Tempera (Eitempera): Geschichte, Technik und Materialien der Tafelmalerei
Überblick zu Geschichte, Material und Technik der Eitempera: Entstehung, traditionelle Bindemittel (Eigelb), Malgründe, Arbeitsweise, Haltbarkeit und ihr Einsatz von Byzanz und Mittelalter bis zur Gegenwart
Tempera (oft auch Eitempera genannt) ist eine klassische Art von Künstlerfarbe, bei der die Pigmente mit einem wasserlöslichen Bindemittel zu einer schnell trocknenden, matten Farbe verarbeitet werden. Historisch war Tempera in der byzantinischen und im Mittelalter in Europa das vorherrschende Medium für Tafelbilder und für illuminierte Manuskripte. Mit der Entwicklung und Verbreitung der Ölmalerei verlor Tempera im späten Mittelalter und in der Renaissance an Bedeutung für große Tafelbilder. Dennoch wird sie bis heute weiterhin beispielsweise in orthodoxen Ikonen genutzt, und sie findet auch bei einigen zeitgenössischen Künstlern Anwendung.
Bildergalerie
10 BilderGeschichte und Verbreitung
- Ursprünge: Tempera geht auf Techniken der Antike zurück und wurde in verschiedenen Kulturen zur Bildausführung und zur Manuskriptgestaltung verwendet.
- Byzanz und Mittelalter: In der byzantinischen Kunst und im Mittelalter war Tempera das Standardverfahren für Tafelbilder und religiöse Darstellungen.
- Übergang zur Ölmalerei: Die vielseitigeren Eigenschaften der Ölmalerei — insbesondere längere Offenzeit und unterschiedliche Lichteffekte — führten zu einem sukzessiven Ersatz der Tempera in vielen Bereichen.
- Tradition und Revival: Trotz des Rückgangs blieb Tempera in der Ikonenmalerei erhalten; im 19. und 20. Jahrhundert kam es außerdem zu einem begrenzten Revival unter einigen modernen Malern.
Zusammensetzung und Eigenschaften
Die klassische Form ist die Eitempera, bei der das Bindemittel aus Ei (meist Eigelb, seltener Vollei oder Eiweiß) besteht. Pigmente werden fein gemahlen und mit dem Bindemittel und Wasser so vermischt, dass sich eine leicht auftragbare Farbe ergibt.
- Binde- und Lösungsmittel: Ei (Eigelb) plus Wasser; bei Varianten können Harze oder geringe Ölanteile zugefügt werden.
- Trocknungsverhalten: Sehr schnelles Trocknen durch Verdunstung; die Schichten sind dünn und hart.
- Oberfläche: Matt bis seidenmatt, mit feiner, präziser Linienführung möglich.
- Lichtechtheit: Bei guten Pigmenten und geeigneter Vorbereitung sehr dauerhaft; die Beständigkeit hängt von Pigment- und Untergrundqualität ab.
- Geeignete Untergründe: Vorzugsweise steif (z. B. holzgetäfelte Bildträger mit Gesso-Grund), da hohe Spannungen zu Rissen führen können.
Technik und Arbeitsweise
Temperamalerei verlangt eine andere Arbeitsweise als Öl- oder Acrylmalerei. Typische Merkmale und Arbeitsschritte sind:
- Vorbereitung des Bildträgers (z. B. Holztafel) und Auftragen eines Gesso-Untergrunds.
- Feine Vorzeichnung/Unterzeichnung mit Graphit, Kohle oder dünner Pigmentlasur.
- Mischen der Pigmente mit Ei und Wasser unmittelbar vor dem Malen; die Mischung ist nur begrenzt haltbar.
- Auftragen in dünnen, deckenden Schichten; Modellierung erfolgt häufig durch Kreuzschraffuren und Überarbeiten mit feinen Pinselstrichen statt durch dichte Lasuren.
- Abschließende Schutzschicht: Manchmal Wachs‑ oder Harzfirnis, oft werden Temperabilder aber unvernischt belassen oder nur leicht geschützt.
Unterschiede zu Gouache und Schul‑„Tempera“
Im Handel werden einfache Schulfarben oder Plakatfarben als „Tempera“ bezeichnet. Diese Produkte sind jedoch meist keine historische Tempera, sondern technischen Gouache- oder Dispersionsfarben vergleichbar. Wichtige Unterschiede sind:
- Bindemittel: Eitempera verwendet Ei; Gouache und Plakatfarben basieren meist auf Bindemitteln wie Gum arabic (Gouache) oder synthetischen Bindemitteln (Dispersionen).
- Optik und Verhalten: Gouache ist ebenfalls matt, lässt sich aber anders überarbeiten und haftet auf flexibleren Trägern; echte Tempera ist härter und erfordert steife Bildträger.
- Alterungsverhalten: Traditionelle Eitempera kann über Jahrhunderte sehr beständig sein, wohingegen Schul‑Plakatfarbe oft weniger dauerhaft ist.
Konservierung und Schäden
- Temperabilder sind empfindlich gegenüber starken Formveränderungen des Trägers; Holzspannung oder Feuchtigkeit kann zu Rissen führen.
- Die dünnen, harten Schichten neigen nicht so sehr zu Verformungen wie dicke Öllagen, sind aber anfällig, wenn der Gesso-Grund beschädigt ist.
- Restaurierungen erfordern spezialisiertes Fachwissen, weil Eingriffe am Untergrund und an den schmalen Farbschichten behutsam zu erfolgen haben.
Moderne Verwendung
Heute kommt Tempera in mehreren Bereichen vor:
- in der traditionellen Ikonenmalerei der orthodoxen Kirche (Ikonen), wo überlieferte Techniken gepflegt werden;
- bei zeitgenössischen Künstlern, die die besonderen Oberflächen und die Detailmöglichkeiten der Tempera schätzen;
- in der Lehre und in Schulmaterialien, wo der Begriff „Tempera“ oft für praktischere Gouache- oder Plakatfarben verwendet wird (Plakatfarbe als und Gouache).
Zusammenfassend ist Tempera ein historisch bedeutsames und technisch eigenständiges Malmedium mit spezifischen Anforderungen an Material und Technik. Bei Fragen zu Herstellung, Restaurierung oder für weiterführende Literatur empfiehlt sich die Kontaktaufnahme mit Fachbibliotheken, Restauratoren oder spezialisierten Werkstätten.
Malen mit Tempera
Das Eigelb (der gelbe Teil des Eies) trocknet und klebt sehr fest. Es wird zum Mischen und Abbinden der Farben in einem Temperagemälde verwendet. Die Farben werden zu trockenen Pulvern vermahlen, die vom Künstler gemischt werden müssen. In früheren Zeiten waren einige der Farben sehr giftig, und der Künstler musste aufpassen, dass er die pulverisierte Farbe nicht einatmet. Die Farben werden im Allgemeinen zu gleichen Teilen mit Eigelb und Wasser gemischt. Wenn zu viel Ei vorhanden ist, ist die Farbe klebrig. Ist zuviel Wasser vorhanden, ist sie flüssig. Keines dieser beiden Dinge ist gut. Einige Künstlerinnen und Künstler mischen auch gerne etwas von dem Eiweiß, um einen anderen Effekt zu erzielen. Manchmal wird auch etwas Öl hinzugefügt. In der Antike wurden auch andere Dinge hinzugefügt, z.B. Honig, Milch und Pflanzengummis.
Der Anstrich muss auf einem bereits vorbereiteten "Untergrund" erfolgen. Der "Grund" ist glatte, flache Farbe auf einem starken Brett, das sich nicht verbiegt. Die Farbe muss in dünnen Schichten mit winzigen Pinselstrichen aufgetragen werden, die sehr schnell trocknen. Da die Farbe transparent ist, verwenden die Künstler eine spezielle Technik. Häufig malen sie die Schatten auf die Figur, bevor sie die Hautfarbe und die Farbe der Kleidung übermalen.
Wenn das Gemälde fertiggestellt ist, ist es nicht sehr farbenfroh, bis es lackiert wurde. Dadurch werden die Farben leuchtend und glänzend. Das Gute an der Temperamalerei ist, dass sich die Farben im Laufe der Jahre nicht verändern, während Ölbilder sich verändern, dunkler werden und gelber werden. Temperamalereien können mindestens zweitausend Jahre lang gut halten. Da Temperamalereien eine lange Zeit benötigen, sind viele von ihnen klein. Manchmal malten Künstler große Altarbilder in Tempera. Eines der größten Temperagemälde ist Duccios Bild der Madonna mit Kind in der Uffizien-Galerie. Es ist etwa 15 Fuß hoch. Ein weiteres sehr berühmtes großes Tempera-Gemälde ist Botticellis Geburt der Venus, das sich ebenfalls in den Uffizien befindet. (siehe Bild oben)
Geschichte
Einige der ältesten Temperamalereien sind Grabporträts von Toten, die in Ägypten zur Zeit des alten Roms entstanden sind. Tempera wurde weiterhin für christlich-religiöse Gemälde verwendet. Sie war das Medium für griechische Ikonen und wurde in Italien und vielen anderen Ländern verwendet, bis die Ölmalerei um 1500 in Gebrauch kam. Die meisten der berühmten italienischen Renaissance-Maler verwendeten Tempera. Dazu gehören Duccio, Giotto, Fra Angelico, Botticelli und Michelangelo. In Nordeuropa benutzten sie Ölfarbe. Dies begann in Italien in den 1570er Jahren populär zu werden. Leonardo malte die Mona Lisa in Ölfarbe. Heutzutage sind Ölfarbe und Vinylfarbe zwar viel verbreiteter, aber einige Künstler malen in Tempera. Einer der berühmtesten Temperamaler des 20. Jahrhunderts ist Andrew Wyeth.
Galerie der kleinen Temperamalereien
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Illuminierte Handschrift - Jesus und die Verfasser des Evangeliums, 9.
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Autor
AlegsaOnline.com Tempera (Eitempera): Geschichte, Technik und Materialien der Tafelmalerei Leandro Alegsa
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