Karl Dönitz: U-Boot-Kommandant, Oberbefehlshaber & Reichspräsident (1891–1980)
Karl Dönitz (1891–1980): U-Boot-Kommandant, Oberbefehlshaber der Kriegsmarine und 23 Tage Reichspräsident – Aufstieg, Atlantikkrieg, Nürnberger Prozess und Nachkriegsjahre.
Der Titel dieses Artikels enthält das Zeichen ö. Wo er nicht verfügbar oder nicht erwünscht ist, kann der Name als Karl Doenitz geschrieben werden.
Karl Dönitz (ausgesprochen [ˈdøːnɪts] (Hilfe-Info)) (16. September 1891 - 24. Dezember 1980) war ein deutscher Marineoffizier und Flottenführer, der vor allem als Befehlshaber der deutschen U-Boote und später als Oberbefehlshaber der Kriegsmarine bekannt wurde. Nach dem Selbstmord Adolf Hitlers war Dönitz gemäß Hitlers letztem Testament für 23 Tage Staatsoberhaupt (Reichspräsident) des kurzlebigen Flensburgschen Übergangskabinetts. Zeitgenössisch und in der Nachkriegszeit wurde ihm sowohl militärische Kompetenz als auch Verantwortung für Kriegsentscheidungen zugeschrieben; sein Bild ist bis heute umstritten.
Frühes Leben und Erste Weltkrieg
Dönitz wurde in Berlin geboren und trat 1911 in die Kaiserliche Deutsche Marine ein. Im Ersten Weltkrieg diente er zunächst auf Überwasserschiffen, wechselte aber später zur U-Boot-Waffe, die ihn zeitlebens prägen sollte. Seine Erfahrungen aus dem U-Boot-Dienst im Ersten Weltkrieg beeinflussten seine Auffassung von Unterseebootkriegführung und taktischer Anwendung.
Zwischenkriegszeit und Aufstieg
Nach dem Krieg blieb Dönitz im Dienst und durchlief in der Reichsmarine der Weimarer Republik sowie später in der Kriegsmarine des Dritten Reiches verschiedene Verwendungen. Er spezialisierte sich auf U-Boot-Taktik, förderte die Entwicklung von Ausbildung, Torpedotechnik und taktischen Konzepten und stieg in den Rang eines Admirals auf. Dönitz war nie Mitglied der NSDAP, stand aber in enger Dienstverbindung mit der nationalsozialistischen Führung. Seine Vorstellungen von konzentrierter U-Bootkriegsführung fanden bei der Heeres- und Marineführung Gehör.
U-Boot-Kommandant und Atlantikschlacht
Als Befehlshaber der Unterseeboote (B.d.U.) prägte Dönitz die deutsche U-Boot-Strategie während des Zweiten Weltkriegs. Er setzte das Konzept der sogenannten „Rudeltaktik“ (engl. „wolfpack“) ein, bei dem mehrere U-Boote gemeinsam Geleitzüge angriffen, um die alliierten Konvoischutzmaßnahmen zu überwinden. Unter seinem Kommando geriet der Nordatlantik zu einem zentralen Operationsgebiet, in dem die Versorgungswege Großbritanniens bedroht wurden.
Die anfänglichen Erfolge der U-Bootwaffe wurden jedoch ab 1943 zunehmend durch technische und nachrichtendienstliche Vorteile der Alliierten eingeschränkt: verbesserte Geleitsysteme, Luftschutz durch Langstreckenflugzeuge, Radar- und Sonartechnik, Eskortenflugzeugträger sowie die Entzifferung der deutschen Funkverschlüsselung (Enigma) durch die Alliierten wirkten gegen die U-Boot-Kampagne. Dönitz versuchte taktische Anpassungen, verlagerte teilweise Operationen in weiter entfernte Gewässer und unterstützte technische Neuerungen wie den Einbau des Schnorchels, konnte aber die allmähliche Schwächung der U-Bootwaffe nicht mehr aufhalten.
Oberbefehlshaber und Reichspräsident
Im Januar 1943 übernahm Dönitz das Amt des Oberbefehlshabers der Kriegsmarine von Erich Raeder. Trotz seiner militärischen Stellung war Dönitz kein Vertrauter der NS-Parteiführung im politischen Sinn; er blieb jedoch in die Kriegsführung und entsprechende Entscheidungen eingebunden.
Nach dem Freitod Hitlers am 30. April 1945 ernannte ihn Hitler in seinem Testament zum Nachfolger als Staatsoberhaupt. Dönitz leitete daraufhin die sogenannte Flensburg-Regierung, die versuchte, die Kapitulation zu verhandeln und die Zivilverwaltung in den letzten Kriegstagen zu organisieren. Seine Amtszeit als Staatsoberhaupt dauerte 23 Tage; am 23. Mai 1945 wurde die Flensburg-Regierung von britischen Kräften verhaftet, und Dönitz geriet in alliierte Gefangenschaft.
Kriegshandlungen und umstrittene Befehle
Dönitz ordnete den uneingeschränkten U-Boot-Krieg an, der im Nordatlantik gegen alliierte Handelsschiffe geführt wurde und damit gegen den Zweiten Londoner Marinevertrag von 1936 verstieß. In mehreren Einzelfällen – am bekanntesten die Folgen der Laconia-Affäre 1942 – gab es Befehle, die die Behandlung von Überlebenden und die Rettung von Schiffbrüchigen regelten oder einschränkten; solche Anordnungen wurden später im Prozess als Beleg für Kriegsvergehen diskutiert. Bei den Nürnberger Prozessen wurde auch die Frage erörtert, inwieweit vergleichbare alliierte Maßnahmen (z. B. der alliierten Blockade oder Angriffe auf Handelsschiffe) eine Rolle bei der juristischen Bewertung Dönitz' spielten.
Nürnberger Prozess und Haft
Nach dem Krieg wurde Dönitz im Rahmen der Internationalen Militärtribunale in Nürnberg angeklagt. Er wurde wegen «Verbrechen gegen den Frieden» und «Kriegsverbrechen» verurteilt und zu zehn Jahren Haft verurteilt; die Haftzeit begann 1946. Das Gericht stellte fest, dass Dönitz für bestimmte Entscheidungen und Befehle verantwortlich war, berücksichtigte aber auch die Argumentation seiner Verteidigung, wonach vergleichbare Praktiken durch die Alliierten angewandt worden seien. Aufgrund seiner Verurteilung verbrachte er die nachfolgenden Jahre in alliierter Gefangenschaft und wurde 1956 entlassen.
Spätes Leben, Veröffentlichungen und Tod
Nach seiner Freilassung zog sich Dönitz in das Dorf Aumühle bei Hamburg zurück. Er veröffentlichte mehrere Schriften und Memoiren, in denen er seine Sicht auf die Kriegsgeschehnisse darlegte und verschiedene Abschnitte seines Lebens beschrieb; darunter finden sich autobiografische Werke, in denen er seine Rolle und die Entscheidungen während des Krieges verteidigte. Kritiker werten diese Texte als versuchte Rehabilitation seiner Person, während Befürworter seine militärischen Leistungen hervorheben.
Am Heiligabend 1980 starb Karl Dönitz an einem Herzinfarkt im Alter von 89 Jahren. Sein Leben und Wirken bleiben Gegenstand intensiver historischer Debatten, in denen militärische Kompetenz, moralische Verantwortung und rechtliche Bewertung seiner Entscheidungen miteinander in Beziehung gesetzt werden.
Wirkung und historische Bewertung
- Militärische Bedeutung: Dönitz gilt als einflussreicher Pionier der U-Boot-Taktik und als zentraler Akteur in der Schlacht um den Atlantik. Seine Forderung nach konzentrierter, koordinierten U-Boot-Angriffen veränderte die Seekriegsführung.
- Rechtliche und moralische Kontroversen: Die Rechtmäßigkeit des uneingeschränkten U-Boot-Krieges sowie Befehle wie jene nach der Laconia-Affäre sind bis heute umstritten. Die Nürnberger Urteilspraxis und Vergleiche mit alliierter Kriegsführung werden in der Forschung ausführlich diskutiert.
- Öffentliche Erinnerung: In der Erinnerungskultur wird Dönitz ambivalent betrachtet: Als fähiger Marineoffizier anerkannt, zugleich wegen seiner Rolle in einem verbrecherischen Regime und wegen der Folgen seiner Befehle kritisiert.
Fragen und Antworten
F: Wer war Karl Dönitz?
A: Karl Dönitz war ein deutscher Marineoffizier, der in der zweiten Hälfte des Zweiten Weltkriegs die deutsche Kriegsmarine befehligte und nach dem Selbstmord Adolf Hitlers 23 Tage lang das Amt des Bundespräsidenten innehatte.
F: Wie kam er zu seinem Spitznamen?
A: Man nannte ihn "der Löwe" (the Lion).
F: Wann trat er in die Kaiserliche Marine ein?
A: Er trat im Jahr 1911 in die Kaiserliche Marine ein.
F: Welche Position hatte er während des Ersten Weltkriegs inne?
A: Während des Ersten Weltkriegs diente er auf Überwasserschiffen. Später wurde er zu den U-Booten versetzt.
F: Welche Rolle spielte er in der Atlantikschlacht?
A: Unter seinem Kommando kämpfte die U-Boot-Flotte in der Atlantikschlacht.
F: Was geschah nach dem Selbstmord von Adolf Hitler?
A: Nach dem Selbstmord von Adolf Hitler wurde Dönitz für 23 Tage Reichspräsident.
F: Wie lauteten seine Verurteilungen bei den Nürnberger Prozessen?
A: Bei den Nürnberger Prozessen wurde Dönitz wegen "Verbrechen gegen den Frieden" und "Kriegsverbrechen" angeklagt und verurteilt.
Suche in der Enzyklopädie