August Friedrich Kellner (geboren am 1. Februar 1885 in Vaihingen an der Enz, Deutschland, gestorben am 4. November 1970 in Lich) war ein deutscher Sozialdemokrat. Er arbeitete als Justizinspektor. In der Zeit der Nationalsozialisten in Deutschland schrieb er ein geheimes Tagebuch. Dieses wurde als "Tagebuch von Friedrich Kellner" bekannt. Nach dem Krieg sagte er, warum er es schrieb:

„Damit niemand später sagen kann, er habe von nichts gewusst.“

Leben und politisches Engagement

Friedrich Kellner war Mitglied der Sozialdemokratischen Partei und engagierte sich zeitlebens für demokratische und rechtstaatliche Prinzipien. Beruflich war er als Justizinspektor tätig und hatte Einblick in Verwaltung und Rechtspflege. Während der NS-Zeit blieb er im Dienst, beobachtete die Entwicklungen kritisch und bewahrte seine Ansichten schriftlich — entgegen der verbreiteten Einschüchterung und politischen Gleichschaltung jener Jahre.

Das Tagebuch

Zwischen 1939 und 1945 führte Kellner heimlich ein Tagebuch in Form von mehreren Heften. In diesen Aufzeichnungen, die insgesamt etwa zehn Hefte mit rund 900 Seiten umfassen, hielt er systematisch seine Beobachtungen, Zeitungszitate, Einschätzungen zu politischen Ereignissen, Berichte über Kriegsverbrechen sowie die Haltung und das Verhalten der Bevölkerung fest. Die Einträge sind kein literarisches Werk, sondern bewusst als Dokumentation und kritischer Kommentar zur Zeit angelegt: Sie verbinden tägliche Meldungen mit klaren Urteilen über Propaganda, Lügen und Mitläufertum.

Wichtig ist, dass Kellners Notizen nicht nur die großen politischen Ereignisse beschreiben, sondern auch die Alltagsperspektive zeigen: wie Nachbarn, Behörden und Institutionen auf die NS-Politik reagierten, wie sich Antisemitismus und Angst in der Gesellschaft verbreiteten und wie politische Gleichgültigkeit und Opportunismus funktionierten.

Aufbewahrung, Veröffentlichung und Rezeption

Das Tagebuch blieb zunächst im Familienbesitz und wurde erst Jahrzehnte nach Kriegsende bekannt. Später wurden Auszüge veröffentlicht und das Schriftzeugnis wissenschaftlich und öffentlich rezipiert. Teile des Tagebuchs wurden in Büchern, Ausstellungen und Dokumentarfilmen verwendet. Kopien und Auszüge wurden zudem in Ausstellungen im In- und Ausland gezeigt, wodurch Kellners Aufzeichnungen zu einer wichtigen Quelle für die Erforschung des Alltags in der NS-Zeit und für die Erinnerungskultur wurden.

Bedeutung

  • Zeugnis der Inneren Opposition: Das Tagebuch ist ein Beispiel dafür, dass es innerhalb Deutschlands Menschen gab, die den Nationalsozialismus kritisch und widerständig beobachteten, auch wenn aktiver Widerstand gefährlich war.
  • Historische Quelle: Kellners sorgfältige Notizen liefern Forschern Augenzeugenberichte und Dokumentationen zur Propaganda, zum Umgang mit Verfolgten und zur Mentalität breiter Bevölkerungsschichten.
  • Mahnung für spätere Generationen: Sein Motiv — festzuhalten, «dass niemand sagen kann, er habe nichts gewusst» — macht das Tagebuch zu einem Appell gegen Vergessen und Verharmlosung.

Friedrich Kellner starb am 4. November 1970 in Lich. Sein Tagebuch bleibt ein bedeutsames Dokument der deutschen Geschichte, das sowohl die Brutalität des Regimes als auch die Alltagssituation und die moralischen Herausforderungen jener Zeit eindrücklich vermittelt.