Unterkreide (Frühkreide): Geologie, Stratigraphie und Bedeutung
Die Unterkreide (ca. 145–100,5 Mio. Jahre) beschreibt die frühe Phase der Kreidezeit: Stratigraphie, typische Gesteinsfolgen (Wealden, Greensand, Gault), Paläogeographie, Klima und fossile Lebensgemeinschaften.
Überblick
Die Unterkreide, häufig auch als Frühkreide bezeichnet, umfasst das Zeitintervall von ungefähr 145 bis 100,5 Millionen Jahren vor heute und bildet die untere Hälfte der Kreideperiode. Dieses Intervall zeichnet sich durch bedeutende tektonische Umgestaltungen, Meeresspiegelschwankungen und das erstmalige großflächige Auftreten moderner Pflanzengruppen aus. Die Phase markiert eine fortschreitende Zerklüftung alter Großkontinente und die Öffnung neuer Meeresbecken, die entscheidend für die Umverteilung von Sedimenten und die Ausbreitung mariner Lebensräume war.
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3 BilderStratigraphie und Gliederung
International wird die Unterkreide in mehrere Stufen gegliedert, darunter das Berriasium, Valanginium, Hauterivium, Barremium, Aptium und Albian. Regional können sich die Benennungen und Unterteilungen unterscheiden, doch dienen Ammonoideen, Foraminiferen und andere Leitfossilien häufig zur biostratigraphischen Korrelation. Ergänzend kommen radiometrische Altersbestimmungen zum Einsatz, um absolute Zeitanker zu setzen.
Charakteristische Gesteinsfolgen
Die Sedimente der Unterkreide spiegeln überwiegend wechselnde Ablagerungsbedingungen wider: kontinentalnahe Fluss- und Deltaablagerungen, küstennahe Sandsteine und küstennah bis marinal abgelagerte Tone und Kalkmergel. In Südengland bilden die klassischen Abfolgen Wealden (kontinentale Fluss- und Lagunenablagerungen), der Lower Greensand (oft olivgrüne, eisenreiche Sande) und der Gault Clay (dichter, blauer Ton) ein anschauliches Beispiel für den Übergang von terrigenen zu marinen Bedingungen. Solche Sequenzen dokumentieren regionale Transgressionen und Regressionen des Meeres.
Paläogeographie und Meeresspiegel
Während der Unterkreide herrschten generell warme, greenhouseartige Klimabedingungen ohne ausgeprägte polare Eisschilde. Dennoch variierten Meeresspiegel und Küstenverläufe regional stark. Insgesamt lag der Meeresspiegel in der Unterkreide meist niedriger als in Teilen der Oberkreide, sodass weite Küstenflächen, Flussdeltas und Binnenbecken verbreitet waren. Gegen Ende der Unterkreide kam es zu großräumigen marinen Transgressionen, die in der Oberkreide zu noch höheren Meeresspiegelständen führten.
Tektonik und Sedimentationsräume
Die tektonische Fragmentierung der Landmassen förderte die Entstehung neuer Becken und Schelfbereiche, in denen dicke Sedimentpakete abgelagert wurden. Riftphasen und beginnende Ozeanöffnung führten zu regional unterschiedlichen Sedimentationsraten und Fazieswechseln. Entlang aktiver Randsäume bildeten sich Schelf- und Marginalmeere, während im Inneren von Kontinenten Fluss- und Seeablagerungen dominierten.
Fauna und Flora
Die Unterkreide besitzt eine reiche und vielfältige Fossilüberlieferung. An Land dominierten verschiedene Dinosauriergruppen, darunter große Sauropoden, ornithopode Formen und Theropoden. Daneben sind Schildkröten, frühe Formen von Krokodilverwandten und kleine säugetierartige Tiere verbreitet. Ein besonders bedeutender biologischer Wandel in dieser Zeit ist das Aufkommen und die allmähliche Ausbreitung der Angiospermen (Blütenpflanzen), die sukzessive ökologische Nischen besetzten und langfristig das Erscheinungsbild terrestrischer Ökosysteme veränderten. Im Meer waren Ammonoideen, Bivalven, verschiedene Fische sowie marine Reptilien wie Plesiosaurier häufig vertreten und lieferten zahlreiche Fossilfunde.
Wirtschaftliche und wissenschaftliche Bedeutung
Unterkretazische Sedimente sind in vielen Regionen wichtig für die Erdöl- und Erdgasforschung, weil Sandstein- und Kalkhorizonte potenziell poröse Reservoirgesteine bilden können, während Tonsteine als Dichtungsschichten fungieren. Darüber hinaus sind die Sedimente und Fossilien der Unterkreide für die Rekonstruktion von Klimaentwicklung, Meeresniveauveränderungen und der frühen Evolution moderner Organismengruppen von hohem wissenschaftlichem Interesse.
Datierung und Korrelierung
Die Datierung der Unterkreide erfolgt durch eine Kombination aus Biostratigraphie (Leitfossilien wie Ammonoideen und Foraminiferen), Magnetostratigraphie und radiometrischen Methoden (z. B. Ar‑Ar oder U‑Pb in vulkanischen Intervallen). Diese multiplen Linien erlauben die Korrelation zwischen Kontinenten und die Feinabstimmung stratigraphischer Grenzen.
Regionale Ausprägungen
Weltweit zeigen unterschiedliche Regionen charakteristische Ausprägungen der Unterkreide. In Europa sind die Weald–Greensand–Gault‑Abfolgen besonders klassisch, in anderen Teilen der Welt treten fluviale, lacustrine oder küstennahe marine Fazies auf. Diese regionalen Unterschiede spiegeln lokale Tektonik, Sedimentzufuhr und Meeresspiegellevel wider.
Forschungsgeschichte
Die Erforschung der Unterkreide begann im 19. Jahrhundert mit klassischen Aufschlüssen in England und setzte sich weltweit fort. Stratigraphische Begrenzungen und interne Gliederungen wurden über Jahrzehnte verfeinert, wobei neue Methoden der Altersbestimmung und Paläoumweltanalyse die Detailkenntnis ständig verbesserten.
Weiterführende Links
- Allgemeine Übersicht zur Unterkreide
- Stratigraphische Einordnung
- Kreidezeit im Überblick
- Geologische Zeitskala und Daten
- Phanerozoikum: Übersicht
- Vergleich mit anderen Perioden
- Typische Aufschlüsse in England
- Meeresspiegelveränderungen
- Süßwasser- und Brackwasserfazies
- Sandbildungsprozesse
- Tropische Flusssysteme in der Erdgeschichte
- Geflochtene Flüsse: Ablagerungsmuster
- Lehmbildung in Küstenzonen
- Greensand: Entstehung und Eigenschaften
- Gault-Ton und ruhige Meeresablagerungen
- Meeresspiegel im Vergleich zur Oberkreide
- Wealden-Deltas und Ablagerungsräume
- Küstennahe Ablagerungen im Greensand
- Festlandsockel und Ablagerungen
- Meeresspiegelmaximum im Mesozoikum
Fragen und Antworten
F: Was ist die Untere Kreidezeit?
A: Die Unterkreidezeit ist die erste geologische Epoche der Kreidezeit. Sie begann vor 145 Millionen Jahren und endete vor 100,5 Millionen Jahren und dauerte etwa 46 Millionen Jahre.
F: Wo ist die Unterkreide am besten zu sehen?
A: Die Unterkreide ist am besten in England zu sehen, wo sie aus zwei Gesteinsserien besteht, zwischen denen der Meeresspiegel stark angestiegen ist.
F: Aus welchen zwei Teilen besteht die Unterkreide?
A: Die beiden Teile der Unterkreide sind die Wealden Beds und die Greensands. Die Wealden Beds wurden in Süß- oder Brackwasser abgelagert, während die Sande aus einer Überschwemmungsebene und die Tone aus einer Lagunenebene an der Küste stammten. Bei den Greensands handelte es sich um einen olivgrünen Sandstein, der im Meer abgelagert wurde und von Gault Clay überlagert wurde, einer Formation aus steifem, blauem Ton, die in einer ruhigen, relativ tief gelegenen Meeresumgebung abgelagert wurde.
F: Wie unterscheidet sich der Meeresspiegel in der Ober- und Unterkreide?
A: In der Unterkreide war der Meeresspiegel viel niedriger als in der Oberkreide. In Südengland war er in diesem Zeitraum ein riesiges tropisches Flussdelta, während er in der Oberkreide nur vor der Küste auf dem damaligen Kontinentalschelf auf dem höchsten Stand des Mesozoikums lag.
F: Wie lange dauerte diese Phase?
A: Diese Phase dauerte etwa 46 Millionen Jahre und war damit die längste Phase des Phanerozoikums.
F: Unter welchen Umweltbedingungen haben sich die Wealden Beds gebildet?
A: Die Wealden Beds bildeten sich unter Süßwasser- oder Brackwasserbedingungen, wobei die Sande aus den Überschwemmungsebenen großer tropischer Brachialflüsse und die Tone aus den Lagunenebenen an der Küste stammten.
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Autor
AlegsaOnline.com Unterkreide (Frühkreide): Geologie, Stratigraphie und Bedeutung Leandro Alegsa
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