Das vietnamesische Alphabet (chữ Quốc ngữ in Vietnamesisch) ist eine standardisierte Form des lateinischen Alphabets, mit dem die vietnamesische Sprache geschrieben wird. Es verwendet alle Buchstaben des lateinischen Grundalphabets der ISO, einschließlich F, J, W und Z, die jedoch meist nur in Fremdwörtern vorkommen. Das Alphabet wurde so angepasst, dass die Besonderheiten der vietnamesischen Aussprache korrekt wiedergegeben werden: einzelne Buchstaben, zusätzliche Buchstaben und mehrere diakritische Zeichen markieren Lautqualität und Tonhöhe. Einige Buchstaben und Digraphen haben Laute, die sich von denen im westeuropäischen Lateinischen unterscheiden (z. B. D, R, GI). Außerdem wurde der Buchstabe Đ/đ eingeführt, um ihn eindeutig vom D zu trennen. Vokale werden durch zusätzliche Diakritika unterschieden (z. B. A, Â, Ă) und es gibt sechs Tonzeichen (z. B. Á, Ả, Ã, Ạ, À). Einige Vokale können gleichzeitig eine Vokal- und eine Tonmarkierung tragen — etwa ă mit einem Tonzeichen: ắ, ẳ, ẵ, ặ, ằ. Anhand der Kombinationen von Zeichen lässt sich oft erkennen, dass ein Wort vietnamesisch ist.

Buchstaben und Reihenfolge

Das vietnamesische Alphabet besteht aus 29 Buchstaben der Grundreihe (A–Z) plus den zusätzlich markierten Vokalen. Die gebräuchliche Reihenfolge lautet:

  • A, Ă, Â, B, C, D, Đ, E, Ê, G, H, I, K, L, M, N, O, Ô, Ơ, P, Q, R, S, T, U, Ư, V, X, Y

Die Buchstaben F, J, W und Z kommen nur in Lehnwörtern vor und werden meist am Ende oder in speziellen Listen aufgeführt. Digraphen und Trigraphen, die als einzelne Laute gelten, sind z. B. ch, gh, gi, kh, ng, ngh, nh, ph, qu, th, tr.

Vokale und Diakritika

Vietnamesisch unterscheidet zahlreiche Vokalphonetiken. Neben den Grundvokalen A, E, I, O, U, Y existieren folgende modifizierten Vokale:

  • Ă (breve) — kurz, z. B. ăn
  • Â (Zirkumflex) — geschlossene zentrale Vokal, z. B. âm
  • Ê (Zirkumflex) — e-Variante, z. B.
  • Ô (Zirkumflex) — o-Variante, z. B.
  • Ơ (Horn) — offener o-Laut, z. B.
  • Ư (Horn) — offener u-Laut, z. B.

Vokaldiakritika (Breve, Zirkumflex, Horn) kennzeichnen die Vokalqualität. Zusätzlich werden Tonzeichen über oder unter dem Vokal gesetzt; beide Arten können in einem Zeichen kombiniert vorkommen (z. B. ấ, ề, ộ).

Töne — Namen und Zeichen

Vietnamesisch ist eine Tonsprache mit sechs Tonstufen im Standardnordvietnamischen. Die Töne haben vietnamesische Namen und werden typografisch so markiert:

  • Ngang (tonlos / flach) — kein zusätzliches Zeichen, z. B. ma
  • Sắc (steigend) — Akut (´), z. B.
  • Huyền (fallend) — Grave (`), z. B.
  • Hỏi (fallend-steigend) — Haken über dem Buchstaben (ˀ bzw. ̉), z. B. mả
  • Ngã (stossend / schwingend) — Tilde (˜), z. B.
  • Nặng (stimmhaft kurz, stopfend) — Punkt unter dem Buchstaben (.), z. B. mạ

Beispiele mit demselben Vokal: a, á, à, ả, ã, ạ.

Schreibregeln und Platzierung der Zeichen

Regeln zur Platzierung der Tonzeichen:

  • Das Tonzeichen wird auf dem Kernvokal der Silbe platziert. Bei einfachen Vokalen ist das eindeutig; bei Diphthongen/Triphthongen richtet man sich nach einer Prioritätsregel (meist auf dem eindeutigen „Träger“-Vokal, z. B. bei hoa auf dem o).
  • Vokalqualität-Diakritika (Ă, Â, Ê, Ô, Ơ, Ư) werden zusammen mit dem Tonzeichen kombiniert — typografisch gibt es dafür zusammengesetzte Zeichen in Unicode.
  • Bei der Großschreibung wird Đ groß als Đ geschrieben; Ton- und Vokaldiakritika bleiben erhalten (z. B. "Đặng").

In digitalen Texten werden die kombinierten Zeichen in Unicode unterstützt, entweder als einzelne vorgefertigte (precomposed) Zeichen oder als Kombination mehrerer Codepoints (base + combining marks). Moderne Fonts und Betriebssysteme sollten alle gebräuchlichen Kombinationen korrekt darstellen.

Kurz zur Geschichte

Das moderne vietnamesische Schriftsystem (chữ Quốc ngự) entstand aus dem lateinischen Alphabet, das von europäischen Missionaren (vor allem portugiesischen, später französischen) im 17. Jahrhundert eingeführt und im 19. Jahrhundert weiter standardisiert wurde. Bedeutende Figuren in der Entwicklung sind u. a. Alexandre de Rhodes, der zur Verbreitung und Standardisierung beitrug. Ziel war eine leichter erlernbare Schrift im Gegensatz zu den zuvor verwendeten chinesischen Schriftzeichen (chữ Hán) bzw. den sinisierten lokalen Varianten (chữ Nôm).

Regionale Ausspracheunterschiede

Die Aussprache einzelner Konsonanten variiert regional (Nord- vs. Südvietnam). So klingen D und Đ, R und GI in manchen Dialekten unterschiedlich. Diese Unterschiede betreffen jedoch in der Regel nicht die Schriftsprache, die landesweit einheitlich ist.

Zusammenfassung

Das vietnamesische Alphabet ist ein an das Lautsystem angepasstes lateinisches Alphabet mit zusätzlichen Buchstaben und Diakritika zur Markierung von Vokalqualität und Ton. Es ist relativ regelhaft und gut für digitale Verarbeitung geeignet, benötigt jedoch korrekte Unterstützung von Fonts und Input-Methoden, um alle Zeichen und Tonkombinationen fehlerfrei darzustellen.