Ein Lungenödem (im britischen Englisch: pulmonales Ödem) ist Flüssigkeit in der Lunge ("Pulmonal" bedeutet "Lunge"; "Ödem" bedeutet "Schwellung" oder "Flüssigkeit"). Normalerweise füllen sich die Lungen mit Luft, wenn eine Person einatmet. Von den Lungenbläschen in der Lunge gelangt Sauerstoff in das Blut. Das Blut transportiert den Sauerstoff dann in den gesamten Körper. Jeder Teil des Körpers braucht Sauerstoff zum Überleben.

Wenn eine Person Flüssigkeit in der Lunge hat (Lungenödem), bleibt nicht genug Platz, damit Luft in die Lunge gelangen kann. Die Person kann dann nicht mehr so viel Luft einatmen. Das bedeutet, dass nicht so viel Sauerstoff ins Blut gelangt, und der Körper erhält nicht den Sauerstoff, den er benötigt.

Ursachen

Ein Lungenödem entsteht, wenn sich Flüssigkeit aus den Blutgefäßen in das Gewebe und die Lufträume der Lunge verlagert. Man unterscheidet zwei große Gruppen von Ursachen:

  • kardiogenes Lungenödem: Ursache ist ein erhöhtes Druckverhältnis in den Lungengefäßen infolge einer Herzschwäche (z. B. Herzinsuffizienz, Herzinfarkt, schwere Herzklappenerkrankungen). Das linke Herz kann das Blut nicht ausreichend weiterpumpen, wodurch der Druck in den Lungenvenen steigt und Flüssigkeit austritt.
  • nicht-kardiogenes Lungenödem: entsteht durch erhöhte Gefäßdurchlässigkeit oder Schädigung der Lungengefäße, z. B. bei schwerer Infektion/Sepsis, akutem Atemnotsyndrom (ARDS), Inhalation toxischer Gase, Trauma, Transfusionen (TRALI), Nierenversagen oder Höhenaufenthalt (Höhenlungenödem).

Symptome

Die Beschwerden können plötzlich (akut) oder schleichend auftreten. Häufige Beschwerden sind:

  • Atemnot, zunächst bei Belastung, später auch in Ruhe
  • Orthopnoe (verstärkte Atemnot beim Liegen), Betroffene sitzen oft aufrecht
  • nächtliche Atemnot/aufwachende Atemnot (paroxysmale nächtliche Dyspnoe)
  • Husten, manchmal mit schaumigem, rosa-gefärbtem Auswurf
  • Rasselgeräusche (Fein- oder Grobblasen) beim Abhören der Lunge
  • Schneller Herzschlag, Schwitzen, Blässe oder bläuliche Verfärbung von Lippen/Fingern bei starkem Sauerstoffmangel
  • Müdigkeit, Verwirrtheit bei starkem Sauerstoffmangel

Diagnose

Die Diagnose stützt sich auf Anamnese, körperliche Untersuchung und ergänzende Tests:

  • Auskultation: typische feuchte Rasselgeräusche
  • Röntgen-Thorax: zeigt meist Flüssigkeitsansammlungen, Lungenstauung oder bipulmonale Verschattungen
  • Pulsoximetrie und arterielle Blutgasanalyse zur Bestimmung der Sauerstoffsättigung
  • Blutwerte: BNP/NT-proBNP helfen, kardiale Ursachen (Herzinsuffizienz) zu erkennen
  • Echokardiographie (Herzultraschall): beurteilt Pumpfunktion und mögliche Klappenerkrankungen
  • EKG, Labor (Infektionszeichen, Nierenwerte) und gegebenenfalls CT, wenn die Ursache unklar ist

Behandlung

Die Behandlung richtet sich nach Ursache und Schweregrad. Ziel ist es, die Atmung zu sichern, überschüssige Flüssigkeit zu entfernen und die auslösende Ursache zu behandeln.

  • Sauerstoffgabe zur Verbesserung der Oxygenierung; bei schwerer Atemnot ggf. nichtinvasive Beatmung (CPAP/BiPAP) oder Intubation und invasive Beatmung.
  • Diuretika (z. B. Furosemid) zur raschen Ausschwemmung von Flüssigkeit.
  • Vasodilatatoren (z. B. Nitroglycerin) können den Vor- und Nachlastdruck des Herzens senken und so die Lungenstauung vermindern (bei kardiogenem Ödem).
  • Inotrope Medikamente (z. B. Dobutamin) bei stark eingeschränkter Herzleistung mit niedrigem Blutdruck.
  • Therapie der Grunderkrankung: Behandlung eines Herzinfarkts, der Herzinsuffizienz, Sepsis, Nierenfehlfunktion oder anderer ursächlicher Erkrankungen.
  • Flüssigkeits- und Salzkarenz je nach Zustand; bei Niereninsuffizienz evtl. Dialyse.

Notfallmaßnahmen und Warnzeichen

Ein akutes Lungenödem ist ein lebensbedrohlicher Notfall. Sofort ärztliche Hilfe (Notruf) rufen, wenn folgende Zeichen auftreten:

  • plötzlich einsetzende schwere Atemnot
  • Husten mit schaumigem, rosafarbenem Auswurf
  • bewusstseinsstörungen, starke Zyanose (Blaufärbung von Haut/Lippen)
  • Schnappatmung oder extreme Unruhe

Bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes: aufrechte Position (Sitzen), ruhiges Atmen unterstützen, enge Kleidung lockern. Medikamente nur nach ärztlicher Anweisung verabreichen.

Risikofaktoren und Prävention

Wichtige Risikofaktoren sind Bluthochdruck, koronare Herzkrankheit, frühere Herzinfarkte, Herzklappenerkrankungen, chronische Niereninsuffizienz und ungeklärte Flüssigkeitsüberladung. Zur Vorbeugung gehören:

  • Kontrolle von Bluthochdruck und Herzkrankheiten
  • regelmäßige ärztliche Nachsorge bei Herzinsuffizienz
  • eingeschränkte Salz- und Flüssigkeitszufuhr, wenn vom Arzt empfohlen
  • Impfungen (z. B. Grippe, Pneumokokken) zur Vermeidung respiratorischer Folgeerkrankungen
  • Vorsicht bei Medikamenten oder Flüssigkeitszufuhr, die das Herz belasten können

Prognose

Die Prognose hängt von Ursache, Schwere und Schnelligkeit der Behandlung ab. Ein unbehandeltes akutes Lungenödem kann schnell lebensbedrohlich werden. Bei rechtzeitiger und gezielter Therapie sind Stabilisierung und Besserung möglich, oft mit anschließender Behandlung der Grunderkrankung, um erneuten Episoden vorzubeugen.

Was Sie Ihrem Arzt sagen sollten

Informieren Sie Ihren Arzt über bestehende Herz- oder Nierenerkrankungen, Medikamenteneinnahme, plötzlich auftretende Atemnot, Auswurfveränderungen und kürzliche Operationen, Bluttransfusionen oder Aufenthalte in großer Höhe.

Bei Verdacht auf Lungenödem ist rasches Handeln entscheidend. Suchen Sie umgehend ärztliche Hilfe, wenn schwere Atembeschwerden oder die genannten Notfallsymptome auftreten.