Vokallänge (Vokalquantität): Definition, Beispiele und Sprachunterschiede
Vokallänge (Vokalquantität) verständlich erklärt: Definition, Beispiele und Sprachunterschiede – von Japanisch bis Altenglisch mit IPA-Hinweisen und Hörbeispielen.
Vokallänge (auch Vokalquantität genannt) bezeichnet in der Phonetik und Phonologie die Differenz in der Dauer, mit der ein Vokal ausgesprochen wird. In vielen Sprachen führt ein Unterschied in der Vokallänge zu unterschiedlichen Wörtern (phonemische Vokallänge), in anderen Sprachen ist die Vokallänge nur eine phonetische Variante ohne Bedeutungsunterscheidung.
Was bedeutet „lang“ und „kurz“?
Ein kurzer Vokal wird in der Regel kürzer artikuliert, ein langer Vokal deutlich länger. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen
- phonemischer Vokallänge: Die Länge allein ändert die Bedeutung (z. B. Japanisch, Finnisch, Thai);
- allophoner Vokallänge: Die Länge ist abhängig vom phonologischen Umfeld und verändert nicht die Bedeutung (z. B. in vielen Varietäten des Englischen ist Vokallänge oft durch die folgende Konsonantenstimme beeinflusst).
Beispiele
Ein anschauliches Beispiel stammt aus dem Japanischen: chizu (kurzer Vokal) und chīzu (langer Vokal). Der einzige hörbare Unterschied ist die Dauer des Vokals /i/. Chizu bedeutet "Karte", während chīzu "Käse" heißt. In der japanischen Schrift wird ein langer Vokal oft durch das Symbol für Vokalverlängerung (Chōonpu) markiert oder in der Hepburn-Umschrift durch einen Makron (z. B. chīzu) angezeigt.
Bei der Verwendung von IPA wird für lange Vokale häufig das Längenzeichen ː (oder vereinfacht ein Doppelpunkt :) verwendet. Das obige Beispiel kann man daher in IPA so wiedergeben: chizu /t͡ɕizɯ/ und chīzu /t͡ɕiːzɯ/.
Weitere Beispiele:
- Finnisch: tuli (‚Feuer‘) vs. tuuli (‚Wind‘) — Vokallänge ist hier minimalunterscheidend.
- Ungarisch: viele oppositionelle kurze vs. lange Vokale (z. B. kor ‚Alter‘ vs. kór ‚Krankheit‘).
- Estnisch: eine dreistufige Quantitätsunterscheidung (kurz — lang — überlang), z. B. sada vs. saada (unterschiedliche Bedeutungen).
- Italienisch unterscheidet keine Vokallängen phonemisch, wohl aber Konsonantenlänge (Geminaten), z. B. /anno/ ‚Jahr‘ vs. /ano/ ‚Anus‘.
Vokallänge in historischen Stadien und in verschiedenen Sprachen
Viele ältere Sprachstufen wiesen phonemische Vokallängen auf, die in späteren Stadien verloren gehen oder sich verändern können. So hatte das Altenglische noch klare Vokalverlängerungen; im Lauf der Sprachgeschichte (z. B. durch die Große Vokalverschiebung) veränderten sich die Vokalfarben und -dauern, sodass moderne englische Dialekte Vokale meist eher durch Qualität als allein durch Dauer unterscheiden.
Das klassische Latein kannte ebenfalls phonemische Vokallängen und schrieb lange Vokale häufig mit einem Makron (einem horizontalen Strich) über dem Vokal. Ein oft genanntes Paar ist z. B. mālum (mit langem a, ‚Apfel‘ bzw. ‚Apfelbaum‘, je nach Kontext) gegen malum (mit kurzem a, ‚Übel‘). In den heutigen romanischen Sprachen (den Tochtersprachen des Lateinischen) ist die Vokallänge als phonemisches Merkmal größtenteils verschwunden; stattdessen spielen andere Lautveränderungen eine Rolle. Ausnahmen bilden historisch bedingte Unterschiede in der Konsonantenlänge (z. B. im Italienischen).
Schriftliche Kennzeichnung
Vokallänge kann orthographisch unterschiedlich markiert werden:
- Makron (z. B. Latein, wissenschaftliche Transkriptionen): ā;
- Verdoppelung des Vokals (z. B. see im Englischen als historische Schreibweise, in modernen Orthographien jedoch uneinheitlich);
- Chōonpu in Kana-Schrift (Japanisch) oder ein diakritisches Zeichen (z. B. Akzent, Breve/Macron) in Transkriptionen;
- manche Orthographien markieren lange Vokale durch einen stummen Endkonsonanten oder -vokal (historisch z. B. im Mittelenglischen mit finalem e), was heute oft nicht mehr eindeutig die Länge anzeigt.
Phonologische Beschreibungen
In der Phonologie wird Vokallänge häufig mithilfe der Mora-Theorie beschrieben: eine kurze Vokal-Silbe hat eine Mora, eine lange zwei Moren. Diese Betrachtung ist nützlich, wenn rhythmische Muster, Silbengewicht oder Akzentsetzung analysiert werden sollen.
Wahrnehmung und Lernen
Für Lernende einer neuen Sprache ist das Erkennen und Produzieren von Vokallängen oft eine größere Herausforderung als die Artikulation einzelner Lautqualitäten, weil Dauer subtil sein kann und von der Muttersprache abhängt. Übungen zur auditiven Unterscheidung (Minimalpaare hören) und zum bewussten Zeitnehmen beim Sprechen helfen, die kontrastive Funktion der Vokallänge zu verinnerlichen.
Zusammenfassung
- Vokallänge ist die Dauer eines Vokals und kann in manchen Sprachen bedeutungsunterscheidend sein.
- Sprachen wie Japanisch, Finnisch, Ungarisch, Thai oder Latein (historisch) verwenden Vokallänge phonemisch; andere Sprachen, z. B. viele moderne englische Dialekte, nicht in gleichem Maße.
- Orthographische und phonetische Markierungen dafür sind vielfältig (Makron, Verdoppelung, spezielle Schriftzeichen, IPA-Längenzeichen ː).
Fragen und Antworten
F: Was ist die Vokallänge?
A: Die Vokallänge ist ein Merkmal in Sprachen, bei dem die Länge eines Vokals in einem Wort ein völlig anderes Wort ergeben kann.
F: Welche Sprachen haben dieses Merkmal?
A: Dieses Merkmal findet sich in vielen Sprachen, z. B. in Japanisch, Arabisch, Hawaiianisch, klassischem Latein und Thai.
F: Können Sie ein Beispiel dafür nennen?
A: Ein Beispiel dafür wären die japanischen Wörter chizu und chīzu. Der einzige Unterschied zwischen diesen beiden Wörtern ist, dass der Vokal "I" in chīzu länger gesprochen wird als in chizu. Chizu bedeutet "Karte", während chīzu "Käse" bedeutet.
F: Wie zeigen wir lange Vokale bei der Verwendung von IPA an?
A: Bei der Verwendung von IPA wird der Doppelpunkt (:) verwendet, um zu zeigen, dass der Vokal vor ihm ein langer Vokal ist. Zum Beispiel würde chizu in IPA als /t͡ɕizɯ/ geschrieben werden, aber chīzu würde als /t͡ɕi:zɯ/ geschrieben werden.
F: Gibt es im Englischen irgendwelche Merkmale, die mit der Verlängerung von Vokalen zusammenhängen?
A: Im Altenglischen gab es einige Merkmale, die mit der Verlängerung von Vokalen zu tun hatten, aber die meisten modernen Dialekte des Englischen verwenden dieses Merkmal nicht mehr. Im Altenglischen wurden lange Vokale u.a. mit zwei Vokalen zusammengeschrieben, wie z.B. book oder break, und es wurde ein stummes "E" an das Ende des Wortes gesetzt, wie z.B. hate. Diese Änderungen wurden alle vorgenommen, bis es zur Großen Vokalverschiebung kam, die den Klang der Vokale gegenüber früher drastisch veränderte.
F: Wie wurde im klassischen Latein zwischen Wörtern nach ihrer Länge unterschieden? A: Im klassischen Latein wurden Makronen verwendet, die gerade horizontale Linien über langen Vokalen sind, um Wörter nach ihrer Länge zu unterscheiden. Zum Beispiel sind Ānus (/ˈaː.nus/), annus (/ˈan.nus/) und anus (/ˈa.nus/) drei verschiedene Wörter, die trotz ähnlicher Aussprache unterschiedliche Bedeutungen haben, da die unterschiedlichen Längen der Vokale durch Makronen über ihnen angezeigt werden. Ānus bedeutet "Gesäß", annus bedeutet Jahr und anus bedeutet alte Frau.
F: Gibt es in den romanischen Sprachen noch Unterscheidungsmerkmale aufgrund der Vokallänge? A: Nein, keine der romanischen Sprachen, die Tochtersprachen des Lateinischen sind, kann Wörter anhand der Vokallänge unterscheiden, obwohl das Italienische eine Konsonantenverlängerung aufweist. Auch das Italienische verfügt über eine Form der Vokallänge, kann aber nicht wie das Lateinische zwischen zwei Wörtern unterscheiden.
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