1378 war ein Jahr, in dem sich mehrere politische und kirchliche Krisen bündelten. Besonders prägend waren der Tod von Papst Gregor XI., die folgenden päpstlichen Gegenwahlen und das Aufbegehren der städtischen Unterschichten in Florenz. Diese Ereignisse hatten längerfristige Folgen für die Kirche, das politisch-geistige Gefüge Europas und die soziale Ordnung in Italien.

Überblick

Das Jahr 1378 fällt in die Epoche der späten Mittelalterkrisen: Nachwirkungen der Pest, anhaltende Konflikte wie der Hundertjährige Krieg zwischen England und Frankreich sowie die wachsende Machtverschiebung in Osteuropa und Anatolien prägten das Jahrzehnt. Innerhalb dieses Rahmens traten 1378 mehrere markante Einzelereignisse auf, die teilweise unmittelbar miteinander verbunden waren.

Politische und militärische Ereignisse

  • Fortdauerndes Ringen in Westeuropa: Der Hundertjährige Krieg blieb ungelöst; kleinere Feldzüge, Plünderungen und diplomatische Manöver setzten sich fort, ohne dass es 1378 zu einer grundlegenden Wende kam.
  • Osteuropa und Balkan: Die Expansion der osmanischen Fürsten in den Balkanstaaten setzte sich in den 1370er Jahren fort. Konkrete Großschlachten für 1378 sind in den Quellen oft unscharf überliefert, doch die politische Lage änderte sich Richtung zunehmender osmanischer Präsenz.
  • Reich und Böhmen: Nach dem Tod Kaiser Karl IV. (siehe unten) kam es zum Übergang der Herrschaft auf die nächste Generation, was die innenpolitische Stabilität des Heiligen Römischen Reiches beeinflusste.

Religion: Tod des Papstes und Beginn des Westschismas

Die religiösen Ereignisse des Jahres gehören zu dessen historisch wichtigsten Vorgängen:

  • 27. März 1378: Papst Gregor XI. stirbt in Rom. Er war 1377 aus Avignon nach Rom zurückgekehrt; sein Tod löste eine dramatische Papstwahl aus.
  • April 1378: In der päpstlichen Wahlversammlung in Rom wird Bartolomeo Prignano zum Papst gewählt; er nahm den Namen Urban VI. an. Die Wahl fand unter starkem Druck aus der römischen Bevölkerung statt, die einen in Rom residierenden Papst forderte.
  • Spätsommer/Herbst 1378: Teile des Kardinalskollegiums — vor allem französische Kardinäle — erklärten die Wahl für unumkehrbar beeinträchtigt und wählten im September einen Gegenpapst, Clemens VII., der in Avignon residierte. Damit begann das so genannte Westliche Schisma (auch Avignonesisches Schisma), das die Kirche in zwei (später drei) konkurrierende päpstliche Höfe spaltete.

Das Schisma sollte mehrere Jahrzehnte andauern und erst früh im 15. Jahrhundert auf dem Konzil von Konstanz (1414–1418) weitgehend beigelegt werden.

Soziale Unruhen: Der Ciompi-Aufstand in Florenz

In Italien kam es 1378 zu bedeutenden innerstädtischen Konflikten:

  • Juli 1378: In Florenz brach der Ciompi-Aufstand aus — ein Aufruhr von meist waffen- und arbeitsarmen Textilarbeitern (den Ciompi) und anderen un- oder unterrepräsentierten Bevölkerungsgruppen. Die Bewegung richtete sich gegen die wirtschaftliche Ungleichheit und gegen die politische Dominanz der etablierten Zünfte und Patrizier.
  • Der Aufstand führte kurzfristig zur Bildung einer Regierung, die versuchte, die Interessen der unteren Schichten zu vertreten; sie wurde jedoch innerhalb eines Jahres wieder niedergeschlagen. Der Ciompi-Aufstand gilt als ein frühes Beispiel massiver städtischer Unruhen im spätmittelalterlichen Italien.

Kultureller und wirtschaftlicher Kontext

1378 war kein Jahr großer einzelner kultureller Durchbrüche, doch im größeren Rahmen des späten 14. Jahrhunderts setzte sich die allmähliche Herausbildung kultureller Strömungen fort, die später zur Renaissance führten. Wirtschaftlich blieben Handel und Handwerk in den Städten wichtig, während ländliche Regionen oft unter Steuerdruck und Bevölkerungsverschiebungen litten.

Weltgeschichte: Entwicklungen außerhalb Europas

  • Persien und Zentralasien: Die Machtverschiebungen infolge des Zerfalls mongolischer Reiche führten weiter zu regionalen Konflikten und zur Konsolidierung lokaler Feldherren; in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts stieg Timur (Tamerlan) als regionaler Machtfaktor auf, setzte seine Eroberungen aber erst in den folgenden Jahrzehnten fort.
  • China: Die Ming-Dynastie (ab 1368) festigte in dieser Periode ihre Verwaltung und setzte Reformen fort, die die staatliche Kontrolle über Landwirtschaft, Steuern und Militär stabilisierten.
  • Amerika und andere Regionen: In Amerika existierten zahlreiche hochentwickelte Indigenen-Kulturen; schriftliche Überlieferungen aus europäischen Quellen sind jedoch für 1378 kaum vorhanden.

Geburten

Die Überlieferung von Geburtsdaten des 14. Jahrhunderts ist oft lückenhaft. Für das Jahr 1378 sind in den Chroniken und Registern wenige eindeutig belegte prominente Geburtsdaten überliefert. Viele biographische Angaben aus diesem Jahrhundert sind unsicher und werden in modernen Studien mit Vorbehalt behandelt.

Todesfälle (Auswahl)

  • 27. März 1378 — Papst Gregor XI. (Geburtsjahr 1330er Jahre): Sein Tod in Rom leitete die konklusionsbedingten Auseinandersetzungen ein, die in das Westschisma mündeten.
  • 29. November 1378 — Kaiser Karl IV. (1316–1378): Karl IV. war eine zentrale Gestalt des Heiligen Römischen Reiches; nach seinem Tod trat sein Sohn Wenzel (Wenceslaus) die Nachfolge als König von Böhmen und römisch-deutscher König an.
  • Daneben starben 1378 zahlreiche regional bedeutende Adelige, Geistliche und städtische Führer; viele dieser Sterbedaten sind in regionalen Urkunden vermerkt, haben aber für die überregionale Politik jeweils unterschiedliche Relevanz.

Folgen und historische Bewertung

Die unmittelbaren und längerfristigen Folgen des Jahres 1378 lassen sich in mehreren Bereichen zusammenfassen:

  • Kirche: Das Westschisma schwächte die Autorität des Papsttums und führte zu einer lang andauernden Spaltung, die Reformbewegungen und Konzilsdebatten beförderte.
  • Politik: Der Tod bedeutender Herrscher wie Karl IV. veränderte dynastische Verhältnisse und beeinflusste Machtkonstellationen innerhalb des Reiches und in angrenzenden Gebieten.
  • Gesellschaft: Die Unruhen wie der Ciompi-Aufstand zeigten die Spannungen zwischen wachsenden städtischen Bevölkerungsgruppen und den städtischen Eliten; solche Konflikte prägten die politische Kultur der italienischen Städte in den folgenden Jahrzehnten.

Weiterführende Hinweise

Wer das Jahr 1378 vertiefend untersuchen möchte, sollte neben allgemeinen Überblicksdarstellungen der spätmittelalterlichen Geschichte spezialisierte Studien zum Westschisma, zur florentinischen Geschichte (insbesondere den Ciompi-Aufständen) und zur Nachfolge Karls IV. heranziehen. Regionale Quellen und moderne Editionswerke liefern oft spezifische Daten zu lokalen Ereignissen.