Französisch-Guayana (Französisch: Guyana) ist ein überseeisches Departement und eine Region Frankreichs an der nordatlantischen Küste Südamerikas. Gemessen an der Landfläche ist es die zweitgrößte Region Frankreichs und das größte überseeische Departement Frankreichs und der Europäischen Union.
Seine Präfektur und größte Stadt ist Cayenne.
Geographie
Französisch-Guayana bedeckt eine Fläche von etwa 83.534 km² und liegt im Nordosten Südamerikas zwischen Suriname (im Westen) und Brasilien (im Osten). Die Grenze zu Suriname verläuft weitgehend entlang des Flusses Maroni, die Grenze zu Brasilien entlang des Oyapock. Die Küstenregion ist dünn besiedelt und konzentriert die meisten Städte; das Innere besteht überwiegend aus tropischem Regenwald, Flüssen und nur wenigen Straßen.
Bevölkerung und Sprachen
Französisch-Guayana hat rund 300.000 Einwohner (starkes demografisches Wachstum). Die Bevölkerung ist ethnisch und kulturell sehr vielfältig: Europäischstämmige, Franzosen aus dem Mutterland, kreolische Bevölkerungsgruppen, Maroons (Nachfahren entflohener Sklaven), verschiedene indigene Völker (z. B. Arawak, Kariben), Einwanderer aus Brasilien sowie Gruppen aus Asien, darunter eine bedeutende Hmong-Gemeinschaft.
Amtssprache ist Französisch. Daneben werden zahlreiche lokale Sprachen gesprochen, darunter guayanisches Kreolisch, mehrere maroon-sprachen und indigene Sprachen sowie Portugiesisch in den Grenzregionen.
Geschichte
Das Gebiet war ursprünglich von indigenen Völkern bewohnt. Europäische Kolonisierung und französische Präsenz begannen im 17. Jahrhundert. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert war Französisch-Guayana für sein Strafkolonie-System bekannt, zu dem auch die berüchtigten Îles du Salut (u. a. Devil’s Island) gehörten; diese Einrichtungen existierten bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts. 1946 erhielt Französisch-Guayana den Status eines französischen Départements. Seitdem sind die Menschen dort französische Staatsbürger mit den damit verbundenen Rechten.
Politik und Verwaltung
Französisch-Guayana ist ein Teil der Französischen Republik und gehört zur Europäischen Union als sogenanntes Übersee-Departement und Übersee-Region. Die Währung ist der Euro, die Bewohner sind EU-Bürger. Seit dem 1. Januar 2016 wurden die bisherigen regionalen und departementalen Strukturen zu einer einzigen Gebietskörperschaft, der Collectivité territoriale de Guyane, zusammengeführt, die viele Kompetenzen der lokalen Verwaltung bündelt. Der oberste Vertreter des Staates ist der von Paris ernannte Präfekt.
Wirtschaft
Die Wirtschaft wird stark vom öffentlichen Sektor geprägt. Ein wichtiges Wirtschaftszentrum ist das Guayana-Raumfahrtzentrum (Centre spatial guyanais) bei Kourou, das seit den 1960er-Jahren als Raumfahrtstartplatz für die europäische Raumfahrtbehörde eine zentrale Rolle spielt und viele Arbeitsplätze schafft. Weitere Wirtschaftszweige sind Fischerei, begrenzte Landwirtschaft, Holzgewinnung und Bergbau; in der Praxis spielt der Goldbergbau, auch illegaler Abbau, eine bedeutende Rolle mit ökologischen und sozialen Folgen. Der Tourismus konzentriert sich auf Natur- und Ökotourismus.
Umwelt und Naturschutz
Der Großteil des Territoriums besteht aus tropischem Regenwald mit hoher biologischer Vielfalt. Ein großer Teil des Landes steht unter Schutz; das Parc amazonien de Guyane (gegründet 2007) ist eines der größten Schutzgebiete Frankreichs und schützt riesige Flächen intakter Regenwälder. Die Region ist wichtig für Klima- und Biodiversitätsschutz, steht jedoch durch illegale Goldsuche, Entwaldung und Umweltverschmutzung vor Herausforderungen.
Infrastruktur und Verkehr
Die Infrastruktur ist an der Küste dichter, während das Binnenland nur wenig erschlossen ist. Wichtige Städte an der Küste sind Cayenne, Saint-Laurent-du-Maroni, Kourou und Matoury. Der internationale Flughafen Cayenne – Félix Eboué verbindet die Region mit Frankreich und Nachbarländern. Eine Straßenverbindung nach Brasilien (Oyapock-Brücke) wurde in den 2010er-Jahren fertiggestellt; zu Suriname bestehen hauptsächlich Flussverbindungen und Fährverbindungen.
Kultur
Die Kultur Französisch-Guayanas ist durch die Mischung von europäischen, kreolischen, maroon- und indigenen Traditionen geprägt. Dies spiegelt sich in Sprache, Musik, Festen und Küche wider. Typische Speisen verwenden lokale Produkte wie Fisch, Maniok und tropische Früchte; Gewürze und Aromen der karibischen und südamerikanischen Küche sind präsent.
Besondere Hinweise
- Zeitzone: UTC−3.
- Währung: Euro (EUR).
- EU-Status: Übersee-Departement und -Region; EU-Recht gilt mit einigen Ausnahmen für die speziellen Bedingungen der Region.
Französisch-Guayana verbindet die Verwaltungs- und Rechtsstrukturen Frankreichs mit einer außergewöhnlichen natürlichen Umwelt und einer vielfältigen Gesellschaft. Die Region spielt wegen ihrer strategischen Lage für die Raumfahrt, ihrer ökologischen Bedeutung und ihrer kulturellen Vielfalt eine besondere Rolle in Frankreich und Südamerika.


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