Christian Wulff (1959) – Politiker und Jurist: Biografie des Ex-Bundespräsidenten
Kurzbiografie Christian Wulff (1959) – Politiker & Jurist: Aufstieg vom niedersächsischen Ministerpräsidenten zum Bundespräsidenten, Amtszeit, Rücktritt und beruflicher Werdegang.
Christian Wilhelm Walter Wulff (geboren am 19. Juni 1959 in Osnabrück) ist ein deutscher Politiker und Jurist. Er ist Mitglied der konservativen Christlich-Demokratischen Union. Er wurde am 30. Juni 2010 zum Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland gewählt. Wulff wurde zwei Tage nach der Wahl am 2. Juli 2010 vereidigt. Von 2003 bis 2010 war er Ministerpräsident des Landes Niedersachsen. Am 17. Februar 2012 kündigte Wulff seinen Rücktritt vom Amt des Bundespräsidenten an.
Frühes Leben und Ausbildung
Christian Wulff wurde in Osnabrück geboren und wuchs in Niedersachsen auf. Er studierte Rechtswissenschaften, legte die juristischen Staatsexamina ab und arbeitete als Rechtsanwalt. Parallel zu seiner beruflichen Ausbildung engagierte er sich früh politisch in der CDU und in der Jungen Union.
Politische Laufbahn
Wulff war über viele Jahre in der Landespolitik Niedersachsens aktiv. Vor seiner Wahl zum Ministerpräsidenten bekleidete er verschiedene Ämter innerhalb der Partei und der Landesverwaltung. Als Ministerpräsident von Niedersachsen (2003–2010) setzte er Schwerpunkte in der Wirtschafts-, Bildungs- und Haushaltspolitik seiner Landesregierung und war als einer der Bundesländer-Chefs in bundespolitischen Diskussionen präsent.
Bundespräsident und Rücktritt
Nach seiner Wahl zum Bundespräsidenten 2010 übernahm Wulff ein repräsentatives Staatsamt mit der Aufgabe, die Bundesrepublik innerhalb Deutschlands und international zu vertreten. Seine Amtszeit war jedoch von intensiver medialer und politischer Kritik begleitet. Im Zuge von Vorwürfen über private Vorteile und die Einflussnahme von Dritten geriet Wulff in die Kritik; die öffentliche Debatte und ein laufendes Ermittlungsverfahren führten schließlich zu seinem Schritt, das Amt niederzulegen. Am 17. Februar 2012 gab er seinen Rücktritt bekannt.
Rechtsverfahren, Nachwirkungen und spätere Tätigkeit
Nach dem Rücktritt folgten Ermittlungen und ein Strafverfahren, das in der öffentlichen Wahrnehmung und in juristischen Auseinandersetzungen stark beachtet wurde. Die Verfahren führten nicht zu einer Verurteilung; später wurden die Vorwürfe nicht in einem rechtskräftigen Schuldspruch bestätigt. Nach seiner Amtszeit zog sich Wulff weitgehend aus der aktiven Politik zurück, war aber weiterhin als Autor, Redner und in verschiedenen öffentlichen Diskussionen präsent.
Privates
Wulff ist verheiratet und hat Kinder. Über sein Privatleben äußert er sich zurückhaltend, öffentliche Aufmerksamkeit galt in der Vergangenheit jedoch auch seiner Familie vor dem Hintergrund der politischen Ereignisse.
Christian Wulff bleibt eine umstrittene, zugleich prominente Figur der deutschen Nachkriegs-Geschichte: er verkörperte als junger Ministerpräsident politischen Aufstieg, erlebte als Bundespräsident öffentliche Anerkennung, musste aber auch persönliche und politische Rückschläge hinnehmen. Seine Biografie umfasst damit sowohl politische Erfolge als auch die Auseinandersetzung mit medialer Kritik und rechtlichen Prüfungen.
Frühes Leben und Bildung
Wulff wurde in Osnabrück geboren und ist römisch-katholisch. Sein Vater verließ die Familie, und er wuchs bei seiner Mutter auf. Als Teenager musste er die Verantwortung für die Pflege seiner jüngeren Schwester übernehmen, nachdem seine Mutter an Multipler Sklerose erkrankt war. Nach dem Abitur am Gymnasium in Osnabrück ging Wulff zum Studium der Rechtswissenschaften. An der Universität Osnabrück spezialisierte er sich auf Wirtschaftsrecht. In den Jahren 1987 und 1990 legte er das erste und zweite juristische Staatsexamen ab. Er begann als Rechtsanwalt zu arbeiten.
Politische Karriere
Seit 1975 ist Wulff Mitglied der CDU. Von 1978 bis 1980 war er Bundesvorsitzender der Schülerunion. Dies war eine mit den Christdemokraten verbundene politische Gymnasiastenorganisation. Seit 1983 ist er Landesvorsitzender der Jungen Union in Niedersachsen. Im Jahr 1986 wurde er in seiner Heimatstadt zum Stadtrat gewählt. Seit 1984 gehört er dem Landesparteirat der CDU Niedersachsen an, dessen Vorsitzender er seit 1994 ist.
Die Christdemokraten machten Wulff 1994 zum Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten. Der populäre Amtsinhaber Gerhard Schröder gewann jedoch. Nach vier Jahren in der Opposition brachte die Wahl 1998 eine weitere Gelegenheit für Wulff, Ministerpräsident zu werden. Tatsächlich machte die Bundespartei der Christdemokraten unter Bundeskanzler Helmut Kohl Wulff ein weiteres Mal zum Präsidentschaftskandidaten.
Wulff ist seit dem 7. November 1998 einer der vier stellvertretenden Vorsitzenden der CDU auf Bundesebene. Seit 2003 ist er zudem Vorstandsmitglied der Konrad-Adenauer-Stiftung.
Landtagswahl 2003
Niedersachsen kündigte tiefere Einschnitte bei Bildung und kommunalen Dienstleistungen an. Damit wurden die Weichen für den Wahlkampf 2003 gestellt. Wulff ging als Favorit auf den Wahlsieg ins Rennen. Die Christdemokraten, seit 1990 in der politischen Wildnis, wurden in der gesetzgebenden Versammlung wieder an die Macht gebracht und gewannen 48,3% der Stimmen. Wulff wurde am 4. März 2003 als Chef einer Koalition aus Mitte-Rechts-Christen und liberalen Freien Demokraten (FDP) als Ministerpräsident vereidigt.
Richtlinien
Als Ministerpräsident hat Wulff eine Reihe von Reformen durchgeführt. Dazu gehoeren eine Umstrukturierung des niedersaechsischen Grundschulwesens sowie eine Aufstockung des Polizeipersonals. Bei Wulffs Amtsantritt sah sich Niedersachsen mit einer schweren Haushaltskrise konfrontiert. Sie war das Ergebnis jahrelanger öffentlicher Defizite. Gegen erheblichen politischen Widerstand wurden schmerzhafte Einschnitte bei den öffentlichen Ausgaben beschlossen und umgesetzt. Zu den Maßnahmen gehörten Kürzungen bei den Hochschulmitteln und bei den Blindenleistungen. Weitere Maßnahmen betreffen die Reform der Verwaltung. Viele Maßnahmen sind nach wie vor umstritten.
Vor der Bundestagswahl 2005 war Wulff als potenzieller Kandidat für das deutsche Kanzleramt genannt worden. Überraschenderweise nannten in einer Umfrage im Frühjahr 2005 28 Prozent aller Befragten Wulff als ihren bevorzugten Kandidaten für die christdemokratische Kanzlernominierung bei der Wahl 2006. Da Wulff erst Anfang 2003 seine erste Amtszeit als Ministerpräsident antrat, wird er solche Spekulationen wahrscheinlich ablehnen. Im Dezember 2014 wurde Wulff mit rund 86 Prozent aller Delegierten als stellvertretender Vorsitzender der Bundespartei wiedergewählt.
In einer Rede sprach sich Wulff gegen die Euthanasie aus und warnte vor einem Rückzug der moralischen Werte. Dies kann als der erste Versuch angesehen werden, eine wertebasierte Agenda für die Legislativversammlung 2008 und die Bundestagswahl 2009 zu formulieren. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, darauf hinzuweisen, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel wegen mangelnder emotionaler Wärme während des Bundestagswahlkampfes 2005 heftig kritisiert worden war.
Wulff und die eidgenössischen Wahlen 2005
Aufgrund seiner Popularitaet in Niedersachsen und in Meinungsumfragen des Bundes galt Wulff als Anwärter auf das Kanzleramt.
Nach der Ankündigung vom 23. Mai, dass die Bundestagswahl auf September 2005 vorgezogen wird, kündigte Wulff an, dass er nicht für die CDU-Kanzlerkandidatur kandidiert. Seine erste Amtszeit als niedersaechsischer Ministerpraesident hat er noch nicht beendet. Stattdessen erklaerte Wulff seine Unterstuetzung fuer Angela Merkel. Sie war die CDU-Vorsitzende im Bundestag. Man erwartete, dass die Christdemokraten die Wahl gewinnen und eine Regierung bilden und dass Wulff einen Posten in dieser Regierung erhalten werde. Da die Wahl vom 18. September jedoch zu einem hängenden Parlament führte, ist das Ergebnis unklar. Wulff wurde weiterhin als möglicher CDU-Kanzlerkandidat genannt, insbesondere wenn es Bundeskanzlerin Merkel nicht gelingen sollte, bei der Bundestagswahl 2009 ein entscheidendes Mandat zu erhalten.
Präsident von Deutschland
Christian Wulff wurde am 30. Juni 2010 zum deutschen Bundespräsidenten gewählt. Er erhielt im dritten Wahlgang der Bundesversammlung 625 von 1242 Stimmen. Er ist der jüngste deutsche Präsident (51 Jahre) und der erste römisch-katholische Präsident seit mehr als vierzig Jahren (der letzte römisch-katholische Präsident war Heinrich Lübke). Wullf wurde am 2. Juli 2010 vor dem Bundestag und dem Bundesrat vereidigt.
Sein Hauptkonkurrent bei der Wahl war Joachim Gauck, ein Bürgerrechtler aus Ostdeutschland und ehemaliger Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen. Gauck, der keiner Partei angehört, wurde am 3. Juni von der oppositionellen SPD und den Grünen als ihr Präsidentschaftskandidat nominiert.
Wulff wird Nachfolger von David McAllister als Ministerpräsident von Niedersachsen. Die Kandidatur Wulffs für das Amt des Bundespräsidenten bei der Präsidentschaftswahl 2010 wurde von Angela Merkel, Guido Westerwelle und Horst Seehofer formell bestätigt. Sie sind die Parteivorsitzenden von CDU, FDP und CSU.
Familie
Christian Wulff lernte seine erste Frau, Rechtsanwältin Christiane Wulff (geb. 1959), kennen, als sie beide 1983 in Osnabrück Jura studierten. Sie heirateten im März 1988 und haben eine Tochter, Annalena (geb. 1993). Im Juni 2006 kündigte Wulff an, dass er sich von seiner Frau scheiden lassen werde. Im Jahr 2008 heiratete Wulff eine Mitarbeiterin des Ministerpräsidentenamtes, Bettina Körner (geb. 1973 in Hannover). Sie hat einen Sohn aus einer früheren Beziehung. Am 12. Mai 2008 brachte sie ihr erstes gemeinsames Kind zur Welt, ebenfalls einen Jungen.
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