Das Äon des Phanerozoikums ist das aktuelle Äon auf der geologischen Zeitskala. Es ist dasjenige, in dem reichlich Tierleben existiert hat. Es erstreckt sich über etwa 541 Millionen Jahre und geht auf die Zeit zurück, als hartschalige Tiere erstmals auftraten. Man glaubte einst, dass das Leben im Kambrium, der ersten Periode dieses Äons, begann.
Die Zeit vor dem Phanerozoikum, früher Präkambrium genannt, wird heute in das Hadeanische, Archäische und Proterozoische Zeitalter unterteilt.
Überblick und zeitliche Einordnung
Das Phanerozoikum begann vor etwa 541 Millionen Jahren und reicht bis in die Gegenwart. Der Name leitet sich vom Griechischen ab und bedeutet so viel wie „sichtbares Leben“ – gemeint ist damit das reichhaltige Vorkommen an makroskopischen, oft hartschaligen Fossilien, die im Gestein dieses Äons gut erhalten sind. Die Grenze zwischen Präkambrium und Phanerozoikum wird heute durch international festgelegte stratigraphische Referenzpunkte (GSSP) und radiometrische Datierung bestimmt.
Gliederung des Phanerozoikums
- Paleozoikum (ca. 541–252 Mio. Jahre): beginnt mit dem Kambrium und umfasst Ordovizium, Silur, Devon, Karbon und Perm. Kennzeichnend sind die »Kambrische Explosion« der Tierstämme, die Eroberung des Landes durch Pflanzen und Tiere sowie der Aufbau großer Kohlespeicher im Karbon.
- Mesozoikum (ca. 252–66 Mio. Jahre): Trias, Jura und Kreide. In dieser Zeit dominierten Reptilien, darunter die Dinosaurier; es entstanden moderne Kontinentkonfigurationen und klimatische Veränderungen prägten die Evolution.
- Cenozoikum (ca. 66 Mio. Jahre bis heute): beginnt nach dem Massenaussterben am Ende der Kreidezeit und umfasst Paleogen, Neogen und das Quartär. Säugetiere und Vögel entwickelten sich zu dominanten Tiergruppen; im Quartär entstanden die Eiszeiten und letztlich der Mensch.
Wichtige Ereignisse und Prozesse
- Kambrische Explosion: rasche Zunahme der Vielfalt komplexer, hartschaliger Tiere zu Beginn des Kambriums.
- Landbesiedlung: Pflanzen undarthropoden, später Wirbeltiere, besiedelten ab dem Silur–Devon das Festland, was Ökosysteme und Bodenbildung veränderte.
- Plattentektonik und Gebirgsbildung: Wanderung und Zusammenbruch von Kontinenten (z. B. Entstehung und Zerfall von Pangaea) beeinflussten Klima und Meereszirkulation.
- Massenaussterben: Im Phanerozoikum gab es mehrere große Aussterbeereignisse (u. a. Ordovizisch-Silur, Spätdevon, Perm-Trias—das größte—, Trias-Jura, Kreide-Paläogen), die biologische Umbrüche und Neuanfänge verursachten.
- Klimawandel und Meeresspiegelwechsel: Warmzeiten, Eiszeiten und schwankende Meeresspiegel formten Lebensräume und förderten Evolution und Aussterben.
Belege und Datierung
Unser Wissen über das Phanerozoikum fußt auf Fossilien, Sedimentschichten, geochemischen Signalen (z. B. Isotopen), sowie auf radiometrischer Datierung von vulkanischen Schichten. Stratigraphische Korrelationen und international festgelegte Grenzpunkte (GSSP) sichern eine einheitliche Zeitskala.
Bedeutung für Mensch und Erde
Das Phanerozoikum dokumentiert die Entstehung der meisten Tier- und Pflanzenstämme, die Entwicklung komplexer Ökosysteme und die Bildung vieler heute genutzter Rohstoffe (z. B. Kohle, Erdöl, Erdgas). Die jüngsten Ereignisse im Quartär führten zur Evolution des Menschen; die anhaltende starke Einwirkung des Menschen auf Klima, Biodiversität und Sedimentkreisläufe hat zur Diskussion geführt, ob eine neue, vom Menschen geprägte Epoche — das Anthropozän — formal definiert werden sollte.
Fazit
Das Phanerozoikum ist das Äon des sichtbaren, vielfach fossilen Lebens und umfasst zentrale Entwicklungsphasen der Erdgeschichte: von der schnellen Ausbreitung vielzelliger Tiere über die Besiedelung der Kontinente bis zu den großen Umwälzungen durch Massenaussterben und tektonische Umgestaltungen. Es ist zugleich die Zeiteinheit, in der sich die Grundlagen für die heutige Biosphäre und die von Menschen genutzten geologischen Ressourcen herausbildeten.

