Überblick

Kapillaren sind die feinsten Gefäße des Kreislaufsystems und bilden das Netz, in dem der eigentliche Stoffaustausch zwischen Blut und Gewebe stattfindet. Als Verbindung zwischen Arterien bzw. Arteriolen und Venolen leiten sie das Blut weiter und sorgen dafür, dass Sauerstoff, Nährstoffe und andere gelöste Substanzen an die Zellen gelangen. Typische Durchmesser liegen im Bereich von etwa 5–10 µm, sodass meist nur einzelne Erythrozyten hindurchpassen.

Aufbau und Eigenschaften

Die Wand einer Kapillare besteht im Wesentlichen aus einer einzigen Schicht von Endothelzellen und einer dünnen Basalmembran. Diese einzelzellige Wand fehlt die mehrschichtige Muskulatur oder elastische Tunica, wie sie bei größeren Blutgefäßen vorkommt. Um den Gefäßen herum findet man Perizyten, die die Stabilität erhöhen und die Durchblutung lokal regulieren können. Regulation erfolgt außerdem über Präkapillarsphinkter und den Tonus der Zulaufarteriolen.

Arten von Kapillaren

  • Kontinuierliche Kapillaren: enge Zellkontakte, durchlässig für kleine Moleküle; typisch in Muskel- und Nervengewebe.
  • Fenestrierte Kapillaren: mit Poren in den Endothelzellen, erlauben raschen Austausch von Flüssigkeit und gelösten Stoffen; vorkommend in Nieren und Darm.
  • Sinusoide (diskontinuierliche): große Spalten und unregelmäßige Basalmembran; finden sich in Leber, Milz und Knochenmark.

Funktion und Mechanismen des Austauschs

Kapillaren ermöglichen den Austausch von Sauerstoff, Kohlendioxid, Nährstoffen, Wasser und Abfallstoffen zwischen Blut und Interstitium. Austauschwege sind einfache Diffusion, gefäßwandgebundene Filtration und in einigen Fällen Vesikel-vermittelte Transzytose. Die Richtung und Menge des Flüssigkeitsaustauschs werden durch hydrostatische und kolloidosmotische Kräfte beschrieben (Starling-Gleichgewicht).

Geschichte und klinische Bedeutung

Die Existenz der Kapillaren wurde im 17. Jahrhundert beschrieben und erklärte, wie Arterien und Venen funktionell verbunden sind. Klinisch spielen Kapillaren eine zentrale Rolle bei Entzündungen, Ödemen, Wundheilung und der Tumorangiogenese. Störungen der Kapillarfunktion tragen zur diabetischen Mikrovaskulopathie, Hypoxie in Gewebe oder pathologischer Flüssigkeitsansammlung bei. Messverfahren wie der Kapillarfüllungszeit-Test oder bildgebende Verfahren bewerten den Mikrokreislauf in verschiedenen medizinischen Situationen.

Weitere vertiefende Informationen finden Sie in spezialisierten Quellen und Übersichtsarbeiten zur Mikroangiologie sowie in Lehrbüchern der Physiologie und Pathologie. Kapillare als Blutgefäß und Begriffe wie Stofftransport werden dort ausführlich behandelt.