Reichstagsbrand (1933): Brandstiftung, Notverordnung und Folgen

Reichstagsbrand 1933: Brandstiftung, Notverordnung und Folgen — Analyse des Anschlags, politischer Manipulation, Ermächtigungsgesetzes und anhaltender historischer Kontroverse.

Autor: Leandro Alegsa

Reichstagsbrand bezeichnet die Brandstiftung auf das Reichstagsgebäude in Berlin am 27. Februar 1933. Der Brand war eines der Schlüsselereignisse bei der schnellen Ausdehnung der Macht der Nationalsozialisten und beschleunigte die Zerschlagung von Demokratie und Freiheit in der Weimarer Republik.

Hintergrund

Am 30. Januar 1933 war Adolf Hitler zum Bundeskanzler von Deutschland ernannt worden. Die politische Lage war polarisiert: Die regierende Koalition war schwach, die linke Opposition – vor allem die Kommunisten – wurde von den Nationalsozialisten als größte Bedrohung dargestellt, und die SA sowie andere paramilitärische Verbände erzeugten Einschüchterung und Gewalt auf den Straßen. In diesem Klima stellte der Brand im Reichstag eine Gelegenheit dar, schnell gegen politische Gegner vorzugehen.

Der Brand und die unmittelbaren Reaktionen

Am Abend des 27. Februar 1933 wurde die Feuerwehr alarmiert; beim Eintreffen der Kräfte stand weite Teile des Gebäudes in Flammen. Im Inneren des Gebäudes wurde Marinus van der Lubbe, ein niederländischer Kommunist, festgenommen. Die nationalsozialistische Führung deutete den Brand als Beweis für ein angebliches Komplott der Kommunisten gegen den Staat. Kurz nach dem Vorfall wurden mehrere mutmaßliche Kommunisten verhaftet; neben Van der Lubbe traf es auch führende Mitglieder der KPD-Fraktion und einige ausländische Kommunisten.

Reichstagsbrandverordnung und Ermächtigungsgesetz

Auf Drängen Hitlers erließ Präsident Paul von Hindenburg am 28. Februar 1933 die sogenannte Reichstagsbrandverordnung. Der Erlass setzte die meisten bürgerlichen Freiheiten in Deutschland außer Kraft. Zu den Maßnahmen gehörten unter anderem:

  • Aufhebung der Versammlungs- und Pressefreiheit,
  • Erweiterte Befugnisse für Hausdurchsuchungen und postalische/telekommunikative Überwachung,
  • Inhaftierungen ohne Anklage oder Gerichtsverfahren.

Diese Rechtsgrundlage nutzten die Nationalsozialisten, um massenhaft politisch Andersdenkende – insbesondere Mitglieder und Wähler der Kommunistischen Partei – zu verfolgen und auszuschalten. Wenige Wochen später, am 23. März 1933, trat das Ermächtigungsgesetz von 1933 in Kraft, das der Regierung diktatorische Vollmachten gab und das Parlament de facto entmachtete.

Prozesse und Rechtliche Folgen

In der Folgezeit fanden mehrere Verfahren statt. Marinus van der Lubbe wurde getrennt von anderen Angeklagten vor Gericht gestellt, für schuldig befunden und am 10. Januar 1934 hingerichtet. Gegen mehrere ausländische Kommunisten – darunter drei Bulgaren, die im Zusammenhang mit dem Fall angeklagt wurden – fand im Herbst 1933 ein Prozess in Leipzig statt. Einer der bekanntesten Angeklagten war Georgi Dimitrov; er verteidigte sich im Gerichtssaal energisch, wurde freigesprochen und erlangte danach internationale Bekanntheit. Andere Angeklagte wurden ebenfalls freigesprochen oder später aus Deutschland ausgewiesen und gingen in die Sowjetunion.

Wer trug die Verantwortung?

Wer den Brand geplant oder gelegt hat, bleibt bis heute Gegenstand intensiver Forschung und kontroverser Debatten. Die beiden Haupttheorien lauten:

  • Van-der-Lubbe-Alleintäterschaft: Nach dieser Auffassung handelte Marinus van der Lubbe allein aus politischem Protest und radikalem Aktionismus.
  • NS-Inszenierung oder Mitwisserschaft: Danach nutzten oder organisierten Nationalsozialisten den Brand bewusst als Vorwand, um oppositionelle Kräfte zu zerschlagen; Hinweise und Indizien haben zu anhaltenden Zweifeln an der Alleintäterschaft geführt.

Moderne Historiker sehen häufig die Kombination aus Opportunismus und gezielter Ausnutzung des Vorfalls durch die NS-Führung: Selbst wenn Van der Lubbe (teilweise) allein gehandelt haben sollte, nutzten die Nationalsozialisten den Brand sofort politisch und rechtlich aus, um ihre Macht zu konsolidieren.

Langfristige Folgen

Der Reichstagsbrand markierte einen Wendepunkt: Die Reichstagsbrandverordnung und das Ermächtigungsgesetz von 1933 ermöglichten die systematische Ausschaltung politischer Gegner, die Gleichschaltung von Ländern, Behörden und Medien sowie die Errichtung eines totalitären Einparteienstaates. Pressefreiheit, parlamentarische Kontrolle und bürgerliche Grundrechte wurden in kurzer Zeit weitgehend beseitigt. Für viele Historiker ist der Brand ein prägnantes Beispiel dafür, wie ein einmaliger Vorfall zur Legitimation umfassender Freiheitsbeschränkungen genutzt werden kann.

Erinnerung und Forschung

Der Reichstagsbrand bleibt ein intensives Forschungsthema. Archivfunde, Protokolle und zeitgenössische Zeugnisse werden weiterhin ausgewertet. In der öffentlichen Erinnerung in Deutschland wird das Ereignis als warnendes Beispiel dafür gesehen, wie schnell Rechtsstaatlichkeit und Demokratie abgebaut werden können, wenn Notstandsbefugnisse missbraucht werden. Die historische Forschung bemüht sich, die Faktenlage sachlich zu klären und die komplexen Zusammenhänge zwischen Tat, Propaganda und politischem Handeln transparent zu machen.

Fragen und Antworten

F: Welches Ereignis war der Reichstagsbrand?


A: Der Reichstagsbrand war ein Brandanschlag auf das Reichstagsgebäude, den Sitz des deutschen Parlaments, in Berlin am 27. Februar 1933.

F: Wer wurde in dem brennenden Gebäude gefunden?


A: Im Inneren des brennenden Gebäudes wurde Marinus van der Lubbe gefunden. Er war ein niederländischer Kommunist.

F: Was forderte Hitler von Präsident Paul von Hindenburg nach dem Brand?


A: Nach dem Brand drängte Adolf Hitler den Reichspräsidenten Paul von Hindenburg, ein Notstandsgesetz zu erlassen, um "die Konfrontation der Kommunistischen Partei Deutschlands" zu bekämpfen. Infolgedessen wurde das Ermächtigungsgesetz von 1933 verabschiedet.

F: Welches Dekret erließ der deutsche Präsident von Hindenburg als Reaktion auf den Brand?


A: Als Reaktion auf den Reichstagsbrand erließ der deutsche Reichspräsident von Hindenburg die Reichstagsbrandverordnung, die die meisten bürgerlichen Freiheiten in Deutschland außer Kraft setzte und zur Verhaftung vieler Kommunisten führte, einschließlich aller Abgeordneten der Kommunistischen Partei.

F: Wie konnte Hitler dadurch mehr Macht erlangen?


A: Hitler wurde dadurch zum Diktator, da er vier Wochen zuvor Bundeskanzler geworden war und nun die Mehrheit im Parlament hatte, da alle Mitglieder der Kommunistischen Partei verhaftet worden waren.

F: Wer wurde kurz darauf vor Gericht gestellt, um zu untersuchen, wer den Anschlag geplant oder ausgeführt hatte?


A: Kurz danach wurden drei Männer vor Gericht gestellt, um zu ermitteln, wer das Attentat geplant oder ausgeführt hatte - hochrangige bulgarische Komintern-Agenten. Ein Kommunist wurde für schuldig befunden und hingerichtet, während zwei andere freigesprochen wurden und in die Sowjetunion zurückkehrten.

F: Gibt es schon eine endgültige Antwort auf die Frage, wer das Attentat geplant oder ausgeführt hat?


A: Nein, es gibt noch keine endgültige Antwort, da die Historiker immer noch nicht wissen, wer es geplant oder ausgeführt hat, und es ist immer noch ein aktuelles Thema der Forschung.


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