Viktor Kortschnoi (23. März 1931 – 6. Juni 2016) war ein international renommierter Schachgroßmeister und eine der beständigsten Figuren der Spitzenszene im 20. Jahrhundert. Er wurde in Leningrad (heute Sankt Petersburg) geboren und wuchs in der Sowjetunion auf. Seine Laufbahn erstreckte sich über mehr als ein halbes Jahrhundert: Kortschnoi gehörte über Dekaden hinweg zur Weltspitze und blieb bis ins hohe Alter ein aktiver Turnierspieler.
Leben und Karriere
Kortschnoi machte sich früh einen Namen in der sowjetischen Schachszene und wurde zu einem der stärksten Spieler der UdSSR. Im Laufe seiner Karriere gewann er mehrfach die nationale Konkurrenz und war regelmäßiger Teilnehmer an internationalen Turnieren und Kandidatenwettkämpfen. Im Jahr 1976 verließ er die Sowjetunion und blieb in den Niederlanden; später zog er in die Schweiz, wo er längere Zeit lebte und die Schweizer Staatsbürgerschaft annahm.
Seine Teilnahme an den Weltmeisterschaftszyklen war außergewöhnlich beständig: Insgesamt kandidierte Kortschnoi zehn Mal für die Weltmeisterschaft (1962, 1968, 1971, 1974, 1977, 1980, 1983, 1985, 1988 und 1991). Zu den denkwürdigsten Momenten seiner Karriere gehörte die Herausforderer-Partie gegen Anatoli Karpow 1978, die nicht nur schachlich, sondern auch politisch und emotional stark aufgeladen war.
Erfolge
- Vierfacher Schachmeister der UdSSR (USSR Championship).
- Fünfmal Mitglied sowjetischer Mannschaften, die die Europameisterschaft gewannen.
- Sechsmal Mitglied sowjetischer Mannschaften, die die Schacholympiade gewannen.
- Viele Erfolge und Siege bei internationalen Top-Turnieren über mehrere Jahrzehnte.
Spielstil und Persönlichkeit
Kortschnoi war bekannt für seinen unbeugsamen Kampfgeist, seine ausgeprägten Endspielqualitäten und seine enorme Zähigkeit am Brett. Er zeigte oft außergewöhnliche Willenskraft in komplizierten Stellungen und galt als schwer zu bezwingen, weil er selten aufgab und in schwierigen Lagen noch Chancen suchte. Außerdem setzte er auf gründliche Vorbereitung und einen breiten Eröffnungsrepertoire, wodurch er gegen unterschiedlichste Gegnertypen erfolgreich agieren konnte.
Exil, Kontroversen und Vermächtnis
Seine Abkehr von der Sowjetunion 1976 und die darauffolgende politische Dimension besonders der großen Wettkämpfe machten Kortschnoi zu einer Symbolfigur der Zeit. Die Jahre im Exil und die Auseinandersetzungen mit offiziellen sowjetischen Stellen prägten sein öffentliches Image ebenso wie seine schachlichen Leistungen. Trotz der politischen Belastungen blieb Kortschnoi ein aktiver Turnier- und Matchspieler und trat auch als Autor und Schachlehrer in Erscheinung.
Kortschnoi gilt als einer der stärksten Schachspieler, die niemals Weltmeister wurden. Sein Beitrag zum Schach – als Kämpfer, Theoretiker und Vorbild für Durchhaltevermögen – sichert ihm einen festen Platz in der Geschichte des Spiels. Er starb am 6. Juni 2016; noch in seinen letzten Lebensjahren war er einer der ältesten aktiven Großmeister im Turnierschach.