Die Kultur der Linearbandkeramik war eine wichtige Kultur im Neolithikum (später Steinzeit) Europas. Sie fand von etwa 5500–4500 v. Chr. statt. Sie wird mit LBK abgekürzt und ist auch als die Kultur der linearen Bandkeramik, der linearen Ware, der linearen Keramik oder der eingeschnittenen Ware bekannt.
Die meisten Zeugnisse für diese Kultur finden sich in Mitteleuropa. Sie ist ein zentrales Zeugnis für die frühe Landwirtschaft in Europa. Die Keramik, nach der sie benannt wurde, besteht aus einfachen Tassen, Schalen, Vasen und Krügen ohne Henkel. Diese Gefäße dienten als Küchengeschirr oder zum Transport von Speisen und Getränken. Charakteristisch sind lineare Verzierungsmuster, die häufig mit einem Kamm, einer Nadel oder eingeschnittenen Linien angebracht wurden.
Verbreitung und Chronologie
Die LBK breitete sich vom Karpatenbecken aus nach Westen und Norden aus und erreichte entlang großer Flusstäler wie Rhein, Donau, Elbe und Weichsel große Teile Mitteleuropas. Archäologisch lässt sich die Kultur in heutigen Gebieten von Ungarn und Slowakei bis nach Frankreich, Belgien und den Niederlanden sowie bis in Teile Süddeutschlands und Polens nachweisen. Innerhalb der LBK werden regional unterschiedliche Varianten und phasen unterschieden (frühe, mittlere und späte LBK), die sich in Siedlungsdichte, Keramikstil und Bestattungssitten unterscheiden.
Wirtschaft und Lebensweise
- Agrarwirtschaft: Die LBK-Gemeinschaften betrieben Ackerbau mit Getreidearten wie Einkorn, Emmer, Gerste sowie Hülsenfrüchten (Erbsen, Linsen). Die Landwirtschaft war die Grundlage der Ernährung.
- Tierhaltung: Domestizierte Tiere wie Rind, Schaf/Ziege und Schwein spielten eine wichtige Rolle. Haustierhaltung lieferte Fleisch, Milchprodukte, Wolle und Zug- bzw. Arbeitstiere.
- Jagd und Sammeln: Die Jagd auf Wildtiere, Fischfang und das Sammeln wildwachsender Pflanzen ergänzten die Nahrung und Rohstoffversorgung.
Siedlungen und Architektur
Typisch für die LBK sind langgestreckte Hausbauten, oft als sogenannte Langhäuser beschrieben. Diese Häuser konnten Längen von 20 bis über 30 Metern erreichen und enthielten mehrere Funktionen (Wohnen, Lager, Stall). Siedlungen lagen häufig in fruchtbaren Flusstälern auf Lössstandorten. Die Anordnung der Häuser sowie Gruben und Pfostenanlagen geben Hinweise auf organisierte Gemeinschaften mit klaren Siedlungsstrukturen.
Materielle Kultur
- Keramik: Schlichte Gefäßformen mit linearer Verzierung – von dünnwandigen Trinkgefäßen bis zu größeren Vorratsgefäßen.
- Steinwerkzeuge: Polierte Beile und Äxte, Sicheln mit Feuersteinabschlägen sowie unterschiedlichste Werkzeuge für die Feldarbeit und Holzverarbeitung.
- Textilien und Holz: Direkte Belege sind selten erhalten, doch finden sich Funde von Webgewichten und Holzkonstruktionen, die auf Kenntnisse in Weberei und Holzbau hinweisen.
Bestattung und soziale Struktur
Die Bestattungssitten der LBK sind regional unterschiedlich: Es gibt einzelne Gräber, Gräberfelder und Bestattungen in oder neben Siedlungen. Beigaben sind meist sparsam; Schmuckstücke und Werkzeuge kommen vor, deuten aber nicht auf stark ausgeprägte soziale Hierarchien hin. Aus archäologischen Befunden und Siedlungsstrukturen wird auf kleinteilige, familien- oder verwandschaftsbasierte Gemeinschaften geschlossen.
Genetische und kulturelle Herkunft
Zur Frage, ob sich die Landwirtschaft durch Wanderung bäuerlicher Gruppen aus dem Nahen Osten (demisch) oder überwiegend durch kulturelle Übernahme der Technik verbreitete, liefert die moderne aDNA-Forschung wichtige Hinweise: Viele Analysen deuten darauf hin, dass tatsächlich Menschen aus südöstlichen Regionen nach Mitteleuropa einwanderten und ihre Landwirtschaft mitbrachten, wobei sie sich in unterschiedlichem Maße mit lokalen Jäger-Sammler-Gruppen vermischten. Dennoch blieben regionale Entwicklungen und Anpassungen deutlich.
Ende und Nachfolge
Gegen etwa 4500 v. Chr. wandelte sich die Siedlungslandschaft: Die LBK löste sich nicht plötzlich auf, sondern ging in verschiedene regionale Kulturtraditionen über, aus denen später weitere neolithische Gruppen in Mitteleuropa hervorgingen. Veränderungen in Siedlungsdichte, Keramikstilen und Wirtschaft zeigen einen anhaltenden kulturellen Wandel.
Bedeutung
Die Linearbandkeramik ist ein Schlüsselphänomen für das Verständnis des Neolithikums in Europa: Sie dokumentiert die Ausbreitung der Landwirtschaft, die Entwicklung dauerhafter Siedlungen und langanhaltender technologischer Traditionen. Ihre Funde liefern wichtige Erkenntnisse zur Umweltnutzung, Sozialorganisation und zum Austausch in der frühen europäischen Vorgeschichte.


