Die Schlacht von Anzio, auch bekannt als Operation Shingle, begann am 22. Januar 1944 als alliierte Seelandung im Rahmen des italienischen Feldzugs. Die Landungen erfolgten bei Anzio und Nettuno an der italienischen Westküste und richteten sich gegen die deutschen Verteidigungen in der Region.

Der Angriff wurde vom amerikanischen Generalmajor John P. Lucas als Befehlshaber des VI Corps geleitet. Ziel der Operation war es, die deutschen Stellungen der sogenannten Winter- (Gustav-) Linie zu umgehen, den Druck auf die deutschen Verbände zu erhöhen und letztlich die Einnahme von Rom zu ermöglichen. Die Landung sollte schnell und überraschend in das zuvor als schwierig eingeschätzte Sumpfgebiet der Pontinischen Marschen erfolgen, um die deutschen Verteidigungspläne zu durchbrechen.

Die ersten Landungen überraschten die Deutschen und die alliierte Invasion konnte ohne großen Widerstand an Land gehen. Die Alliierten richteten rasch einen Brückenkopf ein und brachten weitere Truppen sowie Nachschub an Land. Die deutschen Kommandeure, unter der Führung von Feldmarschall Albert Kesselring, reagierten jedoch bald mit massiven Gegenmaßnahmen: Sie verlegten Truppen in die Umgebung, positionierten Artillerie rund um die Landezone, organisierten Gegenangriffe und nutzten gezielt die Geländegegebenheiten. Zudem wurden Teile der Marschen durch Einleitung von Salzwasser überflutet, um das Gelände weiter zu erschweren und die alliierte Bewegungsfreiheit einzuschränken.

Die Folge war ein monatelanger Stellungskampf mit heftigen Gefechten um den Brückenkopf. Die anfängliche Chance auf einen schnellen Vorstoß Richtung Rom wurde durch das zögerliche Verhalten einiger alliierter Befehlshaber, insbesondere durch das vorsichtige Konsolidieren des Brückenkopfes durch Lucas, nicht genutzt. Aufgrund dieses langsamen Vorgehens und der anhaltenden deutschen Gegenwehr kam es zu langwierigen Kämpfen um wenige Kilometer Land. Lucas wurde Ende Februar 1944 abgelöst; die Führung wurde anschließend umgestellt, um die Offensive zu beschleunigen.

Erst im Mai 1944 gelang es den Alliierten, in Verbindung mit den Operationen entlang der Gustav-Linie (insbesondere den Kämpfen um Monte Cassino), den deutschen Widerstand zu brechen und aus dem Brückenkopf auszubrechen. Die alliierten Streitkräfte rückten nordwestlich nach Rom vor, das am 4. Juni 1944 eingenommen wurde.

Die deutsche 10. Armee, die zuvor in der Cassino-Region kampfbereit stand, zog sich nördlich von Rom zurück und reorganisierte sich, um die Verteidigung an der Gotischen Linie aufzubauen. Die Schlacht von Anzio hatte damit strategische Wirkung: Obwohl der ursprüngliche Plan — ein schneller Schlag auf Rom — nicht unmittelbar gelang, band die Operation lange Zeit große deutsche Kräfte, trug zur Erschöpfung deutscher Reserven bei und war ein wichtiger Bestandteil der alliierten Kampagne in Italien.

Folgen und Bewertung

  • Die Operation war umstritten: Sie zeigte sowohl die Möglichkeiten amphibischer Landungen als auch die Gefahren zögerlicher Führung in einer ohnehin engen Frontsituation.
  • Die Kämpfe an Anzio führten zu hohen Verlusten auf beiden Seiten und verursachten großen materielle und menschliche Aufwand.
  • Langfristig trug Anzio in Verbindung mit den Offensiven bei Cassino zur Befreiung Roms bei und schwächte die deutsche Verteidigung in Italien, obwohl die Alliierten nicht den schnellen Durchbruch erreichten, der ursprünglich erwartet worden war.

Die Schlacht von Anzio bleibt eines der kontroverseren Kapitel des Italienfeldzugs: strategisch wichtig, aber mit umstrittenem operativem Management und hohem Preis für die beteiligten Truppen.