Der Angriff auf Pearl Harbor war ein Überraschungsangriff Japans auf den neutralen Marinestützpunkt der Vereinigten Staaten in Pearl Harbor, Hawaii, am Morgen des 7. Dezember 1941. Er führte die Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg. Japan plante einen Krieg in Südostasien gegen Großbritannien und die Niederlande sowie gegen die Vereinigten Staaten auf den Philippinen. All diese Länder weigerten sich, Erdöl und andere Kriegsvorräte zu verkaufen, die Japan für den Zweiten Sino-Japanischen Krieg benötigte. Japan griff an, damit die US-Pazifikflotte, bei der es sich um eine Sammlung von Schiffen handelte, die die Vereinigten Staaten in einem Krieg einsetzen konnten, nicht in diesen Krieg eingreifen würde.
Der Angriff bestand aus zwei Luftangriffswellen (die dritte wurde annulliert) mit insgesamt 353 Flugzeugen, die von sechs japanischen Flugzeugträgern gestartet wurden. Ihr Kommandant war Admiral Isoroku Yamamoto. Bei dem Angriff kamen 2.390 Menschen ums Leben.
Alle acht amerikanischen Schlachtschiffe im Hafen wurden versenkt, zusammen mit mehreren anderen Schiffen. Die USS Arizona (BB-39) explodierte; die anderen Schlachtschiffe wurden später wieder flottgemacht. Die drei amerikanischen Flugzeugträger (Enterprise, Lexington und Saratoga) befanden sich woanders. Hunderte von Flugzeugen wurden zerstört und die Landanlagen leicht beschädigt. Japan erklärte den Vereinigten Staaten am selben Tag den Krieg.
Ursachen
Die Hauptgründe für den Angriff lagen in Japans wirtschaftlichem und strategischem Bedarf an Rohstoffen (vor allem Erdöl) sowie in dem Wunsch, seine Expansion in Südostasien und im Pazifik ohne Einmischung der USA durchzusetzen. Seit 1937 war Japan im Zweiten Sino-Japanischen Krieg engagiert; als Reaktion auf die japanischen Eroberungen verhängten die USA, Großbritannien und die Niederlande Embargos und Einfuhrstopps. Diese Maßnahmen bedrohten Japans militärische Handlungsfähigkeit. Admiral Isoroku Yamamoto befürwortete einen Präventivschlag, um die US-Pazifikflotte so weit zu schwächen, dass Japan seine Operationen in Südostasien ungehindert fortsetzen konnte.
Ablauf des Angriffs
Der Angriff begann am Morgen des 7. Dezember 1941 (Hawaii-Zeit). Die Angriffsflotte hatte sechs Träger (u. a. Akagi, Kaga, Soryu, Hiryu, Shokaku, Zuikaku) und setzte zwei Wellen sowie einige Mini-U-Boote ein. Admiral Chuichi Nagumo führte die eigentliche Trägerstreitmacht, Yamamoto hatte die Operation geplant.
- Erste Welle: Ziel waren Schlachtschiffe und Marineanlagen, Beginn ca. 07:55 Uhr.
- Zweite Welle: Ziel waren Flugfelder, Ausrüstungsdepots und Werften, Beginn etwa eine Stunde später.
- Eine geplante dritte Welle wurde aus taktischen Gründen abgebrochen.
Zu den wichtigsten Schäden gehörten das schwere Vernichten von Kriegsschiffen und Flugzeugen sowie die Explosion der USS Arizona (BB-39). Insgesamt wurden Hunderte Waffen- und Versorgungsanlagen beschädigt. Moderne Quellen nennen insgesamt 2.403 Tote und rund 1.178 Verwundete auf US-Seite; japanische Verluste waren vergleichsweise gering (etwa 64 Tote und einige beschädigte Flugzeuge).
Wichtige taktische Aspekte:
- Die drei im Pazifik operierenden US-Flugzeugträger waren nicht im Hafen und blieben unbeschädigt — ein entscheidender Umstand.
- Viele strategische Einrichtungen wie Treibstofflager, Reparaturbasen und Teile der Flotte blieben funktionstüchtig oder konnten wiederhergestellt werden.
- Die Zerstörung der US-Pazifikflotte war nicht vollständig: die Flugzeugträger, die Luftwaffenbasiskapazität und die industrielle Basis der USA blieben intakt.
Unmittelbare Folgen
- Am 8. Dezember 1941 (Ortszeit USA) erklärte Präsident Franklin D. Roosevelt dem Kongress, dass der Angriff ein „Datum, das in Schande leben wird“ („a date which will live in infamy“) sei; daraufhin stimmte der Kongress der Kriegserklärung gegen Japan zu — die Vereinigten Staaten traten offen in den Zweiten Weltkrieg ein.
- Kurz danach erklärten Deutschland und Italien den Vereinigten Staaten den Krieg (11. Dezember 1941), woraufhin die USA auch gegen die Achsenmächte in Europa aktiv wurden.
- In den USA führte der Angriff zu starker Mobilisierung: Rüstungsproduktion, Wehrpflicht und Umstellung der Wirtschaft auf Kriegsproduktion beschleunigten sich dramatisch.
- Innerhalb der USA hatte der Angriff auch innere Folgen: Unter anderem erließ die Regierung Maßnahmen wie die Internierung von rund 120.000 Personen japanischer Abstammung (Executive Order 9066, 1942), eine heute als schwer umstrittene Maßnahme betrachtete Verletzung bürgerlicher Rechte.
Langfristige militärische und geopolitische Folgen
Strategisch war der Angriff ein kurzfristiger Erfolg für Japan, doch auf lange Sicht erwies er sich als Fehler: Durch das Hervorrufen eines entschlossenen amerikanischen Kriegseintritts und der vollen industriellen Mobilisierung der USA verlor Japan die strategische Initiative. Wesentliche Folgen:
- Die Schlacht um den Pazifik entwickelte sich zu einem langen, verlustreichen Krieg; entscheidende Wendepunkte waren u. a. die Schlacht um Midway (Juni 1942), in der die US-Marine vier japanische Träger versenkte und die japanische Seestreitkraft schwächte.
- Die USA bauten ihre Flotte und Luftstreitkräfte schnell aus und setzten massive industrielle Kapazitäten für den Krieg um.
- Der Angriff veränderte die globale Machtbalance: Die USA wurden zur führenden Militär- und Wirtschaftsmacht der Nachkriegszeit, mit nachhaltigen Folgen für die internationale Ordnung nach 1945.
- Symbolisch blieb Pearl Harbor tief im kollektiven Gedächtnis: Das Denkmal auf der versunkenen USS Arizona (BB-39) ist heute ein Mahnmal und Gedenkort.
Wichtige Fakten auf einen Blick
- Datum: 7. Dezember 1941 (Hawaii-Zeit)
- Angreifer: Kaiserlich Japanische Marine (Trägergestützte Luftstreitkräfte)
- Angriffsstärke: ca. 353 Flugzeuge in zwei Wellen
- US-Verluste: etwa 2.403 Tote und rund 1.178 Verwundete (moderne Zahlenangaben)
- Japanische Verluste: vergleichsweise gering (rund 64 Tote)
- Strategische Folge: Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg und langfristige Verschiebung der weltpolitischen Machtverhältnisse
Der Angriff auf Pearl Harbor bleibt ein Schlüsselereignis des 20. Jahrhunderts: Er markierte das Ende der Isolation der Vereinigten Staaten, führte zu einer massiven globalen Eskalation des Krieges und hat bis heute Bedeutung für Erinnerungskultur, Militärstrategie und internationales Recht.