen Absprachen (Antarktisvertrag), wodurch territoriale Ansprüche praktisch ausgesetzt sind.